KURIER
Wer Patrick Wimme r auf Social Media verfolgt, der bekommt viele Traktoren zu sehen. Immer wieder postet er Beiträge, in denen er Modelle von Steyr fährt und dafür als Markenbotschafter Werbung macht. Als Landwirt ist man vielleicht automatisch bodenständig, daher zieht Wimmer einem Ferrari den Traktor vor. Jedenfalls wollte der kleine Patrick nie explizit Fußballprofi werden, wie er zugibt. "Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe früh schon mitgeholfen. Ich weiß nicht, ob ich einen konkreten Traum hatte, aber Fußballspielen war damals nur eine Gaudi." Der gebürtige Tullner zog der Schule wegen nach Waidhofen, in Gaflenz traf er auf Raimund Harreither , ein leidenschaftlicher Fußballfan und erfolgreicher Unternehmer. Und zu dieser Zeit auch Vize-Präsident der Wiener Austria . "Schon davor haben mir schon einige gesagt, dass ich kicken kann, warum weiß ich bis heute nicht", grinst Wimmer verschmitzt. "Raimund ist eine wichtige Person in meiner Karriere. Ohne ihn wäre ich sicher nicht Profi geworden, weil ich ganz einfach nicht mehr probiert hätte." Harreither fädelte den Wechsel zur Austria ein, danach ging es nach Deutschland , über Bielefeld und Wolfsburg nun nach Hoffenheim . "Meine Karriere ist vielleicht anders verlaufen im Vergleich zu anderen Spielern. Bei mir hat sich einiges eben ergeben, dennoch habe ich immer gute Schritte gesetzt." Wer auf diese Weise zum Fußball kommt, der kann einiges gelassen nehmen. Den Eindruck vermittelt der 25-Jährige auch. "Generell hat man schon Druck beim Fußball. Aber ich verspüre kaum einen, nehme vieles sehr entspannt. Druck hat man in anderen Lebensbereichen als im Fußball." Dennoch nimmt er jetzt das Profitum ernst und genießt die WM mit Österreich. "Es ist das Größte in einer Karriere, wenn du für dein Heimatland an einer Weltmeisterschaft teilnehmen darfst. Jetzt sind wir hier und wollen gut abschneiden." Ist gut auch gut genug? Wimmer sprach vor kurzem gar von einem möglichen WM-Titel. "Wir sind vielleicht ein dark horse, können unangenehm sein und jeden Gegner schlagen. Möglich ist alles." Wichtig, so Wimmer, sei ein guter Start. "Jordanien ist der vermeintlich schwächste Gegner in der Gruppe, daher wollen wir mit einem Sieg beginnen. Ziele kann man sich ja setzen, aber man muss dann auf dem Platz das auch umsetzen." Sein Wechsel zu Hoffenheim vollzog sich am Ende sehr rasch, weil eine Ausstiegsklausel nur noch zwei Wochen Gültigkeit besaß. Mit Trainer Christian Ilzer trifft er auf einen alten Bekannten. "Wie wir damals bei der Austria gemeinsam gearbeitet haben, war schon cool. Unser Verhältnis war sehr gut. Er hat sich in den letzten Jahren weiter entwickelt, ich habe mich entwickelt. Jetzt arbeiten wir auf ein paar Etagen höher wieder zusammen und wollen in Europa angreifen." Zurück zum bodenständigen Patrick Wimmer, dem aussagestarken Mann der klaren Worte, der nur selten Floskeln bemüht. Es war vor einigen Jahren, als die jungen Ministranten nicht schlecht staunten, als ein großes Auto vorfuhr und tatsächlich er ausstieg. Wimmer hatte angekündigt, zum letzten Ministrantenlager von Pfarrer Clemens Maier , damals bereits 81 Jahre alt, vorbeizuschauen - und am Ende Wort gehalten. Denn der junge Patrick war einst selbst Ministrant in der Pfarre Reidling gewesen und hat die damalige Zeit offenbar nicht vergessen. Wimmer kickte im Pfarrhof mit, Pfarrer Clemens stellte sich ins Tor wie einst und hielt die Schüsse des Teamspielers. Bei der WM sollen die gegnerischen Torhüter seine Schüsse nach Möglichkeit nicht halten.
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