Fortsetzung des Kult-Horrors: „Verfluchtes Amsterdam II“

Von Gabriele Flossmann In den Achtzigern gab es in den Niederlanden einen jungen, aufstrebenden Regisseur, der Dinge tat, die ihm alle für unmöglich erklärt hatten. Sein Name war Dick Maas und er hatte sich vorgenommen, das Unmögliche zu schaffen: einen schockierenden Horrorfilm (in den damaligen Niederlanden völlig unerhört), der nicht nur vom Publikum gefeiert, sondern auch Anerkennung bei Kritikern und sogar Preise einheimsen sollte. Die Rede ist von dem Thriller „Amsterdamned“, wie er im Original hieß. Darin ermordet ein geistesgestörter Taucher wahllos Menschen in den Amsterdamer Grachten. Ein typischer 80er-Jahre-Macho-Detektiv namens Eric Visser jagte damals den Killer. In seinem Wettlauf gegen die Zeit trat und schoss er alles und alle nieder, auch ohne „License to Kill“. Visser wollte um jeden Preis den Wahnsinnigen dingfest machen, bevor er noch mehr Menschen morden konnte. 37 Jahre später ist Dick Maas ein etablierter 74-jähriger Regisseur, der auch mehrere Romane geschrieben hat, die alle in seinem Amsterdam-Thriller-Universum spielen. 37 Jahre später knüpft er noch einmal an seinen kultigen Horrorfilm an. Kommissar Eric Visser genießt inzwischen seinen Ruhestand in einem Dorf, weit weg von Amsterdam. Doch eine Mordserie lockt ihn zurück in die Großstadt. Ehemalige Kollegen haben ihn zu Hilfe gerufen, weil man einen Nachahmungstäter vermutet. Als neue Beweise darauf hindeuten, dass die damaligen Morde vielleicht gar nicht aufgeklärt wurden, erhebt sich die bange Frage: Wird Amsterdam von demselben (mittlerweile sehr alten) Taucher terrorisiert? Oder handelt es sich um ein jahrhundertealtes, mythisches Monster, wie ein beigezogener Professor vermutet? Tara, die junge Ermittlerin, die den Fall nun bearbeitet, ist von absonderlichen Theorien wenig begeistert und auch nicht erfreut über das plötzliche Auftauchen des „legendären“ Eric, der ihre Ermittlungen womöglich überwachen sollte. Doch als das ungleiche Ermittler-Paar einander beim Auffinden unterschiedlicher Spuren immer wieder über den Weg läuft, entwickelt sich ein gegenseitiger Respekt. Von da an schwankt Teil 2 des Amsterdam-Horrors zwischen einer reinen Neuauflage und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Original. Das Ergebnis wirkt jedenfalls seltsam uneinheitlich. Der neue Film ist nüchterner als sein Vorgänger, aber stellenweise auch wilder. Er macht sich erst über linke, dann über rechte Ideen lustig. Die Geschichte ist bewusst oberflächlich, aber gerade deshalb auch verworren. Maas persifliert nicht nur sein eigenes Original, sondern auch Amsterdam als Schauplatz. Er zeigt die Metropole als eine von Touristen überfüllte, dekadente und heruntergekommene, verrottende, verschmutzte und stinkende Altstadt. Hatte Maas 1987 Probleme mit Luftaufnahmen, da Hubschrauberflüge über der Altstadt streng verboten waren, konnte er diesmal nach Herzenslust mit Drohnen experimentieren. Doch diese genussvoll eingesetzten Höhenflüge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir hier... nun ja…, eine zweite Version des Amsterdam-Horrors vorgesetzt bekommen. Muss man sie gesehen haben?  Nein. Ist man froh, ihn gesehen zu haben? Ja! Das gebietet die cineastische Neugier. Nach etwa 70 Minuten gibt es eine Neuauflage der Kanalverfolgungsjagd. Extrem nervig, aber doch auch irgendwie „lustig“ anzuschauen. INFO: NL 2025. 110 Min. Von Dick Maas. Mit Huub Stapel, Holly Mae Brod.