Ihr Chorgesang ist nicht zu überhören. Männliche Sierra-Laubfrösche können mit ihrer kehlständigen Schallblase extrem laut rufen. Das rhythmische Gequake soll Partnerinnen anlocken und der Konkurrenz den Fortpflanzungsstatus signalisieren. Nun haben Forschende der Universität von Kalifornien, Davis herausgefunden, dass Pseudacris sierra wegen des Klimawandels frühzeitig in den Turbomodus verfällt. „Das Quaken der Frösche hängt stark von der Umgebungstemperatur ab“, erklärt Studien-Erstautorin Julianne E. Pekny in einer Aussendung. Sie hatte Tonaufnahmen aus kalifornischen Naturschutzgebieten ausgewertet. „Wenn sich die Teiche erwärmen, klingen die Rufe zunächst langsam und träge, dann aber schneller und fast verzweifelt.“ Die Männchen zeigen so den Weibchen an, wann der optimale Zeitpunkt ist, zum Teich zu kommen, Eier abzulegen und dem Nachwuchs gute Bedingungen zu sichern. „Die Klimakrise trägt in Österreich dazu bei, dass keine heimische Amphibienart ungefährdet ist“, sagt Andreas Maletzky. Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie arbeitet gerade an der Aktualisierung der Liste der bedrohten Spezies mit. Amphibien geraten durch Lebensraumverlust in Bedrängnis Die ohnehin seltene Kreuzkröte etwa, von der es hierzulande um die 300 Exemplare gibt, ist ebenso in Bedrängnis wie der weit verbreitete Grasfrosch , der die größten Rückgänge verzeichnet. Bleiben Niederschläge und Schneeschmelze aus, sinkt der Grundwasserspiegel und dem raren Moorfrosch geht Lebensraum verloren. Ohne Überschwemmungen kann der Kleine Wasserfrosch nicht abtauchen. Trocknen Gewässer aus, bleibt die Gelbbauchunke auf der Strecke. „Der Klimawandel ist nicht die einzige Gefährdung für Froschlurche“, betont Maletzky. Seit Langem reduzieren die Begradigung von Flüssen sowie die Drainagierung von Wiesen und Grünland Habitate. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung von Flächen inklusive Gülledüngung macht Erdkröte und Laubfrosch das Leben schwer. Nicht zuletzt setzen Bodenversiegelung und der Straßenverkehr den Amphibien zu. Viren und Pilzerkrankungen tun ein Übriges. An Kommunikationsproblemen liegt die Dezimierung der Populationen selten. „Die Rufe von Europäischen Laubfröschen sind bei Wind oft viele hundert Meter weit zu hören“, sagt der Herpetologe. Wie ihre Verwandtschaft in Übersee bringen die Männchen mit dem Balzen die Fortpflanzung in Gang. Die Gesänge können sogar den Eisprung auslösen. Ein naturnah gestalteter Garten trägt zum Schutz von Frosch und Kröte bei „Im Garten ist das Quaken natürlich eine schwierige Sache“, sagt Maletzky: „Aber es ist ein gutes Zeichen für eine intakte Natur und allemal besser als z.B. Autolärm.“ In diesem Sinn appelliert der Amphibien-Experte, in strukturierten Gärten wilde Ecken zu belassen und fischfreie Biotope zum Schutz von Teichfrosch und Co. anzulegen. Auch Studien-Autorin Pekny hört den Fröschen gerne zu. Sie will nun den Klang und die Qualität der Liebeslieder genauer analysieren , um daraus Rückschlüsse auf Klimaveränderungen ziehen zu können. „Für mich ist spannend, dass Weibchen am Gesang möglicherweise verfolgen, wie sich die Jahreszeiten im Laufe der Zeit verschieben.“