KURIER
Für die Israelis kam der Waffenstillstand zwischen den USA, Iran und Israel in der Nacht zum Mittwoch rechtzeitig zum Pessachfest. Nach 40 Kriegstagen mit Tag und Nacht heulenden Alarmsirenen und immer neuen Raketeneinschlägen waren Strand, Straßen und Cafés am Mittwoch wieder geschäftiger. Israels Armee reagierte noch in der Nacht: „Auf Anweisung der politischen Führung haben wir das Feuer im Kampf gegen den Iran eingestellt.“ Nicht so im Libanon. Dort sollen Luftangriffe und Bodenkämpfe gegen die Schiitenmiliz Hisbollah weitergehen. Noch am Mittwochmorgen wurde ein Haus in der Schiitenhochburg Dachiye in Beirut bombardiert. Israels Armee, aber auch die libanesische Regierung warnten die aus dem Kampfgebiet im Süden geflüchteten Zivilisten vor einer verfrühten Rückkehr. Auch Hisbollah will wieder angreifen Annahme der Waffenruhe in Teheran stellte auch die Hisbollah am Mittwochmorgen ihre Angriffe auf Israels Nordbevölkerung ein. Jedoch mit einer Warnung nach neuen israelischen Angriffen: Gehen diese weiter, will auch die Hisbollah wieder angreifen. Für Pakistans Premier Shehbaz Sharif, der die Waffenruhe vermittelte, umfasst das Waffenstillstandsabkommen auch den Libanon. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach sich noch am Mittwoch dafür aus, den Libanon „vollumfänglich“ in das Abkommen einzubinden. Israels Regierung gab am Feiertag noch keine offizielle Stellungnahme ab. Nur kurz begrüßte Premier Benjamin Netanjahu die Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump. Er verband dies jedoch mit dem ausdrücklichen Hinweis, der Kampf gegen die Hisbollah sei davon nicht betroffen. Die neue Lage bleibt unklar. Netanjahu hat seine Probleme mit ihr. Die Opposition stellte ihn noch am Feiertag als Versager dar. Sie sprach von einem „diplomatischen Desaster“ und einem „strategischen Schaden“, der noch über Jahre zu reparieren sei. Israels Wahljahr Netanjahu kommt eine Einstellung der Kämpfe gegen die Hisbollah im Wahljahr denkbar ungelegen. Er hatte bereits 2024 die Hisbollah-Terroristen „auf Generationen hin“ für besiegt erklärt. Doch gerade die letzten Kriegswochen zeigten, dass deren militärische wie politische Kraft im Libanon zwar schwer angeschlagen, aber ungebrochen ist. Netanjahu hat viele Gründe, den Krieg gegen die Hisbollah nicht abzubrechen. Im Gegensatz zur Armee: Sie kämpft bereits im dritten Jahr gleich an mehreren Fronten. Nicht wenige Soldaten sind bereits für über 400 Tage durch den Reservedienst aus dem Zivilleben gerissen. Bürgermeister hoffen auf Normalisierung Wie die Spaziergänger am Strand hoffen auch die Bürgermeister jetzt darauf, sofort die Schulen wieder öffnen zu können. Armee und Zivilschutz aber bleiben vorsichtig. Ist doch nicht einmal der Beginn der Verhandlungen klar abzusehen. Vom Ende ganz zu schweigen.
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