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Wer wird Weltmeister? Die Favoriten der KURIER-Sportredaktion | Collector
Wer wird Weltmeister? Die Favoriten der KURIER-Sportredaktion

Wer wird Weltmeister? Die Favoriten der KURIER-Sportredaktion

Sechs Redakteure, sechs Mannschaften. Wenn in der KURIER-Sportredaktion über den künftigen Weltmeister diskutiert wird, gehen die Meinungen auseinander. Tuchel als letztes Puzzlestück für Englands Top-Generation England. Drei Löwen, eine Hymne, und ein Deutscher auf der Bank. Thomas Tuchel hat als Teamchef von England klargemacht, dass er keinen Schönheitswettbewerb plant. Einige klangvolle Namen hat er gar nicht erst eingepackt. Kein Zufall, sondern Kalkül. Tuchel baut Mannschaften für K.-o.-Spiele, nicht für Applaus.Das hat er als Klubtrainer oft genug bewiesen. Seine Teams werden in entscheidenden Momenten schwerer zu bespielen, nicht leichter. Gegner wissen das – und müssen trotzdem erst eine Antwort darauf finden.Die individuelle Qualität ist da. Bellingham, Saka, Kane – eine Generation, die seit Jahren auf diesen Moment wartet. 1966 ist lang her, das wissen die Engländer selbst am besten. Tuchel weiß es auch. Und er wirkt nicht wie jemand, der mit dieser Last zimperlich umgeht. Ob das reichen wird für den großen Wurf? Yes, indeed! Denn diesmal haben sie einen Trainer, der weiß, wie man ein Turnier gewinnt – auch wenn es bisher immer mit einem Klubwappen auf der Brust war. von Andreas Heidenreich Kein Kater dank Carlo – Ancelotti wird es richten Brasilien. Ausgerechnet der Rekordweltmeister Brasilien wird selten genannt, wenn es darum geht, die WM-Favoriten auszumachen. Zu Recht? Mögen andere bessere Kader besitzen wie Spanien oder Frankreich. Mögen andere auf den ersten Blick eine bessere Einheit sein. Brasilien verfügt über Weltklassekicker und einen Trainer, der als Rotweintrinker vor allem für seine Bierruhe bekannt ist. Carlo Ancelotti hat bei all seinen Stationen bewiesen, dass er ein Team formen und mit Superstars umgehen kann. Vor allem bei Real Madrid, dem Klub mit den höchsten Ansprüchen. Wenn jemand einen Star wie Neymar über mehrere Wochen im Griff behalten kann, dann der routinierte Italiener, der über Spieler verfügt, die den Weg zum Erfolg nur zu gut kennen: Goalie Alisson von Liverpool, Marquinhos von PSG, Cunha und Casemiro von Manchester United, Vinicius Junior von Real oder Raphinha von Barcelona. Weltmeister wird, wer in diesen Wochen das beste Team stellt. Gelingt dies Brasilien, könnte der sechste Stern aufgehen. von Alexander Strecha Allez les Bleus – weil sich Qualität durchsetzen wird Frankreich. Die Équipe Tricolore ist nicht unbedingt für den besten Teamgeist, das am besten funktionierende Mannschaftsgefüge bekannt. Aber: Wird die Mannschaft Weltmeister, in der sich die Spieler am besten verstehen? Wahrscheinlich nicht. Sonst müsste man auch Österreich zu den Topfavoriten zählen. Am Ende wird sich Qualität durchsetzen. Und davon hat Frankreich am meisten. Das Team ist gespickt mit Superstars. Zehn Spieler des 26-Mann-Kaders haben einen Marktwert von 70 Millionen Euro oder mehr, fünf davon sogar 100 oder mehr. Die Offensive ist das Prunkstück: Weltfußballer Dembele, Bayern-Star Olise, PSG-Youngster Doue – und natürlich Kapitän Mbappe. Der Real-Stürmer gilt als schwierig, ist nicht als Teamplayer bekannt. Seine individuelle Qualität ist jedoch unbestritten. Dass Teamchef Deschamps seine Stars bändigen kann, hat er schon bewiesen. Weltmeister 2018, Finale bei der EM 