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Vom Gefängnis zum Hideaway: Nachhaltig nächtigen an schrägen Orten | Collector
Vom Gefängnis zum Hideaway: Nachhaltig nächtigen an schrägen Orten

Vom Gefängnis zum Hideaway: Nachhaltig nächtigen an schrägen Orten

von Ingrid Greisenegger Das Backsteingebäude ist Teil eines denkmalgeschützten Ensembles aus dem späten 19. Jahrhundert. Es liegt hinter ineinanderfließenden Höfen mit viel Grün verborgen. Im zentralen Gartenhof hat sich neben hoch gewachsenen Bäumen eine urbane Wildnis über mehrere Jahrzehnte ausbreiten können, sie wurde erhalten und durch gestaltetes Grün reich ergänzt. In diesem kühlenden Mikroklima nimmt man gerne Drinks zu sich und relaxt – willkommen im ehemaligen Frauengefängnis in Charlottenburg in Berlin. In dessen Mauern und auf den Freiflächen ist das Designerhotel „Wilmina“ entstanden. Der Guide Michelin nennt es „das wahrscheinlich aufregendste neue Hotel in Berlin“. Das Architektenteam Almut Grüntuch – Ernst und Armand Grüntuch, zugleich auch die Eigentümer – hat den vormals düsteren, belasteten Ort durch Umgestaltung zur Neunutzung als Hotelanlage in die Gegenwart geführt. Im verschachtelten Gesamtkomplex wurden auch ein Restaurant, ein Kunst- und Kulturzentrum und eine eigene Edelbäckerei untergebracht, in einem eingefügten Neubau zusätzlich moderne Appartements. Ein wichtiger Schritt war es, Räume zu öffnen und Licht hereinzulassen. Man schnitt die ursprünglich hoch gelegenen Zellenfenster auf und setzte das Fensterbrett, einem chirurgischen Eingriff gleich, ein Stück weiter unten wieder ein. Nun war die Fensteröffnung vergrößert, die Gitterstäbe hörten in halber Höhe auf. Die entfernten Backsteine kamen an anderer Stelle wieder zum Einsatz. Eine Lichtinstallation mit Pendelleuchten ist heute ästhetisch-funktionales Element im ehemaligen Zellentrakt. Die Türen sind im Originalzustand erhalten. Preisgekröntes Design Für die gelungene Transformation gab es 2022 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. „Im Vergleich zu einem Neubau wurden CO 2 -Emissionen bei Bauschutt und Transport signifikant reduziert“, betonen die Juroren. Belobt wurde auch die minimale technische Gebäudeausrüstung, die Architekten setzten auf die klimaregulierende Wirkung der alten dicken Mauern. Gut verborgen gibt es eine Fotovoltaikanlage. Neu nutzen Umnutzung statt Abriss soll den Bausektor, der für 40 % der weltweiten CO 2 -Emissionen verantwortlich gemacht wird, zu mehr Nachhaltigkeit hin transformieren. Durch Umnutzung bleibt jene „graue Energie“ erhalten, die in jedem bestehenden Gebäude steckt – durch Materialien, Transport, Bau, Wartung und Entsorgung der Baustoffe und -teile. Durch die Bewahrung alter Bausubstanz entstehen aber auch „special locations“, Orte mit besonderer Atmosphäre und Ästhetik. Für Ferien- und Freizeitziele sind sie von zunehmender Bedeutung. Das kann im Städtetourismus sein, wie bei „Wilmina“ oder in einem Olivenhain am griechischen Pelion. Ein Ort der Ruhe Dort, auf der lang gestreckten dicht bewaldeten Halbinsel südlich von Thessaloniki haben Peter Riedl, der Arzt, Meditationslehrer und Betreiber des Meditations-und Therapiezentrums Mandalahof in Wien, und seine Frau Elisabeth einen Rückzugsort mit Gästehaus errichtet: das Peli kastri . In einem Olivenhain mit bis zu 300 Jahren alten Bäumen, der von einem Bergplateau hinab bis ans Meer reicht. „Wir wollten so weit wie möglich ökologisch gestalten“, sagt Riedl. Da ging es zunächst um die Bewahrung der Bestandsgebäude. Der Pariser Architekt Nicolas Papamiltiades, dessen Familie aus der Gegend stammt, wurde mit der Transformation beauftragt. „Das Nachhaltige ist das Einfache“, sagt er, „und das Umfeld bestimmt das Design“. So wurden aus zwei alten Steinhäusern, die als Unterstand für Hirten und als Lagerraum für das Olivenöl gedient hatten, eine Taverne und Gemeinschaftsräume. Auch das kleine Gästehaus aus den 1980er-Jahren hat man nicht abgerissen, sondern nur innen umgestaltet und saniert. Eine Biokläranlage und eine Luftwärmepumpe für Heizung und Kühlung wurden installiert, die Wege zu den Gebäuden mit Schiefer und Marmor aus der Gegend ausgelegt in der Handwerkstradition der Region. Zusatzgebäude auf dem Gelände, die ursprünglich in Lehm ausgeführt werden sollten, fielen den strengen Bauvorschriften auf dem Pelion zum Opfer. Nur Holz ist erlaubt und bestimmte Haus- und Fensterformen, nicht aber der futuristische Entwurf, den die Riedls eingereicht hatten. Erlaubt blieb ein Pavillon für Meditation, den eine steirische Firma als Holzkonstruktion mit raffinierter Dachgestaltung in Form eines Paraboloids ausführte. Auch weiter oben im mächtigen Olivenhain, in dem dann im Oktober gemeinsam mit Gästen geerntet werden soll, erwartet eine Holzterrasse die Gäste zu Yoga und Kontemplation.

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