Seit Kriegsbeginn hatte es aus Brüssel stets geheißen, die globale Energiekrise betreffe Europa nicht dramatisch. Das ist seit diesem Donnerstag anders, da sorgten die Nachrichten vom Persischen Golf für Schockwellen beim EU-Gipfel: Nachdem Israel South Pars bombardiert hatte, den iranischen Teil des größten Gasfeldes der Welt, schlugen die Mullahs auf dem katarischen Part des Feldes zurück. Sie nahmen das angrenzende Industriezentrum Ras Laffan unter Beschuss, wo das Gas verflüssigt wird. Regionaler Krieg wird zum Kampf um Ressourcen Damit wächst sich der Krieg am Golf zu einem Kampf um Ressourcen aus, und der trifft einige EU-Länder ins Mark: Katar ist einer der LNG-Hauptexporteure Richtung Europa, vor allem Italien und Belgien hängen am Tropf des Golfstaates. Dass Österreich kaum Gas vom Golf bezieht, nützt dennoch wenig. Aus Ras Laffan stammen 20 Prozent der globalen LNG-Produktion, und da der Flüssiggasmarkt ohnehin sehr umkämpft ist, treibt das die Preise – auch für uns. Am Donnerstag kletterte der Preis auf den höchsten Stand seit drei Jahren, der Gaspreis hat sich damit binnen Wochen verdoppelt. Vom Maximalwert nach Russlands Invasion der Ukraine ist man zwar noch entfernt. Experten sind aber in Sorge, dass der Wert durchaus erreicht werden – und die Krise ähnlich lange oder gar länger anhalten könnte. Damals dauerte es ein Jahr, bis der Gaspreis wieder das Niveau vor der Invasion erreicht hatte. Bis Ras Laffan repariert ist, werde es drei bis fünf Jahre dauern, sagte QatarEnergy-Chef Saad al-Kaabi . Bis dahin fehlen die Kapazitäten aus Katar am LNG-Markt. USA und Israel handeln unakkordiert Kurzfristig ersetzbar ist Flüssiggas in diesen Mengen nicht, das haben Großproduzenten aus den USA und Norwegen bereits wissen lassen. US-Präsident Donald Trump versuchte darum, Druck auf den Iran aufzubauen: Er drohte auf Truth Social, den iranischen Teil des Gasfelds völlig zu zerstören, sollte Teheran nicht aufhören, die Energieinfrastruktur der Golfstaaten ins Visier zu nehmen. Dabei setzte er auch eine Spitze gegen die Alliierten in Jerusalem: Auch Israel werde seinen Beschuss einstellen, versprach er dem Iran – die Attacken auf die Gasfelder waren nicht mit Washington koordiniert gewesen. Dass sich der Krieg zu einem Kampf um Energiereserven entwickelt, ist nicht im Sinne der USA, wo Treibstoffpreise die Politik mitbestimmen. Doch auch hierzulande werden die Kosten zusehends sichtbarer; die ersten zwei Wochen Krieg hätten die Energiekosten in Europa um sieben Milliarden Euro erhöht, warnten die EU-Staatschefs jetzt auf ihrem Gipfel. Preise in Österreich werden steigen In Österreich werden die Auswirkungen in den kommenden Monaten spürbar sein, auch WIFO-Ökonom Josef Baumgartner spricht von „nachhaltigen“ Effekten durch das Gasfeld-Bombardement. Der Grund dafür sind die derzeit leeren Gasspeicher: Nach der Heizperiode liegen die Stände EU-weit bei knapp 29 Prozent, in Österreich bei 35. Bis Herbst sollten sie etwa 90 Prozent erreichen, jedoch verzögern die Firmen das Einspeichern wegen der hohen Preise. Das könnte im Endeffekt zu noch höheren Preisen führen, warnen Experten. Warten alle mit dem Einspeichern ab, führt das im Sommer zu einer massiven Nachfrage – und das zahlen dann auch die Endverbraucher. Schon jetzt liegt das Plus für Endkunden bei 35 Prozent. Dazu kommt die Frage, wann die Straße von Hormus wieder befahrbar sein wird. Selbst wenn der Iran sie in den kommenden Wochen auf US-Druck öffnen würde, blieben Versicherer in Deckung – schon jetzt sind die Preise für Schifffahrt in der Region mehr als doppelt so hoch wie vor dem Krieg – sinken werden sie erst, wenn das Regime in Teheran komplett kapituliert. Energiewende-Schub In Europa wird die Gaskrise damit wohl länger dauern als von Brüssel prognostiziert. In Deutschland hat das bereits jetzt bemerkenswerte Folgen: Der Energieriese e.on verzeichnete zuletzt einen massiven Nachfrage-Anstieg bei Solaranlagen, Wärmepumpen und Wallboxen für E-Autos.