Es gibt nichts, das es nicht gibt. Die Welt besteht aus Bausteinen, und mit Lego setzt sie sich zusammen. Zu einer anderen Welt. Vielleicht einer besseren. Es gibt viel zu tun, lasst es uns bauen: reale Welten, Traumwelten, alle Welten. Stein auf Stein. Stolz sticht Jack Sparrows pechschwarzes Piratenschiff in See, mit vollen Segeln, unter Totenkopfflagge, eine detailgenaue Nachbildung der Geistergallone aus „Fluch der Karibik“. Für 349,99 Euro lassen sich Kanonenreihen an Backbord und Steuerbord über einen Drehknopf ausfahren oder das Deck anheben und die Kapitänskajüte inspizieren. Die intergalaktische U.S.S. Enterprise aus „Star Trek“ fliegt mit 379,99 Euro in derselben Preisklasse. Und hebt ab mit abnehmbarer Kommando-Untertasse, Warpgondeln und aufklappbarem Shuttleschiff-Hangar. Mit dabei: Captain, Commander und Crew. Teurer kommt da der Todesstern aus „Star Wars“: 999,99 Euro muss man berappen, um mit 38 Mini-Figuren auf der dunklen Seite der Macht legendäre Szenen wie das Lichtschwertduell zwischen Darth Vader und Obi-Wan Kenobi nachstellen zu dürfen. Und ein Superlaser ist auch irgendwo versteckt. Das fasziniert viele. Und nicht nur Kinder, die auf das steinige Spielzeug stehen, sondern immer mehr und vor allem – Erwachsene. Für diese steht von 28. März bis 6. April nun ein spektakulärer Event an: World of Bricks verwandelt das Studio F der Wiener Stadthalle in eine 1.500 m²-große Spielewelt. Rekord-Riesenrad und T-Rex Lego-Modelle aus Österreich, Deutschland und anderen Ländern wie Schweiz, Tschechien oder Slowenien zeigt die Ausstellung. Technisch anspruchsvolle Objekte, von den detailgetreuen Nachbauten weltberühmter Bauwerke wie dem Opernhaus in Sydney bis hin zu imponierenden Fantasieskulpturen. „Der Lego-Boom ist ungebrochen und heute größer als je zuvor“, weiß Christoph Rahofer , der die Show organisiert. Es herrscht Steinzeit. So wird etwa das größte aus Lego-Steinen gebaute Riesenrad der Welt zu sehen sein, das im Guinness Buch der Rekorde verewigt ist, mit 3,63 Metern Höhe, 43 Gondeln auftrumpft und aus insgesamt 37.000 Bauteilen besteht. Dank eines Motors dreht es sich wirklich. Vor allem aber will der Event einladen, selbst kreativ zu sein. Ein interaktiver Spielplatz und eine Bastelzone sorgen dafür. Und mit VIP-Ticket darf man sich sogar einen T-Rex-Dinosaurier bauen und mit nachhause nehmen. Lego, das ist der ultimative analoge Erlebniskick für alle, die im digitalen Zeitalter und von Konzentrationskillern wie TikTok heillos reizüberflutet sind. Statt Wischen und Tippen greift man mit den Händen (!) echte (!) Steine (!) an, fördert Geduld und Kreativität und versinkt in monumentalen Miniaturplänen. Ist dies das Geheimnis des Phänomens Lego? „Das emotionalisierende Erlebnis an Lego für Sammler, Bastler und Fans ist, dass sie selbst etwas erschaffen und gestalten können“, so Rahofer. „Das animiert sie, immer mehr zu bauen, ob nun kompliziertere Modelle mit tausenden Steinen oder als Wochenendzeitvertreib.