Von Gernot Heigl Meterhohe Flammen, brennende Strohbündel, die der Wind vom Dach des denkmalgeschützten Heimathauses tief in die Ortschaft von Stinatz hineintrug, weithin sichtbarer Feuerschein: Dramatische Szenen nach einem Blitzschlag in der Nacht zum 1. Juni 2025. Trotz eines Großeinsatzes zahlreicher Feuerwehren blieben vom historischen Gebäude nur die Grundmauern, vom angrenzenden alten Stadl lediglich verkohlte Holzstämme. „In dieser Nacht wurde nicht nur ein Teil unserer Kultur vernichtet, da ist wirklich ein Teil unserer Identität gestorben – also von den Stinatzer Krowoden (Anm.: Kroaten)“, resümiert Bürgermeister Andreas Grandits . „Da wir aber unseren Kindern und auch den künftigen Generationen zeigen wollen, wie wir in unserer Gemeinde früher gelebt und gewohnt haben, werden wir dieses abgebrannte historische Ensemble wieder aufbauen.“ Das Heimathaus, errichtet um 1850, stand früher in der Brunnenstraße . Im Jahr 1975 wurde es abgebaut und in der Hauptstraße 19, rund einen Kilometer entfernt, originalgetreu wieder aufgebaut. Der daneben aufgestellte historische Stadl aus dem 19. Jahrhundert stammte ursprünglich aus Markt Allhau. „Es wurde nicht nur ein Teil unserer Kultur vernichtet, da ist ein Teil unserer Identität gestorben.“ Andreas Grandits / Bürgermeister Hoffen auf Förderungen In den Gebäuden waren einerseits alte Möbel, besonders farbenprächtige Trachten, bunte Kopfkränze, aufwendig handbestickte Pailletten-Umhänge, Bilder und weitere Alltagsgegenstände liebevoll dekoriert. Andererseits wurden bäuerliche Geräte ausgestellt, etwa Körbe, Eggen, Pflug oder Dreschflegel. „Unser Heimatmuseum war immer gut besucht. Es gab Studiengruppen, Touristen aus den Wellnesshotels und Reisegruppen“, so der Ortschef. „Zu den Gästen zählten auch die Kinder aus dem Kindergarten und der Volksschule. Sogar der Ostbahn-Kurti, also Willi Resetarits, war hier.“ Der Schaden durch den Brand beträgt rund eine halbe Million Euro und ist durch Versicherungen „zu rund 70 Prozent gedeckt. Wir hoffen auf Förderungen von Land, EU sowie Unterstützung durch das Bundesdenkmalamt. Auch die Gemeinde hat finanzielle Hilfe zugesagt“, schildert Valentin Grandits , Obmann des Verschönerungs- und Volkskulturvereins Stinatz . „Dankenswerterweise gibt es auch schon Spenden von Privatpersonen und Vereinen. Sein Stellvertreter Franz Kirisits: “Der originalgetreue Aufbau soll Mitte März beginnen. Eine Firma aus Stegersbach übernimmt die Zimmererarbeiten, die Eindeckung der Dächer mit Roggenstroh ein Betrieb aus Slowenien – da gibt es keinen im Burgenland.„ Läuft alles nach Plan, ist die Grundstruktur der Gebäude im Sommer fertig, dann folgt die Inneneinrichtung. Eröffnung mit Tradition Die vor den Flammen geretteten Dekorationsgegenstände können restauriert werden. Zerstörtes Gut lassen wir neu anfertigen“, sagt Kirisits mit Blick in die Zukunft: „Wir träumen von einer Fertigstellung und Wiedereröffnung noch heuer. Realistisch gesehen wird es aber Anfang 2027 sein.“ Ob die Eröffnung vom aktuellen Bundespräsidenten vorgenommen wird, steht noch nicht fest. „Wäre aber Tradition“, lächelt Bürgermeister Grandits, „denn 1977 war Rudolf Kirchschläger vor Ort, 2013 – nach einer Generalsanierung – Heinz Fischer.“