Kritik an der Führungsebene: Dienstfahrzeuge im privaten Einsatz?

Von Gernot Heigl und Michael Pekovics Am Wochenende stand Oberwart bereits zum dritten Mal im Zeichen der Blaulichtorganisationen: Bei der „Signal 112,“ einer internationalen Fachmesse für Feuerwehr und Rettung, traf sich die Führungsebene des burgenländischen Feuerwehrwesens zu einem Seminar im Messezentrum. Während dort mit rund 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über Organisation, Zusammenarbeit und Einsatzführung diskutiert wurde, wurde der KURIER über Vorwürfe gegenüber der Führungsebene informiert. Konkret geht es um die Dienstfahrzeuge für den Landesfeuerwehrkommandanten Franz Kropf, seine beiden Stellvertreter sowie die sieben Bezirksfeuerwehrkommandanten. Dabei handelt es sich um allradbetriebene Fahrzeuge des Typs VW Tiguan mit Blaulichtelementen und Feuerwehrkennzeichen. Der Informant kritisiert insbesondere die angebliche Nutzung über dienstliche Zwecke hinaus. „Die Herrschaften nutzen diese Fahrzeuge aber nicht nur dienstlich, sondern auch privat“, heißt es in den Informationen, die dem KURIER vorliegen. Nach Darstellung des Informanten würden für Treibstoff, Versicherung, Service oder Reifen keine persönlichen Kostenbeiträge anfallen. Angeblich sind sogar Familienmitglieder mit den Fahrzeugen unterwegs. Im Gespräch mit dem KURIER erzählt der Whistleblower von besonderen Privilegien innerhalb der Führungsebene und kritisiert die Finanzierung der Fahrzeuge: „Also ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr zum Nulltarif inklusive privatem Missbrauch.“ Verband: „Klar geregelt“ Der burgenländische Landesfeuerwehrverband weist auf Anfrage den Vorwurf eines Missbrauchs zurück. Die Nutzung der in den Jahren 2021 und 2022 übergebenen Dienstfahrzeuge sei „durch entsprechende Übernahmevereinbarungen klar geregelt “. Man sei über einzelne Vorwürfe bereits informiert worden und habe diese intern zur Kenntnis genommen. Weitere Beschwerden lägen zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht vor. Auch die Fahrtenbücher seien von der zuständigen Aufsichtsbehörde kontrolliert worden. Persönliche Kostenbeiträge der Funktionsträger seien nicht vorgesehen, „da es sich um Dienstfahrzeuge zur Wahrnehmung ihrer umfangreichen Führungsaufgaben handelt“. Aus Sicht des Verbandes liege daher kein Missbrauch vor. "Sinnvolle Investition" Auch das Land äußerte sich zu den Vorwürfen. Vor dem Ankauf der zehn Dienstfahrzeuge habe eine Erhebung ergeben, dass die Bezirksfeuerwehrkommandanten pro Jahr im Schnitt zwischen 10.000 und 15.000 Kilometer im Bereich ihrer Einsatztätigkeiten mit privaten Fahrzeugen zurückgelegt hätten. Die Fahrtenbücher seien zuletzt 2024 überprüft worden. Seitens der Aufsichtsbehörde sei damals festgehalten worden, „dass es sich aufgrund der großen Anzahl an Dienstfahrten und gefahrenen Kilometern um eine sinnvolle und notwendige Investition im Bereich der Sicherheit handelte“. Außerdem verwies das Land in einer Stellungnahme darauf, dass der Landesfeuerwehrverband ein Selbstverwaltungskörper sei und daher die Nutzung der Fahrzeuge eigenverantwortlich regle. Das Schneechaos und der Feuerwehr-Ball in Wien Neben den Vorwürfen rund um die Verwendung von zehn Dienstfahrzeugen steht auch Landesfeuerwehrkommandant Josef Kropf selbst in der Kritik. Der Jennersdorfer war ausgerechnet am Tag des größten Schneechaos im Südburgenland vor einigen Wochen zum Ball der Wiener Berufsfeuerwehr gefahren. Das sorgt für einigen Unmut in den eigenen Reihen. Denn während Kropf im Wiener Rathaus tanzte, seien zahlreiche Mitglieder von Feuerwehren im Dauereinsatz gestanden. Das sei ein „unpassendes Verhalten für eine Führungsperson“, so ein kritischer Kommentar in Richtung Kropf. "Aktiv mitgewirkt" Seitens des Landesfeuerwehrverbandes wird die Kritik zurückgewiesen. Kropf sei im Zuge der Unwettereinsätze bereits am Freitag ab 3.40 Uhr persönlich in den betroffenen Gebieten im Einsatz gewesen. Er habe sich vor Ort ein unmittelbares Lagebild verschafft und „aktiv an der Lagebeurteilung sowie an der Koordination der Maßnahmen mitgewirkt“. Auch am Sonntag sei er wieder direkt im Einsatzgebiet gewesen.  Am Samstag sei er im operativen Bereich vom zuständigen Bezirksfeuerwehrkommandanten vertreten worden. „Dieses Vorgehen entspricht der vorgesehenen Führungsstruktur der Feuerwehrorganisation“, teilte der Verband mit. Der Besuch des Wiener Feuerwehrballs sei zudem eine seit Jahren bestehende repräsentative Verpflichtung . Der Landesfeuerwehrkommandant habe zuvor auf Einladung der Berufsfeuerwehr Wien auch an einem Treffen der Landesfeuerwehrkommandanten teilgenommen, bei dem der bundesländerübergreifende Austausch im österreichischen Feuerwehrwesen im Mittelpunkt gestanden habe. Die Darstellung, er habe seine Kameraden „im Stich gelassen“, entspreche daher „nicht den tatsächlichen Abläufen“, betont der Verband. Während seiner Abwesenheit habe der Kommandant weiterhin in Kontakt mit dem Landesführungsstab gestanden und sei über die aktuelle Lage zu jeder Zeit informiert gewesen.