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Polizeitrick: Pole sammelte fast 400.000 Euro "Kaution" ein | Collector
Polizeitrick: Pole sammelte fast 400.000 Euro

Polizeitrick: Pole sammelte fast 400.000 Euro "Kaution" ein

Die Betrugsmasche ist seit Jahren bekannt. Und doch finden sich immer noch Opfer des "Polizeitricks" internationaler Verbrecherorganisationen. Bevorzugt älteren Personen wird per Telefonanruf vorgegaukelt, ein naher Angehöriger habe einen Verkehrsunfall mit Todesfolge verursacht und sitze deshalb hinter Gittern. Nur die rasche Bezahlung einer Kaution würde ihm eine längere Haftstrafe ersparen. Die Summe sei bar an einen Beamten zu übergeben, der diese von der Wohnadresse der Opfer persönlich abhole. Tatsächlich wechseln auf diesem Wege immer wieder Beträge von bis zu 100.000 Euro - oder sogar mehr - die Besitzer. Hintermänner auszuforschen ist dabei so gut wie unmöglich, weil diese über Call-Center in Ländern operieren, die mit österreichischen Behörden bei der Aufklärung der Straftaten kaum zusammenarbeiten. Geschnappt werden können aber wenigstens ab und zu jene Geldboten, die für die Abholung der Beute zuständig sind. Ein solcher wurde nun am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt - nicht rechtskräftig . Fast eine Million Euro gefordert Der 23-jährige Pole hatte sich in sieben Fällen als Polizeibeamter oder Gerichtsmitarbeiter ausgegeben und insgesamt fast 400.000 Euro eingesammelt . Gefordert hatten die Verbrecher sogar fast eine Million Euro , weil ihre Opfer aber nicht so viel Geld auftreiben konnten, gaben sie sich mit weniger als der Hälfte zufrieden. Als versuchter Betrug angeklagt war aber trotzdem die gesamte Summe. Dass er für eine kriminelle Organisation arbeite, habe er nicht gleich erkannt, beteuerte der bisher gerichtlich Unbescholtene. Nach seiner Matura habe er als Kurierfahrer Geld verdient und sei auf einer polnischen Homepage auf eine Stellenanzeige gestoßen , die "zu gut war, um wahr zu sein", wie er erzählte. 400 Euro pro Fahrt seien in Aussicht gestellt worden. Wofür? "Ich sollte Pakete von Kunden des Unternehmens abholen, hat man mir gesagt." Dass sich sein Arbeitgeber beim angeblichen Vorstellungsgespräch nicht einmal namentlich vorgestellt habe, sei ihm nicht weiter ungewöhnlich vorgekommen, antwortete der Pole auf die Frage des Richters. Dass er das eingesammelte Geld im Auto auf dem Parkplatz eines Supermarktes übergeben sollte, habe ihn dann doch stutzig gemacht, gab er zu. Als er erkannte, dass ihm ausschließlich ältere Menschen Bargeld in die Hand drückten, hätten "langsam die Alarmglocken geläutet". Aussteigen sei zu diesem Zeitpunkt aber keine Option mehr gewesen. "Sie haben gesagt, dann muss ich die Summe bezahlen, die beim nächsten Auftrag eingesammelt werden sollte. Das konnte ich nicht." Weil die Hintermänner seine Adresse gekannt hätten, habe er auch Angst um seine Familie gehabt. Selbst Teil der kriminellen Organisation gewesen zu sein und zehn Prozent der Beute kassiert zu haben, wie ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf, bestritt der 23-Jährige jedoch. "Fast legal" Den Vorwurf des Richters, dass er trotz der Erkenntnis, für Verbrecher zu arbeiten, weitergemacht habe, konnte er nicht entkräften. Denn die Anzeichen waren mehr als deutlich . Für jeden Auftrag sei ihm zunächst nur die Stadt genannt worden, in der der jeweilige "Kunde" wohnte. Dort habe er in einem Hotelzimmer auf weitere Anweisungen gewartet. Die kamen per Handy, das er laut Auftrag seiner Arbeitgeber regelmäßig zu wechseln hatte. "Ich sollte immer eine neue Sim-Karte verwenden, habe dazu auch mehrere mitbekommen", schilderte er. Die Gründe waren ihm offensichtlich klar. Denn als seine Freundin fragte: "Ist der Job legal?", lautete die Antwort des 23-Jährigen: "Ja. Fast."

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