von Timo Buchhaus Sauberes Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Der US-israelische Krieg gegen den Iran könnte genau das jetzt gefährden. Medienberichten zufolge sind Wasseraufbereitungsanlagen im Iran und Bahrain von Luftschlägen zerstört worden. Sollte die Wasserversorgung der betroffenen Staaten zum legitimen Angriffsziel werden, wären Menschen in der ganzen Region in Gefahr. Achillesferse der Golfstaaten Saubere Vorkommen an Trinkwasser sind im Iran und besonders in den Golfstaaten ein knappes Gut. Die Entsalzung und Aufbereitung von Meerwasser ist daher lebensnotwendig . Das geschieht in großen Anlagen, die das Wasser durch eine von zwei Methoden trinkbar machen. Die traditionelle Methode zur Entsalzung ist, das Wasser zu erhitzen, sodass der gewonnene salzfreie Dampf wieder eingesammelt und der Wasserversorgung zugeführt werden kann. Der energieeffizientere Weg - auf den die Golfstaaten daher auch vermehrt setzen - ist es aber, das Wasser durch dünne Membranen zu pressen und so zu filtern. Insgesamt befinden sich 400 solcher Entsalzungsanlagen am arabischen Golf . Sie versorgen einen Großteil der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser. So bezieht Bahrain bis zu 90 Prozent seines Trinkwasserbedarfs aus dem entsalzten Meerwasser. Ein iranischer Drohnenangriff auf eine Entsalzungsanlage in Bahrain zeigte aber eine Achillesferse der Golfstaaten auf. Diese haben zwar große Kapazitäten bei der Wasseraufbereitung, sollten aber systematische Angriffe auf die Wasserinfrastruktur erfolgen, wären sie ernsthaft bedroht. Im Vorfeld angelegte Notreservoirs existieren, sind aber begrenzt. Die Vereinigten Arabischen Emirate etwa kämen im Ernstfall 45 Tage ohne frisches Wasser aus den Anlagen aus. Wasserkrise im Iran Auch im Iran wurde die Wasserversorgung angegriffen. Laut dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi bombardierte die US-Armee eine Entsalzungsanlage im Süden des Irans. Dies geschah einen Tag, bevor der Iran die Anlagen in Bahrain angriff. Die Zerstörung der iranischen Entsalzungsanlage habe laut Abbas zu Wasserengpässen in 30 Dörfern geführt. Würde sich der amerikanisch-israelische Krieg aus der Luft auf die Entsalzungsanlagen des Iran auswirken, hätte das ernsthafte Konsequenzen für Irans Bevölkerung. Der Iran verfügt zwar im Gegensatz zu den Golfstaaten über mehr natürliche Süßwasserquellen, diese sind in den letzten Jahrzehnten aber zunehmend geschrumpft. Auch die winterlichen Niederschläge, die jedes Jahr zwischen Oktober und April erwartet werden, sind dieses Jahr größtenteils ausgeblieben. Der Iran ist damit in einer Wasserkrise , die durch den Krieg nur verschlimmert werden könnte. In Teheran ist die Knappheit so drastisch, dass die iranische Führung in der Vergangenheit darüber nachdachte, die Industrie und den Regierungssitz zu verlegen. Treffen, wo es wehtut Wassermangel als Waffe einzusetzen hat im Nahen und Mittleren Osten Geschichte. Auch Israel bediente sich im Krieg gegen Gaza diesem Mittel. Im März vergangenen Jahres nahm Israel eine der wenigen Entsalzungsanlagen des besetzten Gazastreifens vom Stromnetz. Laut Amnesty International brach die Trinkwasserproduktion der Anlage daraufhin um 85 % zusammen. Auch im ersten Golfkrieg spielte Wasser eine Rolle. Saddam Hussein ließ gewaltige Mengen an Öl in den Golf laufen und bedrohte damit Kuwaits Entsalzungsanlagen. Kuwait erhielt daraufhin Hilfe aus der Türkei, Saudi-Arabien und anderen Staaten, die hunderte Tankschiffe und LKW-Konvois entsandten, um dem kleinen arabischen Staat Flaschenwasser zu liefern.