Pension: Wie sich die Anhebung des Frauenantrittsalters auswirkt

Der Anteil der älteren Beschäftigten in Österreich ist kräftig gestiegen. Sind im Jahr 2015 lediglich 46,3 Prozent der 55- bis 64-Jährigen hierzulande einer Beschäftigung nachgegangen, waren es 2025 laut Eurostat 60,9 Prozent. Ein guter Wert? Nun, Österreich liegt weiterhin deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 66,5 Prozent – und meilenweit hinter Spitzenreiter Schweden (78,4 Prozent). „Die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen ist in den letzten Jahren ein bisschen besser geworden“, analysiert Ökonom Dénes Kucsera vom wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria die Zahlen im Gespräch mit dem KURIER. Das gelte für Österreichs Männer, insbesondere aber für die Frauen. Der Hauptgrund: Das gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen steigt von 2024 bis 2033 von 60 auf 65 Jahre – also jährlich um sechs Monate. „Bei den Frauen steigt die Zahl der Beschäftigten signifikant“, sagt Kucsera. Die Anzahl der beschäftigten 55- bis 64-jährigen Frauen habe sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt. „Das ist super. Und es ist auch nicht so, dass die Arbeitslosigkeit enorm steigt, wovor viele Kritiker der Erhöhung des Frauenantrittsalters gewarnt haben“, meint der Ökonom. Auch mehr Arbeitslose Mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen dürften sich Kritiker aber durchaus bestätigt fühlen: Waren Anfang 2024 noch 1.378 ältere Frauen arbeitslos oder in Schulung, lag der Wert zu Jahresbeginn 2026 bei 6.343 Frauen. Studien, unter anderem von WIFO und Arbeiterkammer, zeigen zudem, dass Frauen immer noch deutlich häufiger aus der Arbeitslosigkeit in Pension gehen als Männer. Unabhängig davon: Die staatlichen Zuschüsse ins Pensionssystem steigen weiterhin, bis 2030 auf rund 40 Milliarden Euro. Kucsera hält schon deshalb zusätzliche Reformen für unerlässlich. Österreichs aktuelle Maßnahmen – ob Teilpension oder Verschärfung des Pensionskorridors – würden nicht reichen „Das größte Problem bleibt, dass das gesetzliche Pensionsantrittsalter in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern niedrig und die Pensionsleistungen hoch sind“, sagt Kucsera. Nicht nur der Thinktank pocht auf eine Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters, sondern auch Fiskalratspräsident Christoph Badelt oder WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr . „Kulturelles Problem“ Und: Auch die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-jährigen Männer liegt klar unter dem EU-Durchschnitt. „Und dort wird sie wahrscheinlich auch weiterhin bleiben“, vermutet Kucsera. Warum ist Österreichs Quote generell so niedrig? Die Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria von 2023 zeigt, dass viele Ältere nicht mehr arbeiten können oder wollen. Demnach hatte nur jeder Vierte der 55- bis 59-jährigen Nichterwerbspersonen den Wunsch, wieder einer Arbeit nachzugehen. Die Hauptgründe: Krankheit, Behinderung, bereits vollzogener Pensionsantritt oder die Selbsteinschätzung, man sei „zu alt“ für einen Job. „Es gibt in Österreich vielleicht auch ein kulturelles Problem“, meint Kucsera. Eine Bevölkerung, die sich an ein niedriges Antrittsalter bei hoher Pension gewöhnt hat: Kucsera geht auch deshalb davon aus, dass die von der Regierung geplanten Anreize für einen Zuverdienst neben der Pension größtenteils verpuffen werden. Ab 2027 gilt ein Freibetrag von 15.000 Euro, wenn Menschen über das Pensionsalter hinaus arbeiten.