Die Suche nach der günstigsten Tankstelle? Oft nicht so einfach

Heimische Autofahrer werden sich wahrscheinlich selten so sehr mit Treibstoffpreisen beschäftigt haben wie in den vergangenen Tagen. Der Iran-Krieg und die Blockade einer der großen Transportrouten für Erdöl hat zu stark gestiegenen Benzin- und Dieselpreisen an Tankstellen geführt. Aus Sorge um die Inflation hat die Regierung Gegenmaßnahmen initiiert. Die Suche nach möglichst günstigem Sprit ist durch Abfragen im Internet einfacher denn je. Aber auch hier kommt es hie und da zu bösen Überraschungen . Unstimmigkeiten zeigen nur Beschwerden auf Tankstellenbetreiber müssen ihre aktuellen Preise täglich in die Spritpreistransparenzdatenbank der E-Control eintragen. Die Datenbank existiert seit September 2011, erzählt Daniel Hantigk , Produktleiter Mobilitätsapplikationen bei der E-Control. Auf dem Spritpreisrechner der Regulierungsbehörde werden stets die aktuellen Tankstellenpreise angezeigt. Die Behörde selbst kontrolliert aber nicht, ob die Preise vor Ort tatsächlich den gemeldeten entsprechen. „Von Unstimmigkeiten erfahren wir, wenn jemand bei uns anruft und eine Beschwerde vorbringt“, sagt Hantigk. Außerdem gebe es Anfragen von Bezirksverwaltungen, wenn Personen aufgrund von falsch angegebenen Preisen eine Anzeige machen. Letzteres komme im Schnitt ein bis zwei Mal pro Jahr vor. Direkte Beschwerden bei der E-Control gebe es im Schnitt alle zwei Monate. In vielen Fällen seien es Mitbewerber von Tankstellenbetreibern, die Diskrepanzen aufzeigen. Kontrollen in Wien zeigten Übertretungen auf Unabhängig davon werden Kontrollen an Tankstellen aber auch von der Bundeswettbewerbsbehörde in Auftrag gegeben. In Wien hat etwa das Marktamt in der vergangenen Woche Kontrollen durchgeführt. Bei 37 Tankstellen wurden 5 Übertretungen des Preisauszeichnungsgesetzes festgestellt, wie Meinbezirk.at berichtet . Außerhalb Wiens seien es meist Bezirksverwaltungen, die Kontrollen durchführen. Der Preis muss meist nur als okay empfunden werden Während sich in anderen Ländern derzeit Warteschlangen an Tankstellen bilden, wenn günstigere Preise geboten (oder noch höhere in Zukunft befürchtet) werden, ist die Lage in Österreich relativ ruhig. Die meisten Autofahrer nehmen keine allzu großen Umwege in Kauf, um billiger zu tanken. „So etwas sollte möglichst vermieden werden“, sagt Hantigk. „Deswegen ist ja ein Grundgedanke beim Spritpreisrechner, nur zehn Tankstellen um den Ausgangspunkt anzuzeigen.“ Die Erfahrung zeige, dass die meisten Nutzer auch nicht unbedingt die günstigste der zehn angezeigten Tankstellen in der Nähe ansteuern. „Sie wollen nur ungern über den Tisch gezogen werden. Wenn der Preis an der Lieblingstankstelle okay ist, dann wird die gewählt. Nur wenn der Preis dort plötzlich um 15 Cent teurer als bei anderen Tankstellen ist, dann sagen die Leute: Habt’s mich gern.“ Steirer haben oft die günstigsten Preise Die Unterschiede bei Spritpreisen zwischen den Bundesländern sind üblicherweise gering. Bei regionalen Auswertungen sehe man aber laut Hantigk, „dass häufiger Bezirke aus der Steiermark unter den günstigsten sind“. In Wien und Salzburg seien oft die teuersten Preise zu finden, manchmal liege aber sowohl das günstigste, als auch das teuerste Angebot in Wien. Um die Preise rund um den eigenen Wohnort zu überprüfen, nutzt man am besten den Spritpreisrechner, ähnliche Angebote der heimischen Autofahrerklubs oder das neue Spritpreis-Radar im KURIER . Wirkung von dreimal wöchentlicher Preiserhöhung unklar Aufgrund der aktuellen Ölpreiskrise durch den Iran-Krieg hat die Bundesregierung beschlossen, dass Tankstellen künftig nur noch drei Mal pro Woche Preise erhöhen dürfen – am Montag, Mittwoch und Freitag, jeweils um 12 Uhr mittags. „Für Verbraucher wäre eine Beruhigung des Preisgezappels schon ein Vorteil“, meint Hantigk. Ob der Preis durch die Maßnahme wirklich sinken wird, sei fraglich. Der ÖAMTC bezweifelt es jedenfalls. „Wir sehen in diesem Vorschlag kein Potenzial für eine unmittelbare und nachhaltige Entlastung“, sagt ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexperte Martin Grasslober. „Auf eine Maßnahme, die offensichtlich nur zur Beruhigung der öffentlichen Diskussion dient, kann man somit getrost verzichten.“ In Zukunft wird man sich jedenfalls darauf einstellen können, dass die Preise am ehesten am Montag, Mittwoch und Freitag jeweils vormittags am günstigsten sind.