Schauspieler Herbert Knaup: Das traurige Geheimnis seiner Jugend

Der erste Satz von Leo Tolstois „Anna Karenina“ (1878) lautet: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Ginge glatt als „Wappenspruch“ des deutschen Schauspielers Herbert Knaup (heute, Montag, 70) durch – gefolgt freilich von der fröhlicheren Fußnote: „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“ (laut US-Psychiater Milton Erickson). Der in beiläufiger Bosheit brillante Bayer, längst hochdekoriert – von großen Filmpreisen bis zur Goldenen Kamera –, litt als Kind unter der Allmacht seines cholerischen Vaters, wurde wohl aus Notwehr zum Klassenclown und reifte als Charaktermime mit kantigen Zügen zum Helden für harte Fälle. Den holprigen Lebensstart rollte er erst vor wenigen Jahren mit Hypnose und Selbstoptimierung quasi vom anderen Ende auf. Sprung über Schatten Herbert Knaup wagte 2024 – „im hohen Alter“ und als renommierter Film- und Fernsehstar (von „Lola rennt“ bis „Die Kanzlei“) – den Sprung über die Schatten seiner Vergangenheit: In der Magenta-TV+-Doku „Herbert (un)verbesserlich“ drückt er etwa im Dämmerschlaf auf der Couch des Therapeuten ein Stofftier seines Namens an die Brust – zum Trost fürs eigene kindliche Ich. Veränderte Ernährung, Yoga oder Crossfit sollen die dahinrasende Lebenszeit einbremsen. „Noch bis 50“, so Knaup jüngst in einer Talkshow, „dachte ich, ich sei unsterblich ...“ Dann die kalte Dusche, sogar für den notorischen Kaltduscher schwer zu ertragen: „Du machst die Augen zu, du machst sie auf – und plötzlich bist du alt.“ Im web.de-Interview gestand er zudem: „Irgendwann wird dir bewusst, dass nicht mehr so viel Zeit bleibt. Niemand kann die Uhr aufhalten. Ich bin an einem Punkt, an dem ich versuche, aus der Schublade herauszuspringen und all die Möglichkeiten, die noch in mir ruhen, zu ernten. Ich habe ja mein ganzes Leben ,verspielt’ - im Sinne von Theater, Film, Fernsehen.“ Rächer der Geschwister Knaup ist seit 2006 mit TV-Produzentin Christiane Lehrmann (57) verheiratet. Er hat zwei Söhne, ist Opa. In den 1970ern war er mit Fotografin Ellen von Unwerth (72), in den 1990ern mit Kollegin Natalia Wörner (58) liiert. Das Hauptfach Härtefälle (u. a. spielte er Hitler, Speer und Eichmann) wurde ihm wohl auch vom prügelnden Vater unbewusst eingebläut. Der Bunten verriet er: „Heute weiß ich, dass er eigentlich eine Umarmung brauchte. Ich war da ein Rächer meiner Geschwister. Ja, ich war traumatisiert und bin geheilt.“