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Norwegen: Warum Europas Energieriese die Arktis erobern will
KURIER

Norwegen: Warum Europas Energieriese die Arktis erobern will

Eine stabile Demokratie, engagiert beim Klimaschutz, die ihre Einkünfte aus dem Öl- und Gasgeschäft in einem staatlichen Fonds für die Zukunft des Landes bunkert: Norwegen ist ein untypischer Energieriese. Dass man nicht nur politisch, sondern auch geografisch eng an die EU angebunden ist, macht das Land zu einem Hoffnungsgebiet in der aktuellen Energiekrise. Norwegens Premierminister Jonas Gahr Støre richtet das Brüssel in diesen Tagen auch gerne öffentlich aus: „Europa braucht stabile Energiepartner - und gerade in so unvorhersehbaren Zeiten ist es die Pflicht Norwegens verlässlich zu sein.“ Importe aus Norwegen boomen Schon 2022, als Russlands Einmarsch in der Ukraine, die vorhergehende Energiekrise in Europa auslöste, rückten Norwegen und sein Öl und Gas aus der Nordsee ins Blickfeld der EU-Staaten. Die Importe wuchsen in kürzester Zeit dramatisch an. Seither ist Norwegen der wichtigste Erdgaslieferant für die EU, rund ein Drittel des Bedarfs strömt durch Pipelines unter der Nordsee nach Deutschland, oder in die Niederlande. Auch Norwegens Öl fließt fast ausschließlich in Richtung Europa. „Wir sind am Limit“ Mehr sei allerdings derzeit nicht möglich betont die Regierung in Oslo: Man sei am oberen Ende der Förderkapazität angelangt. Eine Botschaft, direkt gerichtet an die EU-Spitze in Brüssel. Dort sucht man in diesen Tagen hektisch nach alternativen Quellen für fossile Energie. Norwegen hat neue Quellen bereits ins Auge gefasst. Rund 70 neue Gas-Förderstätten sind in den Plänen der Regierung in Oslo aufgelistet. Es geht um rund 6 Milliarden Kubikmeter Gas, also etwa Österreichs Jahresverbrauch, die sich kurzfristig erschließen ließen. Derzeit nur einige kleine Gasfelder Der Haken an der Sache, fast alle diese Lagerstätten liegen in der norwegischen Arktis. Neue Öl- und Gasförderung dort aber ist für die EU nach derzeit gültigen Spielregeln tabu. Das gilt auch für das eng mit ihr verbundene Norwegen. Es gibt einige kleine Gasfelder, ein Ausbau aber schien bis jetzt undenkbar. Allerdings läuft in Brüssel gerade eine Überprüfung dieses Arktis-Moratoriums. Bis Sommer will die EU-Kommission öffentlich bekannt geben, ob man die Bohr-Verbote in der Arktis, für die sich Umweltschützer seit Jahren stark machen, lockert. Die aktuelle Energiekrise mit ihrem Brennpunkt im Nahen Osten erhöht den politischen Druck auf die EU-Spitze. Massives Lobbying der Norweger in Brüssel Grund genug für Norwegens große Energiekonzerne das Lobbying in Brüssel anzukurbeln. Es gebe verstärkte Aktivitäten, berichtet ein EU-Diplomat im TV-Sender Euronews. Umweltschützer warnen, die Gaskonzerne wollten die aktuelle Krise nur dazu nützen, den Entscheidungsträgern Angst einzujagen. "Wir teilen nur unser Wissen mit Brüssel" Offiziell will Norwegen von solcher Einflussnahme nichts wissen. „Wir legen immer viel Wert darauf, unseren Wissensstand über Energievorkommen mit Brüssel zu teilen“, erklärt Norwegens Energieminister Terje Aasland: „So verfügen sie über eine gute Informationsbasis, um Entscheidungen zu treffen.“ Arktis: Kein Rezept gegen aktuelle Energiekrisen So schnell lassen sich die großen Förderstätten in der Arktis ohnehin nicht erschließen. Umweltschützer sprechen sogar von Jahrzehnten, also kein Rezept gegen aktuelle Energiekrisen. Das Rennen scheint trotzdem eröffnet. Sowohl Russland und die USA sehen die Arktis als Hoffnungsgebiet für die Öl- und Gasförderung. Und auch bei Norwegens direktem Mitbewerber in der Nordsee, Großbritannien scheinen viele Politiker bereits entschlossen, auf das Geschäft in der Arktis zu setzen, allen voran Nigel Farage. Der Chef von Reform UK, der rechtspopulistischen Partei, die in sämtlichen Umfragen auf Platz eins liegt, fordert einen Kurswechsel. Nur die Arktis-Vorkommen könnten Großbritannien aus der Abhängigkeit von Energieimporten befreien. Aufhören, ständig Stopp bei der Arktis zu rufen Solche Forderungen hört man auch in Norwegen sehr deutlich. Auch hier warnt die konservative Opposition vor zu langem Zögern, in Oslo, aber auch in Brüssel. Die EU-Kommission solle endlich aufhören, bei der Arktis ständig Stopp zu rufen: „Das ist das falsche Signal. Schließlich ist die Arktis unsere Zukunftshoffnung.“

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