Der Barockgarten in Schloss Hof: Im Paradies des Prinzen

Johann Lucas von Hildebrandt wusste nur zu gut, wie man Eindruck schindet. Es sind ein paar wenige Stufen, dann gelangt man von einem geschotterten Innenhof aus unmittelbar in die üppig verzierte Sala terrena . Doch nicht der schmucke Saal mit seinen tiefen Fensternischen ist es, der die Aufmerksamkeit der Betrachterinnen und Betrachter auf sich zieht. Es ist vielmehr das, was sich hinter den dicken Mauern befindet, das alle Blicke fesselt. Denn je näher man an die weit geöffnete Flügeltür herantritt, je mehr sich bei jedem Schritt von der dahinterliegenden Terrasse offenbart, desto mehr wird von den kunstvollen Beeten und dem gemauerten Brunnen sichtbar, die die Fläche schmücken. In der Ferne erstreckt sich das ebene Marchfeld, bis in die Hügel der Karpaten reicht die grüne Kulisse, die das Schloss Hof einfasst. Was sich hinter der Balustrade der weitläufigen Terrasse versteckt? Das findet man erst heraus, wenn man sich von der Architektur Hildebrandts immer weiter in den Garten hineinziehen lässt. Statements setzen Es ist wahrhaft eine beeindruckende Inszenierung, die der Architekt hier erschaffen hat. Und man kann dieser kaum widerstehen – auch wenn 300 Jahre vergangen sind, seit Hildebrandt hier seine Pläne verwirklichen durfte. „Der barocke Garten war wie ein Buch, in dem man lesen konnte“, sagt Katrin Harter , die sich als Wissenschafterin mit der  Hofschen Gartenanlage auseinandergesetzt hat. Denn in jedem Garten steckten Botschaften , fanden sich Hinweise durch Figuren und Architektur, die in Adelskreisen mühelos zu entschlüsseln waren. Und an einer Tatsache ließ Prinz Eugen mit seinem Garten keinen Zweifel: In Schloss Hof war nicht nur das Geld, sondern auch politische Macht zu Hause. Und auch heute dreht sich in der 18 Hektar großen Gartenanlage alles darum, das Areal von seiner besten Seite zu zeigen. Einerseits um das historische Erbe dieses Orts zu erhalten. Andererseits um den Erwartungen der über 300.000 Besucherinnen und Besucher , die jedes Jahr nach Schloss Hof strömen, gerecht zu werden. „Was wir hier machen, basiert auf dem historischen Vorbild“, schildert Sebastian Joos , Leiter des Gartenbereichs, und führt dabei eine lange Allee an perfekt gestutzten Linden entlang. Langgezogene Beete, aus denen bunte Blütenköpfe lugen, sind von niedrigen Buchshecken durchzogen. Ihre Muster wirken jedoch nur dann, wenn sie akkurat in Form gehalten werden – was bei einer Gesamtlänge von 5,7 Kilometern kein Pappenstiel ist. 35 Gärtnerinnen und Gärtner sowie Lehrlinge sind auf der Anlage beschäftigt, vieles erfolgt in Handarbeit. Im großen Stil „Wir pflanzen jedes Jahr um die 35.000 Blumenzwiebeln “, macht Joos bewusst. Das sei auch jener Bereich, in dem man von den Originalplänen abrücken muss; denn Blumen, die heute gängig sind, waren im 18. Jahrhundert eine Rarität. So wurden beispielsweise Tulpen in eigenen Töpfen gepflanzt und im Gewächshaus untergebracht, um sie zu schützen. Und auch die klimatischen Bedingungen haben sich verändert; mithilfe der wissenschaftlichen Untersuchungen zum Schlossgarten werden Pflanzen ausgewählt, die die ursprüngliche Funktion erfüllen – und dennoch der Hitze und der Trockenheit des Marchfelds standhalten können. Doch der Garten des Schlosses endet schon lange nicht mehr dort, wo die Mauern der Barockanlage verlaufen. Schloss Hof ist ein Ausflugsziel, in dem die Besucherinnen und Besucher möglichst lange verweilen sollen. Dementsprechend gehört auch eine ganz andere Welt – eine, in der Tiere leben, eine, in der Kinder spielen und Familien verweilen können – zu der Anlage. Und auch diese Flächen fallen in die Zuständigkeit der Gärtner, die gerne kreativ werden, um das Areal zu gestalten. „Die Orangerie wird betrieben wie im 18. Jahrhundert; wir öffnen die Fenster immer noch händisch und heizen im Winter zweimal täglich mit Holz ein.“ Sebastian Joos / Leitung Bereich Garten „Ein Garten bedeutet ständiges Wachstum“, weiß Joos. Und dabei holt man sich in erster Linie Hilfe aus der Natur; die Anlage wird seit 20 Jahren ökologisch gepflegt , Nützlinge lockt man mit Behausungen auf das Areal. Bewährte Methoden So gesehen wird im Garten des Schlosses noch genauso gegärtnert wie vor 300 Jahren – allen voran in der prächtigen Orangerie . Hier scheint die Zeit regelrecht stehen geblieben zu sein; exotische Pflanzen wachsen in luftige Höhen, der Raum ist mit dem Duft von Zitruspflanzen erfüllt. „Dabei wird es betrieben wie im 18. Jahrhundert; wir öffnen die Fenster immer noch händisch und heizen im Winter zweimal täglich mit Holz ein“, verrät Joos.