In Zukunft soll nicht mehr die Wartezeit darüber entscheiden, wer eine Gemeindewohnung in Wien erhält, sondern ein neues Bonuspunktemodell, das soziale Bedürfnisse stärker in den Fokus rücken soll. Heißt konkret: Wer sich in einer besonderen Lebenslage befindet, bekommt Bonuspunkte. Etwa junge Menschen in Ausbildung, Familien mit Nachwuchs oder Personen, die sich im Alter verkleinern wollen. Auch das selbstständige und barrierefreie Wohnen im Alter soll stärker berücksichtigt werden. Bisher galt ein fixer Kriterienkatalog – oft kompliziert und für viele schwer durchschaubar. Damit soll jetzt Schluss sein. Zugleich werden die Bedingungen für den Zugang zum System verschärft: Wer in den vergangenen fünf Jahren "unleidliches Verhalten" an den Tag gelegt hat, soll keinen Anspruch mehr auf eine neue Gemeindewohnung haben. Schwere Verstöße haben ein Nachspiel Darunter fallen etwa offene Mietschulden, illegale Untervermietung an Dritte sowie grundsätzlich schwere Verstöße, weswegen Mieter gekündigt wurden. Kern der Reform ist auch die Zusammenlegung der bisherigen Vergabesysteme. Künftig reicht ein zentrales „Wiener Wohn-Ticket“, um sich für eine leistbare Wohnung vormerken zu lassen – unabhängig davon, ob es sich um eine Gemeindewohnung oder eine geförderte Wohnung handelt. Seit dem 2. März läuft bereits eine Testphase: 180 ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer können das neue System bis Ende April erproben. Die dabei gesammelten Erfahrungen sollen in die endgültige Umsetzung einfließen. Im Juni soll das Gesetz beschlossen werden und ab 1. September gelten. Mehr Daten werden erhoben Künftig müssen Mieterinnen und Mieter auch mehr persönliche Daten an die Behörde übermitteln. So sollen etwa nicht nur Unterkunftsdaten, Eigentum, Kontaktdaten und Ähnliches der Antragsteller erfasst werden, sondern auch die entsprechenden Angaben der mitziehenden Personen. Zudem soll der Aufenthaltsstatus vermerkt werden. Mieterinnen und Mieter müssen zudem alle Änderungen - etwa wenn eine weitere Person einzieht - melden. Bewährte Vorteile bleiben Trotz der Reform bleiben manche Elemente erhalten: Unbefristete Mietverträge sollen weiterhin usus bleiben, auch der sogenannte Wien-Bonus – ein Vorteil für langjährige Wienerinnen und Wiener – bleibt bestehen. Zudem soll das Verfahren digitaler werden: Nachweise können künftig von zu Hause hochgeladen werden. Zusätzliches Personal "Die Erfassung der Datenvolumen kann gewährleistet werden, weil in der Übergangsphase auf zusätzliches Personal zurückgegriffen wird. Innerhalb weniger Monate nach der Umstellung wird die Arbeitslast höchstwahrscheinlich auf ein reguläres Ausmaß zurückgehen", heißt es dazu aus dem Büro der scheidenden Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál. In Bezug auf die Datensicherheit werde die Plattform alle notwendigen Sicherheitsstandards erfüllen. Daten und Dokumente mit personenbezogenen Daten werden verschlüsselt abgespeichert, für die Sicherung von Daten gibt es ein Löschkonzept, das alle rechtlichen Vorgaben erfüllt, wird betont. "Mit diesem Paradigmenwechsel wird die Wohnungsvergabe gleichzeitig transparenter und flexibler. Wien stellt damit die richtungsweisenden Weichen, auch in Zukunft einen gerechten Zugang zum sozialen Wohnbau zu ermöglichen“, so Vizebürgermeisterin Gaál.