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Es gibt sie noch, die schönen Dinge: MAK zeigt Schmuck und Luxus | Collector
Es gibt sie noch, die schönen Dinge: MAK zeigt Schmuck und Luxus

Es gibt sie noch, die schönen Dinge: MAK zeigt Schmuck und Luxus

„Alle Kaufhäuser werden einmal Museen, und alle Museen werden einmal Kaufhäuser.“ Dieses Bonmot des Pop-Art-Papstes Andy Warho l ist in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts auf fruchtbaren Boden gefallen. In Wien fremdelte man lange Zeit damit und hielt an hehren Kunstidealen fest – ungeachtet dessen, dass gerade die kunsthandwerkliche Tradition von der Wiener Werkstätte abwärts stets einen Draht zum Luxussegment hatte. Weltweit ist die Beziehung immer enger geworden: Wenn man vom Flagshipstore der Juwelierkette Van Cleef & Arpels am Wiener Kohlmarkt zum MAK spaziert, möge man gleich gegenüber die Firma Bulgari besuchen, die heuer als Hauptsponsor einen eigenen Pavillon auf der Venedig-Biennale bespielt. Nicht zu vergessen nebenan das einstige Kerzengeschäft Retti, ein zentrales Werk des Architekten Hans Hollein . Goldenes Quartier Dieser wiederum trieb in den 1990ern die Idee eines Museums am Salzburger Mönchsberg voran – gemeinsam mit Thomas Krens , der als Chef der Guggenheim Foundation denkwürdige Ausstellungen zu Armani und der „Kunst des Motorrads“ programmierte und die Expansion seines Museums nach dem Vorbild von Luxusmarken betrieb ( Max Hollein , Direktor des New Yorker Metropolitan Museums und Bruder von MAK-Chefin Lilli Hollein , war einst sein Assistent.) Dass sich die Schau „Glanzstücke“ wie ein seltsames Hybrid anfühlt, mag also einer längst überholten Perspektive geschuldet sein. Vielleicht aber auch dem Umstand, dass die Präsentation mit einem museal-kuratorischen Habitus daherkommt, der nicht wirklich trägt. Die Schmuckobjekte, die überwiegend aus der historischen Sammlung stammen, mit denen Van Cleef & Arpels seine seit 1906 gepflegte Goldschmiedekunst dokumentiert, sind zweifellos echte Preziosen. Und auch die MAK-Sammlungsstücke, die für die Präsentation teils nach langer Zeit wieder aus den Depots hervorgeholt wurden, können bezaubern: Ein fragiler Paravent von Kolo Moser, eine japanische Lackdose, ein riesiges graviertes Vorhängeschloss aus dem 16. Jahrhundert sind nur drei der rund 500 Attraktionen. Museumsattrappe Die Kombination dieser Stücke erfolgte aber relativ beliebig entlang motivischer oder farblicher Analogien und erzählt nichts über kulturelle Kontexte, Objektgeschichten oder Zusammenhänge in der Art, wie das museale Ausstellungen tun. Die unleserlich auf die Vitrinen aufgebrachten Beschriftungen habe man in Kauf genommen, um die „Objekte sprechen zu lassen“, sagt Co-Kuratorin Anne-Katrin Rossberg; man hätte sie sich auch sparen können. So promeniert man im Schummerlicht durch ein Labyrinth der schönen Dinge – den meisten wird das reichen. Ob die Besucher und Besucherinnen auch verstehen, warum die exakt durchdachte „Wien 1900“-Sammlungsschau im selben Museum um Welten besser ist? Warum es so viele Jahre brauchte, um die KHM-Kunstkammer aufzustellen? Warum die Schatzkammer in der Hofburg noch immer auf eine Neuaufstellung wartet? Ein Museum ist dann eben doch mehr als schöner Luxus.

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