Fast könnte einem die Politik ja leidtun: Kaum passiert etwas auf der Welt, soll es der Staat richten. Ein Krieg schaltet ein Fünftel der weltweiten Gas- und Öllieferungen aus? Die Regierung soll gefälligst die Preise an der Tankstelle deckeln! Die Folge sind (Schein-)Aktivitäten der Regierungen europaweit. Dabei ist Dankbarkeit keine politische Kategorie: Alles wird stets als zu wenig oder (vor allem im Rückblick) als falsch empfunden. Etwa der Versuch, die Kaufkraft nach dem Ukraine-Krieg mit übertriebenen Lohnerhöhungen zu erhalten, was die Inflation heftig angetrieben und den Industriestandort Österreich geschwächt hat. Hat man daraus gelernt? Nur teilweise. Der aktuelle Nahost-Krieg, ein neuer Schock für die Weltwirtschaft, kann ebenfalls nicht zur Gänze abgefedert werden. Die Wahrheit ist: Dauert diese Krise samt Blockaden in der Straße von Hormus noch weiter an, wird es Wohlstandsverluste bei uns geben. Aber im Vergleich dazu, was Iraner, Libanesen oder Israeli (und seit vier Jahren Millionen Ukrainer) erleiden, ist das lächerlich. Man sollte den von Pessimismus und Abstiegsängsten geplagten Landsleuten daher öfter mal sagen: Die Kriege treffen uns indirekt mit Teuerung, kosten jedoch niemanden das Leben. In Anbetracht der Weltlage sind es Petitessen, worum sich heimische Diskussionen drehen: ein überraschend gestürzter ORF-Generaldirektor, Intrigen und Kabale bei den Salzburger Festspielen, und dass wir beim Skifahren hinter die Schweizer abgerutscht sind. Selbst wenn es ans Eingemachte geht, jammern wir auf höchstem Niveau. Die Pensionisten müssen mehr Krankenversicherung zahlen? Ja eh, aber kein anderes OECD-Land schüttet so viel Geld in sein Pensionssystem. Selbst in Deutschland sind die Pensionen deutlich niedriger. Zwei-Klassen-Medizin? Nimmt zu, doch im Akutfall gibt es Versorgung für jedermann. Und wo sonst bekommen selbst Hochbetagte gratis ein neues Knie? Teures Benzin? Stimmt, dennoch liegt Österreich bei den Spritpreisen nur im EU-Mittelfeld. Dass die Politik hier eingreift, ist schon richtig, um die Inflationsrate nicht wieder hochschießen zu lassen. Aber hoffentlich belastet diese Unterstützung nicht wieder nur das Budget, während sie beim Bürger verpufft. So wie wahrscheinlich die Mehrwertsteuersenkung bei Lebensmittel ab Juli, die auch noch sinnlose Bürokratie im Handel erzeugt. Aber darin ist Österreich ja quasi Weltmeister. Siehe das Pfandflaschensystem, das – oh Wunder – nun die Umsätze bei Mineralwasser und Bier sinken lässt. Wir dürfen auch auf die neue Plastikabgabe gespannt sein, mit der man die Mehrwertsteuersenkung bei Nahrung gegenfinanzieren will. Wer ständig nach der Politik schreit, damit sie alles abfedert, erntet halt oft nur populistischen Aktionismus.