Fabio Ingolitsch hat noch keine Erfahrungen gemacht, wie es ist, wenn der Stadionsprecher in Graz-Liebenau ein Tor des Gegners moderieren muss . In vier Heimspielen hat Sturm zwar noch kein enthusiastisches Angriffsfurioso gestartet, aber alle Spiele gewonnen und noch keinen Gegentreffer kassiert. Den Fans freut es. Und deshalb darf der wieder im Vorwärtsgang befindliche Meister am Freitagabend (19.30, live Sky) auf ein richtiges Fußballfest hoffen. Denn mit Salzburg kommt der erste richtige Gradmesser, nachdem man zuvor knappe Siege gegen Brann Bergen, Ried, Blau-Weiß Linz (jeweils 1:0) und Altach (2:0) feierte. Die Vorzeichen könnten unterschiedlicher nicht sein. Nachdem es für Sturm zuletzt beim 5:2 bei der Wiener Austria auch den ersten Auswärtssieg unter Trainer Ingolitsch gab, kassierte Salzburg beim 0:1 gegen Rapid die dritte Niederlage in Folge. Pikant: Der Salzburger Ingolitsch trifft dabei auf den Steirer Daniel Beichler , der seit fünf Spielen Salzburg-Coach ist und auch bei Sturm als Nachfolger von Jürgen Säumel auch ein Thema war. Auch wenn Salzburgs Kaderwert ungleich höher ist (130,40 zu 43,13 Millionen Euro) – worauf kann Sturm heute bauen? Die Stabilisierung der Abwehr Ingolitsch setzte zunächst den Hebel in einer verstärkten Defensive an, was durchaus gelang. Mit den Neuzugängen Albert Vallci und Paul Koller , den Ingolitsch aus Altacher Tagen kennt, der aber am Freitag gesperrt ist, sind die Grazer stabiler geworden. Während der Serienmeister vergangener Tage seit vier Spielen nicht getroffen hat, ist Sturm vor eigenem Publikum makellos. „Unser Hauptaugenmerk galt dem Spiel gegen den Ball, mit dem Ball haben wir noch Aufholbedarf“, sagt Ingolitsch. Die Offensive Auch in diesem Bereich wurde es zuletzt besser. Vor allem zwei 19-Jährige machten einen gewaltigen Sprung nach vorne. Filip Rozga dribbelt und rackert sich immer mehr in den Mittelpunkt, Jacob Hödl ist, wie Ingolitsch sagt, „sehr stark im 1:1-Spiel“. Trotz der Verletzungen von Leon Grgic und Belmin Beganovic sind die Steirer auch im Sturm kein Lüftlein mehr. Vor allem der oft kritisierte Seedy Jatta präsentierte sich zuletzt wieder in guter Laune, auch Austria-Zugang Maurice Malone wird langsam zur gewünschten Verstärkung. Der Superstar Otar Kiteishvili ist das Um und Auf im Grazer Spiel, nun ist der Georgier wieder in Hochform. Wochenlang hemmten ihn das Ableben des Vaters und die Turbulenzen im Klub inklusive Trainerwechsel. Gegen die Wiener Austria zeigte der zweifache Bundesliga-Spieler der Saison aber, wie wichtig er ist. Gegen Salzburg absolvierte der 29-Jährige sein 200. Bundesligaspiel im Dress der Steirer. Und aufgepasst: Sieben seiner 57 Tore erzielte er gegen Salzburg, gegen keinen anderen Klub traf Kiteishvili öfter (nur gegen den LASK ebenso oft). Die Fans Auch als es nicht klappte und die Steirer wenig erfolgreich waren, feuerten die treuen Fans ihr Team immer an – also würde man das Wort „Krise“ nicht kennen. Sie werden Sturm heute einen zusätzlichen pushen. Die Bilanz Im Herbst endete das Spiel in Graz mit einem 1:1, davor siegte Sturm drei Mal in Folge. Von den jüngsten acht Partien (inklusive Cup) gewannen die Bullen nur ein Match (im März 2025, 3:1 in Salzburg). „Ich erwarte einen Fight auf dem Platz, in dem es um eine hohe Intensität geht.“ Daniel Beichler, Salzburg-Trainer Die Ausgangsposition Salzburg hat den Druck , bei einer Niederlage würde der Rückstand zu Sturm bereits sieben Punkte betragen. Das wäre in den letzten acht Runden nur noch schwer aufzuholen.„Die Tabelle spielt für uns aktuell keine primäre Rolle“, versucht Beichler, der einen „Fight auf dem Platz“ erwartet, in dem es um eine „hohe Intensität geht“, den Druck zu nehmen. Aber auch der Ex-Sturm-Spieler weiß um die Bedeutung des Hits: „Wir sind gut beraten, uns auf den Moment und auf unser Spiel zu konzentrieren.“ Gewinnen die Salzburger, dann ist alles wieder offen. Und auch der Rückenwind wäre wieder da. „Dass eine gute Leistung und drei Punkte helfen würden, ist klar“, weiß Stürmer Karim Konate.