Nicht jede gebietsfremde Pflanze ist automatisch ein Problem. Viele nach 1492 eingeführte Arten bereichern die Flora, etwa Sonnenblumen, Erdäpfel, Fisolen oder Tomaten. Andere Neophyten fallen im Alltag kaum noch auf, obwohl sie ökologisch heikel sein können – etwa Goldruten, Robinien, Eschen-Ahorn oder Topinambur. Problematisch wird es dort, wo Arten dichte Bestände bilden, heimische Pflanzen verdrängen oder Standorte verändern. Im Burgenland gelten zwölf invasive Pflanzenarten als weit verbreitet. Vier davon – Götterbaum, Gewöhnliche Seidenpflanze, Drüsiges Springkraut und Riesenbärenklau – stehen auf der EU-Liste besonders problematischer Arten. Besonders problematisch sind laut Land vor allem Götterbaum und Drüsiges Springkraut. Die Problemarten Zu den im Burgenland immer wieder genannten Problemarten zählen außerdem Kanadische Goldrute, Japanischer Staudenknöterich, Robinie und Ragweed. Ragweed ist nicht nur aus Naturschutzsicht heikel, sondern auch gesundheitlich: Die Pflanze breitet sich besonders in Ostösterreich stark aus, ihre Pollen zählen zu den stärksten Allergieauslösern. Eine einzige Pflanze kann rund 8.000 Samen entwickeln, die bis zu 40 Jahre keimfähig bleiben. Auffällig ist dabei: Viele dieser Arten profitieren gerade von sogenannten gestörten Flächen. Typische Ausbreitungsräume sind unter anderem Stadtränder, Bahngleise, Bauland, Uferbereiche und andere vom Menschen beeinträchtigte Standorte. Genau dort besteht die Gefahr, dass aus einzelnen Vorkommen größere Bestände werden. Gemeinsamer Kraftakt Am Mittwoch stellten Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner gemeinsam mit Hermann Frühstück, dem Landesleiter der burgenländischen Naturschutzorgane, und Landesumweltanwalt Michael Graf die aktuelle Neophyten-Offensive des Landes vor. Die Bemühungen dagegen glichen einer Sisyphos-Aufgabe und seien nur gemeinsam zu bewältigen, betonte Haider-Wallner: „Deshalb setzen wir auf Zusammenarbeit mit Gemeinden, Fachleuten, Ehrenamtlichen und der Bevölkerung.“ Gemeinsam mit den Naturschutzorganen soll bis Jahresende ein burgenländischer Neophyten-Managementplan erstellt und zugleich ein flächendeckendes Freiwilligennetz in den 171 burgenländischen Gemeinden aufgebaut werden. Dafür sind rund 45.000 Euro budgetiert. Die Ergebnisse des ersten Maßnahmenpakets sollen im Sommer ausgewertet werden, eine zweite Phase ist ab Herbst geplant. Konkret vorgesehen sind landesweite Neophyten-Aktionstage mit Pflegeeinsätzen und Informationsveranstaltungen, Stakeholder-Workshops mit Gemeinden, Landwirtschaft, Forst, Jagd und Naturschutz sowie Expertenrunden für einen burgenlandspezifischen Managementplan. Eine zentrale Rolle sollen dabei die rund 250 ehrenamtlichen Naturschutzorgane spielen. Ziel ist, dass künftig in jeder Gemeinde eine Ansprechperson für das Thema zur Verfügung steht. Wer mitarbeiten will, kann sich beim Verein der Burgenländischen Naturschutzorgane (naturschutzorgane-bgld.at) melden. „Invasive Arten gehören zu den großen Bedrohungen für die biologische Vielfalt. Wenn sich solche Pflanzen einmal stark ausbreiten, ist ihre Bekämpfung sehr aufwendig und muss gut geplant sein“, appelliert auch Umweltanwalt Michael Graf. Sichtungen melden Neu ist der politische Wille zur Bündelung, ganz neu ist das Thema selbst aber nicht. Beim Ragweed gibt es im Burgenland bereits seit 2021 ein eigenes Bekämpfungsgesetz. Grundstückseigentümer und Verfügungsberechtigte sind verpflichtet, ihre Flächen so zu pflegen, dass sie frei von Ragweed bleiben und eine Weiterverbreitung möglichst verhindert wird. Sichtungen können auf der Seite ragweedfinder.at gemeldet werden; im Bedarfsfall kann die Behörde Maßnahmen auch per Bescheid auftragen. Entscheidend wird sein, alle Beteiligten dauerhaft und nachhaltig einzubinden.