KURIER
Wer bei Firmen anruft und in der Warteschleife landet, legt oft verärgert auf. Auch Unternehmen verlieren dadurch Aufträge oder Kunden. KI-Telefonassistenten nehmen Anrufe entgegen, auch wenn Leitungen überlastet oder Telefone nicht besetzt sind. Sie beantworten Fragen, vermitteln die Anrufe weiter oder bestätigen Termine. Das Wiener Start-up Fonio , das auf solche Lösungen spezialisiert ist, zählt bereits über 7.000 Kunden , der Großteil davon sind kleine und mittlere Unternehmen ( KMU ). Im deutschsprachigen Raum ist Fonio bereits Marktführer, die Expansion ins europäische Ausland, nach Südamerika und in die USA ist angelaufen. Jetzt hat das 2024 von Daniel Keinrath und Matthias Gruber gegründete Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 14,6 Mio. Euro abgeschlossen und wird dabei mit 120 Mio. Euro bewertet. Bewertung mehr als vervierfacht Das ist mehr als viermal so hoch wie noch im vergangenen Dezember, als über eine erste kleine Runde 3 Mio. Euro von Business Angels lukriert wurden. Damals wurde das Unternehmen mit etwas über 25 Mio. Euro bewertet. Das Geld kommt von der britischen Risikokapitalgesellschaft 20VC , bestehenden Investoren sowie Gründern und Führungskräften von Synthesia, das KI-Videos generiert, Hubspot, das Tools für Kundenbeziehungen bereitstellt, und der Neobank Revolut. Expansion Das Investment soll nun in die Weiterentwicklung der Lösung und die internationale Expansion fließen. Die Telefon-KI soll zur vollständigen Kommunikationsplattform erweitert werden. Whatsapp hat man bereits integriert, eMail und Chatbots sollen in den nächsten Monaten folgen, wie Mitgründer und CEO Keinrath dem KURIER erzählt. Die KI soll auch zunehmend zur Verwaltung von Kundenkontakten, Anfragen und Terminen zum Einsatz kommen. In einem weiteren Schritt soll sie selbstständig Probleme lösen und etwa Kunden proaktiv kontaktieren, wenn sich Bestellungen verzögern. Mit dem Investment baue man eine Plattform auf KI-Basis auf, die zehn verschiedene Tools ersetzen könne, mit denen KMU heute arbeiten, sagt Mitgründer Gruber. Parallel dazu wird die Expansion vorangetrieben. In den wichtigsten Märkten sollen Büros eröffnet werden. Geplant ist das noch heuer in Barcelona, Mailand, Paris, London, Warschau und New York . „Schnell groß genug werden“ Für sein Unternehmen gehe es jetzt darum, schnell groß zu werden, sagt Keinrath. Vor Kurzem habe man an einem einzigen Tag 60 neue Kunden gewinnen können. Am Standort Wien hält das Start-up fest. Auch hier werden 30 Mitarbeiter gesucht. „Wir wollen der Welt zeigen, dass man auch aus dem Kleinland Österreich eine große Techfirma bauen kann“, so der Gründer. Für sein Unternehmen gebe es keinen besseren Standort als den deutschsprachigen Raum, wo KMU der Hauptwirtschaftstreiber seien. Auf das Thema Telefon-KI ist der Gründer in San Francisco gestoßen, wo er sich aufhielt, nachdem er sein erstes Start-up, das auf die Vermarktung von Influencern spezialisierte Getnano verkauft hatte. In Europa sei das Thema nicht präsent gewesen, erzählt Keinrath. US-Konkurrenten wie Vapi oder Synthflow zielen auf Großkunden ab. Bei der KI-Telefonie setzt das Start-up auf europäische Werte. Die Daten werden in Deutschland gespeichert. „Wir haben auch Gemeinden und Krankenhäuser als Kunden und legen großen Wert darauf, dass die Daten in Europa bleiben“, sagt Keinrath. Das Thema werde in den nächsten Jahren wichtiger werden. Große Pläne An Fonio halten die beiden Gründer auch nach zwei Finanzierungsrunden noch immer knapp 80 Prozen. „Ich würde jedem Gründer empfehlen, nur Geld aufzunehmen, wenn es wirklich notwendig ist“, sagt Keinrath. Denn am Ende gehe es darum, dass man Dinge aus eigenem Antrieb umsetze und nicht deshalb, um Investoren zu gefallen.„ Keinrath erzählt auch von Kaufangeboten im zweistelligen Millionenbereich, die er und sein Mitgründer bereits erhalten haben. “Der einzige Grund, warum ich verkaufen würde, ist, wenn ich mir eingestehen muss, dass andere besser sind“, sagt er. Solange das nicht der Fall sei, wolle man selbst, die Firma sein, die andere kaufe. Mit Fonio hat er jedenfalls noch viel vor. „Ich gebe uns 12 bis 24 Monate , um Weltmarktführer zu sein“, sagt Keinrath.
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