Die Jugend und das Politsystem

Das mangelnde Vertrauen junger Menschen in das politische System evozierte dieser Tage besorgte Berichte und Kommentare. Es geht um eine Zusatzbefragung zum seit 2018 vom Institut Foresight erhobenen Demokratie-Monitor, welche die 16- bis 26-Jährigen in den Blick nimmt. Zentrales Ergebnis: Nur 44 Prozent der jungen Menschen sind davon überzeugt, dass das politische System gut funktioniert (2018, bei der ersten Erhebung, waren es noch 69 Prozent). Nun ist das gewiss nicht erfreulich, aber auch nicht besonders verwunderlich angesichts der Performance der handelnden Personen. Man könnte auch umgekehrt formulieren: Immer noch sieht knapp die Hälfte positiv auf das politische System. Im Übrigen ist dieser Wert bei den Jungen immerhin noch höher als bei der Gesamtbevölkerung: Da beträgt er nur 35 Prozent. Dabei könnte man ja sagen, dass junge Menschen mehr Grund zur Sorge bezüglich der Zukunft hätten. Weiters muss man darauf hinweisen, dass die jungen Menschen der Demokratie keineswegs generell ablehnend gegenüberstehen: 89 Prozent befürworten diese. Und auch an politischem Interesse mangelt es laut der Studie nicht. Schlecht(er) sieht es tatsächlich bezüglich Vertrauen gegenüber jenen Institutionen aus, welche gemeinhin als die konkreten Träger des politischen Systems gelten: 41 Prozent vertrauen dem Parlament, 37 Prozent der Bundesregierung. Letztlich fügt sich das alles in ein Gesamtbild, welches schon seit geraumer Zeit einen fortschreitenden Verlust an Vertrauen gegenüber Institutionen aller Art – Parteien, Glaubensgemeinschaften, Interessenvertretungen, Medien etc. – zeigt. Sie alle stehen vor der Herausforderung, ihren spezifischen Markenkern, ihren unverwechselbaren Nutzen und Mehrwert deutlich zu machen. Das bedeutet keineswegs die Notwendigkeit eines Bruchs mit Traditionen, eines Hinwegfegens von Überkommenem. Sehr wohl aber eine – freilich nie abgeschlossene – Transformation, eine Adaptierung an veränderte Weisen der Kommunikation und Interaktion. Das gilt auch für das sogenannte politische System für Demokratie und Rechtsstaat. Es lässt sich nicht durch Beschwörungen „unserer liberalen Demokratie“ und dergleichen mehr retten, sondern durch die Art und Weise, wie es gelebt wird. Und, so abgedroschen es klingen mag, durch die Glaubwürdigkeit seiner Vertreter. Zu der auch die Zumutung unangenehmer Wahrheiten gehört. Gerade die Jungen sind vermutlich – mehr noch als die Älteren – mit Klarheit und Entschlossenheit durchaus zu gewinnen und zu überzeugen.