KURIER
Während die konkreten Regelungen über die Paketsteuer noch auf sich warten lassen, bereiten sich die ersten österreichischen eCommerce -Unternehmen schon vor. Beim Versandhändler Otto Austria gibt es bereits konkrete Pläne, wie Geschäftsführer und Handelsverbands-Vizepräsident Harald Gutschi ankündigt: "Wir werden versuchen, die Steuer soweit wie möglich an unsere Kunden weiterzugeben." Das werde bei rund 80 Prozent der Produkte möglich sein. Vor allem bei Elektronik- und Haushaltsgeräten sei der Versandhändler jedoch abhängig davon, bei Preisvergleichsplattformen ganz oben gelistet zu sein, was Preiserhöhungen erschwert. "Dort werden wir die Abgabe selbst schlucken müssen. Außerdem stellt sich die Frage, ob wir auch in Zukunft all diese Produkte anbieten." Paketabgabe wird auf der Rechnung gesondert ausgewiesen Die Paketabgabe solle bei Otto ab Oktober auf der Rechnung gesondert ausgewiesen und intern dokumentiert werden. Gleichzeitig geht der Handelskonzern gegen die neue Steuer gerichtlich vor - beim Verfassungsgerichtshof und auf europäischer Ebene beim EuGH . Anderas Zahradnik , Managing Partner bei der Anwaltskanzlei Dorda , ist hinsichtlich der Verfahren optimistisch: "Wir sehen erhebliche Chancen, dass wir erfolgreich sein werden." Die Verfahren würden zwischen zwei und vier Jahre lang dauern. Nach erfolgreichem Abschluss will Gutschi die geleistete Paketsteuer vom Staat zurückverlangen und das Geld an seinen Kunden rückerstatten. Händler können sich aussuchen, ob sie die Abgabe pro Bestellung oder pro Paket leisten. Bei Otto soll sie für jede Bestellung anfallen. Bei zwei Millionen Bestellungen jährlich kämen so pro Jahr vier Millionen Euro zusammen. Gleichzeitig rechnet Gutschi mit einem Umsatzabfluss ins Ausland von drei bis fünf Prozent. Auch deswegen versuche man, an anderer Stelle Kosten einzusparen. So wurden etwa Kundendienst und Callcenter ins günstigere Ausland verlegt. "Allein die Ankündigung der Paketsteuer führt dazu, dass wir als Unternehmer Gegenmaßnahmen setzen müssen für die Kosten, die wir nicht an den Kunden weitergeben können", so Gutschi. Wie viele Jobs in Österreich bei Otto durch die Paketsteuer gefährdet sind, könne der Geschäftsführer nicht sagen. Insgesamt könnten österreichweit 2.870 Jobs wegfallen, wie eine Analyse der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung kürzlich ergab. Auch kleine Händler auf Marktplätzen sind betroffen Neben großen eCommerce-Konzernen seien auch kleine Händler, die über Marktplätze wie etwa Amazon oder Temu verkaufen, von der Paketabgabe betroffen. Wie die neue Steuer organisatorisch abgehandelt wird, könne man noch nicht sagen, teilte Amazon kürzlich mit. Auch bei Refurbed , einem Online-Marktplatz für generalüberholte Gebrauchsgüter, gebe es aktuell noch viele Fragezeichen, wie Mitgründer Peter Windischhofer berichtet. So sei noch gar nicht klar, ob das Start-up überhaupt von der neuen Abgabe betroffen sein wird. Denn diese soll ab 1. Oktober 2026 für alle Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz in Österreich von 100.000 Euro gelten. Um sich von der Steuerpflicht zu befreien, müssen Onlinehändler künftig nachweisen, dass ihr Umsatz unter dieser Grenze liegt. Doch wie sich der Umsatz konkret berechnet, stehe noch nicht fest, beklagt Windischhofer. " Wir haben momentan keine Planungssicherheit." Aus diesem Grund könne man auch noch nicht genau sagen, wie die Umsetzung laufen würde. "Es wird auf die genaue Ausgestaltung der Regelung ankommen. Ich denke, dass uns die neue Steuer alle treffen wird: Uns als Marktplatz , die Händler und die Kunden", sagt Windischhofer. Die Steuer werde man wie der Versandhändler Otto gesondert auf der Rechnung ausweisen. "Und unseren wirtschaftlichen Fokus werden wir voraussichtlich von Österreich weg verstärkt auf andere Märkte richten", kündigt Windischhofer an.
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