Warum die USA auf einmal die Öl-Sanktionen der Mullahs lockern wollen

Wenn eine US-Wahl wirklich an den Zapfsäulen entschieden wird, sieht es für Donald Trump derzeit schlecht aus. Im Herbst stehen in den USA die wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress an, und sein Krieg im Iran treibt die Energiepreise in der Heimat und weltweit in die Höhe. Am Donnerstag erklärte der US-Präsident, der dadurch zunehmend unter Zugzwang gerät, „alles Notwendige“ zu tun, um die Ölpreise zu dämpfen. Öl-Sanktionen im Krieg lockern Dafür will er nun offenbar zu einer ungewöhnlichen Maßnahme greifen: Die USA haben nämlich angekündigt, die Öl-Sanktionen gegen den Iran – also das Land, dessen Führung sie seit dem 28. Februar bombardieren – lockern zu wollen. „In den kommenden Tagen werden wir möglicherweise die Sanktionen gegen iranisches Öl aufheben, das sich derzeit auf See befindet“, sagte Finanzminister Scott Bessent am Donnerstag zu Fox Business . Dabei handle es sich um rund 140 Mio. Barrel (1 Barrel = 159 Liter) - dies entspreche in etwa einem Vorrat von 10 bis 14 Tagen. Die Trump-Administration hofft, dadurch – zusätzlich zur Freigabe weiterer strategischer Reserven, die Bessent ebenfalls in Aussicht stellte – das weltweite Öl-Angebot zu erhöhen und die Preise zu stabilisieren. Das verschiffte iranische Öl könnte dann nämlich legal zum Marktpreis von anderen Ländern eingekauft werden. Namentlich nannte Bessent Malaysia, Singapur, Indonesien, Japan oder Indien als mögliche Abnehmer. Der Großteil des iranischen Rohöls (auch seit Kriegsbeginn) fließt an China , das die Ware wegen internationaler Sanktionen mit deutlichen Preisabschlägen erhält. Logistisch ist der Kauf aber komplex: Er läuft nicht über staatliche Ölkonzerne, sondern über kleine Raffinerien und Zwischenhändler, um den Ursprung des Rohstoffs zu verschleiern. Auch die Bezahlung muss  über mehrere Ecken erfolgen, etwa über Tauschgeschäfte (z. B. chinesische Infrastrukturprojekte in Iran) oder Schattenfirmen-Geflechte. Auch Russland-Sanktionen gelockert Die nun angekündigte Maßnahme ist nicht brandneu: Bereits letzte Woche lockerte die Trump-Administration Sanktionen für im Transport befindliches russisches Gas, was Kreml-Chef Wladimir Putin hohe zusätzliche Einnahmen beschert. Experten bezweifeln aber, dass eine Lockerung der Iran-Sanktionen den Weltmarkt tatsächlich nachhaltig entlasten kann. Das bereits verschiffte iranische Öl gleicht die Blockade durch die strategisch wichtige Straße von Hormus nicht mal ansatzweise aus. Stattdessen dürfte (noch mehr) Geld in die iranische Kriegskasse fließen – und die Mullahs ermutigen, weiter Unruhe auf den Energiemärkten zu stiften. „Für die Iraner ist dies ein weiterer Beleg dafür, dass das Hochtreiben der Ölpreise durch weitere Angriffe auf Schiffe und regionale Ölanlagen ihr bester strategischer Zug ist", sagt Edward Fishman vom Council on Foreign Relations zur New York Times.