“ Denn: Jeder kann Lego. Manche weniger kreativ, manche mehr. Michael Dillinger zählt eher zur Kategorie „mehr“. Er ist der Obmann der Lego-Gemeinschaft Österreich . „Lego macht Spaß, ist ein schönes Hobby, man kann seine Fantasie ausleben und es bietet Unmengen an Möglichkeiten“, sagt er. Mehr als 3.000 Modelle besitzt Dillinger, sie zu zählen und per Datenbank zu sortieren, hat er irgendwann aufgegeben. Um alles aufzubewahren, hat er eine eigene Wohnung angemietet. Aber eigentlich würde er ein Fußballstadion benötigen, sagt er, um alle seine Schätze zu archivieren. Viele tausende Euro hat er in sein Hobby gesteckt. Ob da nicht manch Malediven-Urlaub schöner gewesen wäre? „Was mache ich auf den Malediven?“, antwortet er. „Da ist mir Lego lieber, das ist ein langlebigeres Vergnügen. Auf den Malediven ist mir nur fad und ich hab nix zu bauen.“ Lego als Investment Wo Sammler sind, ist auch ein Markt nicht weit. Unter bestimmten Bedingungen eignet Lego sich sogar als Wertanlage . Der Fall ist das bei großen Sammler-Sets mit vielen Steinen, beliebten Themen (etwa „Harry Potter“) und Sets, die nicht mehr produziert werden, sogenannten „Retired Sets“ – dass sie originalverpackt sein müssen, ist selbstverständlich. Aufgelöste Sets können eine Wertsteigerung von durchschnittlich elf Prozent verbuchen, nicht mehr erhältliche „Star Wars“-Sets aus der Ultimate Collector Series (UCS), Architektur-Wahrzeichen oder Lego Icons Sets sogar bis zu 30 Prozent. Wer 2007 den Millennium Falcon um 365 Euro gekauft hat, das damals größte und teuerste Set aller Zeiten mit 5.195 Teilen, freut sich heute über einen Wert von etwa 3.500 Euro. Die Freiheitsstatue aus dem Jahr 2000 stieg von 200 auf 2.500 Euro. Die Goldgräberstimmung ist laut Lego-Experte Dillinger zwar inzwischen gedämpft, weil der Lego-Hype und das Angebot so groß sind. Zudem hat Lego mit BrickLink den weltweit größten Online-Marktplatz für Lego-Produkte gekauft und damit indirekt Einfluss, welche Produkte auf dem Sekundärmarkt gelistet werden. Der Konzern sieht so, welche Sets gefragt sind und welche Preise möglich. Lego mit Mikrochip Heute gelten etwa das Lego Colosseum aus 2020 als gutes Investment, oder das Harry Potter Gringotts Wizarding Bank-Set, das dieses Jahr in Pension geht. Experten prognostizieren diesem danach eine Wertsteigerung von 66 Prozent im ersten Jahr. „Die anhaltende Faszination für Lego liegt auch an seiner Innovationskraft“, erklärt Aussteller Rahofer. Markenpartnerschaften sind dabei ein wichtiger Schlüssel, ob mit Nike, der Formel-1 oder Super-Mario (ein neues Mario-Kart-Set kommt im April). Auch die neueste Entwicklung, Smart Bricks , zieht – Lego-Bausteine mit eingebauter Elektronik. Licht- und Soundeffekte, die durch Bewegung ausgelöst werden, sorgen für ein neues Spielgefühl. „Lego hat es auf beeindruckende Weise verstanden, relevant zu bleiben – für jedes Alter, sowohl bei Männern wie Frauen“, so Rahofer. Entfacht hat das Miniaturwunder 1934 der dänische Tischler Ole Kirk Christiansen . Da gab er das Motto aus – „Leg Godt“, also „Spiele gut“. Indes vermeldet Lego Rekordumsätze. 2025 konnte der Gewinn um 21 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gesteigert werden – der höchste, den Lego je erwirtschaftet hat. „Ein fantastisches Jahr“, wird der Firmenchef zitiert. Der Eigentümer Kjeld Kirk Kristiansen ist mit 6,3 Milliarden Euro einer der reichsten Menschen der Welt. Steinreich, im wahrsten Sinne des Wortes.