Der Frühling gilt als Zeit des Aufbruchs . Doch wann er tatsächlich beginnt, was sich messbar verändert – und warum diese Jahreszeit auf Menschen, Tiere und Natur so stark wirkt –, zeigt sich erst beim genaueren Hinsehen. Die wichtigsten Fakten auf einen Blick. 1. Der meteorologische Frühling beginnt immer am 1. März. Das haben Wetterdienste so festgelegt. Der Grund: Mit ganzen Monaten lassen sich Wetter- und Klimadaten wie Temperatur, Regen oder Sonnenschein leichter vergleichen. 2. Der astronomische Frühling beginnt 2026 am 20. März. Der März-Äquinoktium fällt 2026 auf den 20. März; für Österreich ist der Zeitpunkt mit 15:46 Uhr angegeben. Grundlage ist der Moment, in dem die Sonne den Himmelsäquator nach Norden überschreitet. 3. „Tag und Nacht sind gleich lang“ stimmt nur annähernd. Am Äquinoktium sind Tag und Nacht nicht exakt je zwölf Stunden lang. Das liegt unter anderem an der Lichtbrechung in der Atmosphäre und daran, dass Sonnenauf- und -untergang astronomisch nicht vom Sonnenmittelpunkt, sondern vom Sonnenrand berechnet werden. 4. Die Tage sind nun schon deutlich länger als ein Wintertag. Für Wien weist die astronomische Tabelle am 1. März 2026 rund 11 Stunden und 2 Minuten Tageslicht aus. Am 20. März 2026 sind es bereits 12 Stunden und 9 Minuten . 5. Der Tag wächst in Wien täglich um ca. dreieinhalb Minuten. Die Sonnenstandsdaten für Wien zeigen um den Frühlingsbeginn tägliche Zugewinne von etwa 3 Minuten 30 Sekunden . Das ist einer der stärksten objektiven Reize, warum der Frühling so markant erlebt wird. 6. Körperliche Aktivität steigt saisonal an. Eine systematische Übersichtsarbeit von A. Garriga und weiteren Forschenden mit Daten aus 18 Ländern zeigt: Bewegung nimmt in Frühling und Sommer zu, während sitzendes Verhalten im Winter höher ist. 7. Ordnung im Zuhause kann psychisch entlasten. Für den klassischen „ Frühjahrsputz “ gibt zwar keine wissenschaftliche Studie, wohl aber gute Forschung zur Wohnumgebung: Die Studie von Darby Saxbe und Rena Repetti zeigte, dass ein als stressig beschriebenes Zuhause mit ungünstigeren Cortisolverläufen zusammenhing, ein als erholsam erlebtes Zuhause dagegen mit günstigeren. 8. Manche Menschen sind im Frühjahr trauriger als im Herbst. Symptome wie Müdigkeit und Niedergeschlagenheit verstärken sich, es kommt zu Antriebsarmut, Freudlosigkeit, Interesselosigkeit, Gefühl von Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Laut dem Psychiater und Neurologen Michael Musalek ist das Frühjahr eine Zeit des Wandels und des Übergangs – und Übergangszeiten werden gerade von psychisch instabilen Menschen, etwa mit depressiven Verstimmungen oder Depressionen , eher schlecht ausgehalten. Eine sensible Phase. Der Frühling steht hingegen für Veränderung – und diese bedeutet immer eine hohe Anpassungsleistung, die nicht jedem gelingt. 9. Eines der berühmtesten Gemälde der Welt heißt „Le Printemps“=„Frühling“ . Es wurde von dem Impressionisten Edouard Manet gemalt und kam im November 2014 im Auktionshaus Christie’s unter den Hammer. Für 65,1 Millionen US-Dollar wurde es für das J. Paul Getty Kunstmuseum ersteigert. 10. Honigbienen fliegen oft ab etwa 10 Grad Celsius los. Die Mindesttemperatur für Bienenflug liegt in vielen Studien bei etwa 10 °C , auch wenn einzelne Flüge in Sonderfällen schon darunter vorkommen können. Bienen reagieren nicht nur auf Temperatur, sondern auch auf Sonne, Wind und Niederschlag. Ob gesammelt wird, hängt von mehreren Wetterfaktoren ab. Temperatur allein erklärt den Frühlingsbeginn im Stock also nicht vollständig. 11. Es gibt einen typischen Frühlingsgeruch. Er riecht erdig-modrig und setzt sich aus unterschiedlichen Molekülen zusammen. Sie kommen von Pflanzen, von der Feuchtigkeit, von Mikroben/Bakterien aus der Erde. Manche erzeugen den Stoff Geosmin , der klassisch nach Moder und Erde duftet. 12. Singvögel reagieren stark auf die länger werdenden Tage. Forschung an saisonalen Singvögeln zeigt, dass die Tageslänge den Gesang und die Fortpflanzungsphysiologie von Singvögeln steuert - und sogar ihr Gehirn beeinflusst. 13. Der Frühling ist ein Lyrik–Klassiker. Einige der berühmtesten deutschen Gedichte widmen sich dem Frühling, am bekanntesten: " Er ist’s“ von Eduard Mörike : Fast jeder kennt die Zeile „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“. 14. Licht und „Frühlingsgefühle“: Via Netzhaut wird das Licht aufgenommen und über den Sehnerv direkt in den Hypothalamus geleitet, das wohl wichtigste Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems. So werden, abhängig von der Lichtstärke, verschiedene Neurotransmitter (z.B. Serotonin ) aktiviert, die neben Wachsein und Müdigkeit auch weitere Funktionen wie Temperatur, Libido, Appetit, Magen-Darm-Aktivität, Zuckerhaushalt und Wachstum regeln. 15. Zu früh geblüht. Der Klimawandel lässt viele Frühblüher früher austreiben und blühen. Das klingt zunächst positiv, erhöht aber das Risiko für Spätfrostschäden und kann Trockenstress verschärfen, weil Pflanzen schon früh Wasser verbrauchen. So wird der verfrühte Frühlingsbeginn für viele Arten nicht nur zum Vorsprung, sondern auch zur Belastung.