KURIER
Von Vanessa Holla Sie werden nicht händeringend gesucht, aber trotzdem gebraucht: Quereinsteiger im Lehrerberuf . Ihre Zahl ist hierzulande noch überschaubar, doch die geplante Bildungsreform mit „Plan Z“ könnte künftig weit mehr Menschen aus anderen Berufen ins Klassenzimmer bringen. Im Burgenland sind aktuell 30 zertifizierte Quereinsteiger im Schuldienst tätig. 23 davon arbeiten im Pflichtschulbereich , vor allem an Mittelschulen, sieben im höheren Schulbereich wie AHS. Besonders gefragt sind sie in Mathematik, Deutsch und den naturwissenschaftlichen Fächern, in denen häufig großer Bedarf an Lehrpersonal besteht. Mangel in Nord und Süd Regional ist die Situation unterschiedlich: Vor allem im Norden , etwa im Seewinkel , sowie im Süden des Burgenlandes werden Lehrkräfte benötigt. Besonders betroffen sind Mittelschulen und die Sonderpädagogik . Derzeit kann der Personalbedarf laut Bildungsdirektion jedoch noch gut gedeckt werden. In den kommenden Jahren könnte sich die Lage durch viele anstehende Pensionierungen jedoch verschärfen. Dennoch zeigt sich die Bildungsdirektion dahingehend optimistisch: Gut ausgebildete Lehramtsabsolventen und steigendes Interesse am Quereinstieg sollen den Bedarf decken. Der Weg in die Klasse Voraussetzung dafür sind ein abgeschlossenes Studium mit Fachbezug und mindestens drei Jahre Berufserfahrung . Nach einem dreistufigen Auswahlverfahren erhalten Bewerber ein Zertifikat, das zur Bewerbung berechtigt. Erst mit einer Anstellung folgt ein regulärer Vertrag. Parallel absolvieren Quereinsteiger einen berufsbegleitenden Hochschullehrgang. Viele wechseln bewusst aus anderen Berufen in die Schule und bringen wertvolle Praxiserfahrung und neue Perspektiven in den Unterricht mit. Gleichzeitig müssen sie sich pädagogisch neu orientieren – kein leichter Spagat, wie auch Kevin Novosel aus Wiesfleck weiß. Der 39-Jährige unterrichtet seit eineinhalb Jahren Physik am Wimmer Gymnasium in Oberschützen . Nach einer HTL-Ausbildung und einem Maschinenbaustudium arbeitete er zunächst in der Industrie. Der Wunsch, Lehrer zu werden, begleitete ihn jedoch schon lange. „Physiklehrer regnet es nicht vom Himmel“ „Der Quereinstieg ins Lehramt ist anspruchsvoll, schon beim mehrstufigen Auswahlverfahren scheitert etwa die Hälfte aller Bewerber,“ weiß Novosel, der als Quereinsteiger im Mangelfach Physik besonders gefragt war: „Physiklehrer regnet es nicht vom Himmel“, so der zweifache Familienvater schmunzelnd. Seine erste Unterrichtsstunde beschreibt er als prägend: „Du machst die Tür auf und plötzlich stehen alle Schülerinnen und Schüler auf. Da weißt du, jetzt wird’s ernst.“ Medienwelt trifft Schule Parallel zum Unterrichten müssen Quereinsteiger einen Hochschullehrgang absolvieren, was besonders im ersten Jahr eine hohe Belastung darstellt. Novosel sieht darin jedoch eine wichtige Ergänzung: „Mein technischer Hintergrund hilft mir im Unterricht und bringt den Schülern praxisnahe Einblicke.“ Eine weitere Quereinsteigerin ist Verena Höchstätter. Sie unterrichtet an der Sportmittelschule Güssing Deutsch, Sport und ein kreatives Fach . Sie ist Quereinsteigerin und war zuvor 19 Jahre als Sportjournalistin tätig. Ausschlaggebend für den Berufswechsel war die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ganz fremd war ihr der Gedanke ans Unterrichten nie: „Ich habe Publizistik und Sportwissenschaften studiert und sogar ein Lehramtsstudium begonnen. Trotzdem war der Einstieg ins Lehrerinnen-Dasein natürlich eine große Umstellung “, so die 43-Jährige. Was sie als Pädagogin gelernt hat? „Vieles lernt man in der Praxis und im Austausch mit Kollegen.“ Fähigkeiten wie Belastbarkeit, Flexibilität und der Umgang mit Druck konnte Verena Höchstätter aus dem Journalismus mitnehmen. „Wichtig ist im Schulalltag vor allem Empathie. Ich sehe mich nicht nur als Lehrerin, sondern auch als Lernbegleiterin.“
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