Drogenbericht 2025: Cannabis auf Platz 1, Kokain im Vormarsch

Kürzlich wurde der jährliche Bericht des abwasserbasierten Drogenmonitorings von der Drogenagentur der Europäischen Union (EUDA) veröffentlicht. Den Österreichischen Beitrag für 2025 lieferte das Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck . Europaweit wurden insgesamt die Abwässer von 131 Städten und Regionen untersucht, davon 18 Kläranlagen in Österreich, sowie eine in Südtirol – was nahezu 40 Prozent der Bevölkerung abdeckt. „Österreich liefert damit vierzehn Prozent aller europäischen Datensätze“, berichtet Herbert Oberacher, Leiter des Abwasserlabors am GMI der Medizin Uni Innsbruck. Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck sind dabei die einwohnerstärksten Regionen. Dort werden bezogen auf die Gesamtfracht die größten Drogenmengen im Abwasser beobachtet, heißt es in der Aussendung der Medizin Uni Innsbruck. Neu im Monitoring-Programm: Narkosemittel Ketamin Für die jährliche SCORE-Studie wurden im Frühjahr und Frühsommer 2025 über einen Zeitraum von einer Woche täglich Proben vom Zufluss der Kläranlagen entnommen und mithilfe modernster analytisch-chemischer Verfahren ausgewertet. Untersucht wurden die Konsummarker der Suchtgifte Tetrahydrocannabinol (THC, Wirkstoff in Cannabis), Kokain, Amphetamin (Wirkstoff in Speed), 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA, Wirkstoff in Ecstasy) und Methamphetamin (Wirkstoff in Crystal Meth) sowie Alkohol und Nikotin. Neu im Programm ist das Monitoring von Ketamin . Ketamin ist ein Arzneistoff, der als dissoziatives Anästhetikum wirkt. Er wird seit den 1970er-Jahren in der Human- und Tiermedizin zur Narkoseeinleitung und Schmerzbehandlung eingesetzt. Wegen seiner stark bewusstseinsverändernden Wirkung wird Ketamin auch als Rauschdroge konsumiert. Oberacher warnt jedoch vor einer übereilten Interpretation: „Aufgrund der medizinischen Anwendung von Ketamin sollten die vorliegenden Ergebnisse mit entsprechender Vorsicht interpretiert werden. Dennoch ist langfristig ein Monitoring im Hinblick auf die missbräuchliche Verwendung sinnvoll, um mögliche zeitliche Trends frühzeitig erkennen und einordnen zu können.“ 1 Glas Wein und 0,07 Joints Zusammenfassend erklärt der Experte anschaulich: „Eine Einwohnerin bzw. ein Einwohner aus einer der 18 untersuchten Regionen in Österreich trinkt im Schnitt täglich ein Glas Wein , raucht drei bis vier Zigaretten und konsumiert 0,07 Joints sowie rund zwei Milligramm an aufputschenden Drogen. Somit werden in Österreich täglich mehrere hundert Kilogramm an verbotenen Drogen konsumiert und Umsätze in Millionenhöhe erzielt“. Regionale Unterschiede und zeitliche Trends Das abwasserbasierte Drogenmonitoring erlaubt den Vergleich zwischen Regionen. In Österreich ist der Konsum von Alkohol und Nikotin weitgehend ähnlich, bei illegalen Drogen zeigen sich jedoch Unterschiede: Cannabis ist überall die am häufigsten konsumierte Droge, wobei Städte deutlich höhere Werte aufweisen; Wien verzeichnet den höchsten Konsum. Kokain wird in Westösterreich stärker genutzt, insbesondere in Kufstein. Amphetamin tritt vor allem in Guntramsdorf und Ried im Innkreis auf, während Methamphetamin (Crystal Meth) vor allem in Wien und Wiener Neustadt verbreitet ist. MDMA (Ecstasy) wird ebenfalls häufiger in Städten wie Wien, Graz und Innsbruck konsumiert als in ländlichen Regionen. „ Obwohl in einzelnen Regionen vergleichsweise hohe Pro-Kopf-Frachten beobachtet wurden, bewegt sich der Drogenkonsum in Österreich im europäischen Vergleich insgesamt im Mittelfeld“, resümiert Oberacher. Anhand der Abwasseranalyse lassen sich auch Konsummuster erkennen: So wurden in vielen Regionen am Wochenende höhere Alkohol-, Kokain- und MDMA-Umsätze als an Wochentagen festgestellt.