2016 und WM 2022. Bei seinem letzten Turnier kann er nicht nur auf seine Offensive, sondern auch auf eine starke Defensive bauen. von Peter Gutmayer Die EM 2008 als feines Omen Spanien. Wenn bei der anstehenden WM alle Kader-Spieler zu den Nationalhymnen antanzen dürfen, wird’s bei den Spielen der Spanier kaum lauter werden – die Hymne ist textlos. Keineswegs planlos werden die Iberer bei dieser WM wieder den Ton angeben. Das sagt ja schon alleine die Statistik: Als die Spanier 2010 den bisher einzigen WM-Titel ins Königreich brachten, wärmten sie sich zwei Jahre vorher mit dem EM-Titel auf. Und diesen holten sie auch vor zwei Jahren. Das Material dazu ist da, die Xavis, Xabis, Iniestas von damals heißen nun eben Rodri, Pedri oder, und ganz besonders, Lamine Yamal. Der Barcelona-Star war zuletzt etwas angeschlagen, dürfte aber bei der WM auf 100 Prozent kommen. Und vor allem möchte er seinen 19. Geburtstag noch in den USA feiern, am Tag darauf starten die Halbfinalspiele. Der Zauber sieht ein bisschen aus wie damals, heißt nun nicht mehr Tikitaka, ist aber ebenso effizient. Dafür sorgt schon Trainer Luis de la Fuente, mit dem die Spanier auch den EM-Titel sicherstellten. Er weiß jedenfalls, wie es geht.Vamos! von Harald Ottawa Der Kleine ist der Größte – Messis zweite Krönung Argentinien. Seit Brasilien im Jahr 1962 konnte kein Team den Titel verteidigen. 2026 wird es gelingen, Argentinien wird Weltmeister. Der Grund dafür ist 1,70 Meter klein, 38 Jahre alt und noch immer in beneidenswerter Form: Lionel Messi ist der beste Kicker dieses Jahrtausends, vielleicht sogar der Fußball-Geschichte. Rechtzeitig zum Start der WM meldet sich der Kapitän fit. „Es geht ihm viel besser, und das beruhigt uns“, sagte zuletzt Teamchef Lionel Scaloni. In der nordamerikanischen MLS steuerte Messi in den letzten fünf Spielen zwölf Scorerpunkte für Inter Miami bei, damit gehört er zu den besten Spielern der Liga. Kritiker urteilen über die Albiceleste, es sei eine überalterte Mannschaft. Kenner nennen es „Erfahrung“. 17 Spieler in Scalonis Kader gehörten zum Weltmeister-Team 2022. Argentinien weiß, wie man Titel holt. Neben der WM gewann man 2021 und 2024 auch die Copa America. Überheblich werden die Argentinier nicht in die K.-o.-Phase gehen. Dafür sorgt Österreich, das dem zukünftigen Champion in der Gruppenphase ein 1:1 abtrotzen wird. von Florian Plavec Der Pakt mit dem Dusel Deutschland. Machen wir uns doch nichts vor: Wenn alles normal abläuft, dann kann der neue Weltmeister gar nicht Deutschland heißen. Was, bitteschön, ist an diesem DFB-Team weltmeisterlich? Wo überragen die Deutschen die Konkurrenz aus Spanien, Frankreich und Südamerika? Dass mit Goalie Manuel Neuer ein WM-Held von 2014 reaktiviert wurde, darf eher als Verzweiflungstat betrachtet werden. Die Geschichte von der allseits gefürchteten Turniermannschaft Deutschland zieht auch nicht mehr: 2018 und 2022 waren die Deutschen jeweils schon in der Vorrunde gescheitert. Was muss also passieren, dass Deutschland den Titel holt? Ohne Dusel wird es sich nicht ausgehen. Aber dafür waren die Deutschen und gerade der FC Bayern (sechs Spieler stehen im Kader) schon immer bekannt. Ein abgefälschter Schuss ins Netz, ein Eigentor in der Nachspielzeit, ein Blackout beim VAR – und schon ist Deutschland mittendrin statt nur dabei. Wird das eintreten? Wohl kaum. Andererseits: Wer hätte gedacht, dass Alexander Zverev die French Open gewinnt? von Christoph Geiler

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