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Pure Natur: Die neuen Gartentrends bringen Glück ins Grün
KURIER

Pure Natur: Die neuen Gartentrends bringen Glück ins Grün

Wird der Garten zum Wohnzimmer, dann ist das Glück perfekt. Dass die schönsten Gärten der Welt immer auch den Zeitgeist spiegeln, zeigen etwa die wunderbaren königlichen, barocken Parkanlagen von Schloss Schönbrunn bis zum Wiener Belvedere. Heute führen private Gartenbesitzer mit Hilfe von Architekten die Tradition der Gartenkultur fort. Dabei richten Planer und Gestalter ihre Aufmerksamkeit statt auf Kunst und kultivierte Landschaft vorrangig auf die Natur selbst: Denn Gärten von heute müssen auch Klimaschäden trotzen. Wasserstellen, Schattenspender und entsiegelte Flächen sind wichtige Faktoren bei der Planung. Einen Überblick über die schönsten Privatgärten im deutschsprachigen Raum gibt die bebilderte Dokumentation zum Wettbewerb „Gärten des Jahres  2026“. Gartenarchitekten wie Landschaftsbauer reichen dafür jährlich realisierte Privatgärten ein, die prämiert werden. Besonders ganzheitliche Konzepte sind gefragt, die den Garten zum erweiterten Wohn- und Genussraum der Besitzer werden lassen: Pflanzen, verwendete Materialien für Wege, Beete, Sitzplätze, Pergolen und  Pools sollen zu einer harmonischen Einheit verschmelzen. Zeitgemäße Gärten sehen heute nach Naturgärten aus, die lange Zeit gewachsen sind, obwohl sie zur Gänze neu geplant und gestaltet wurden. Zeigte sich im Barockgarten noch das spannende Wechselspiel zwischen gepflegter Kulturlandschaft und wilder Natur, entwickelt sich die Gartenkultur heute in Richtung Natur in Natur: Wohnraum, Balkone, Garten, Pools und Schwimmteiche sollen mit der natürlichen Umgebung möglichst eine harmonische Einheit bilden. In Pflanzen schwimmen Das beweisen auch die prämierten Gartenprojekte aus dem Bildband. Es geht dabei nicht um stilvolle Outdoor-Möbel, sondern um die harmonische Einbindung des Gartens in die umgebende Landschaft und den  Blick auf diese.  Wichtig ist heute,  dass Flächen in der Großstadt wie auch kultivierte Bauerngärten mit Sträuchern, Schattenspendern, Topfpflanzen, Wasserbecken oder Schwimmteichen zu grünen Ruheoasen werden. Wie der herrliche Garten mit Infinitypool an der Hangkante mit Blick in den Wienerwald. Gartenarchitekt Peter Baumgarten wollte auf dem Grundstück „einen Garten, der nicht nur den Hang bezwingt, sondern Lebensraum schafft, mit Aussicht, einer Feuerstelle und Wasser als Herzstück“ errichten. Die lineare Umfassung  des Poolbereichs wird durch den Feuerplatz und seine natürliche und raue Gestaltung mit rohen Basaltsteinen und wilden Stauden unterbrochen. „Tagsüber ein ruhiger Rückzugsort mit spektakulärer Aussicht, abends ein atmosphärischer Treffpunkt am Feuer. Dieses Detail bringt viel Seele in den Garten und macht ihn für mich zu einem echten Lieblingsplatz“, sagt  Baumgarten. Manchmal eignet sich sogar ein Vorgarten für das Schwimmen in Pflanzen: Wie es Gartenbautechniker Stefan Arndt mit einem kleinen Badegarten in Bayern realisierte. Stauden, Gräser, Kräuter und ein Trompetenbaum sorgen für Sicht- und Sonnenschutz und duftende Badeerlebnisse. Sitz- und Liegeplätze aus Stein säumen das kleine, tiefe Wasserbecken. Stilmittel aus der Natur Um jedem Garten einen natürlichen Charakter zu verleihen, setzen sämtliche Gartenplaner Rasen- und Kieswege, Holzterrassen, Steinstufen, kleine Mauern, Wildwuchs in Kiesbeeten, Naturteiche oder Pools mit freiem Blick auf die Landschaft als Stilmittel ein. Das Schöne daran: Man braucht keinen grünen Daumen, sondern nur ein Gespür für die Natur als Rückzugsort. Deshalb sollte man ganzheitlich seinen Garten planen, um Pflanzen und  Bauten je nach Lage und Klima einzuplanen: Niveauunterschiede bei Terrassenbauten geben den Blick auf die Landschaft frei oder schützen vor Nachbarblicken. Gerade Linien von Wegen, Beeten oder PoolEinfassungen werden mit wilden Stauden und Blumenbeeten gesäumt, um den Garten möglichst naturnah zu gestalten. Wasserspiele verringern den Straßenlärm und kühlen ab. Auch die Integration der Lage des Grundstücks  wurde bei der Gartenplanungeinbezogen. Etwa bei dem Siegerprojekt in Luzern, ein terrassenförmig angelegter Garten von Daniel Berg. Der Gartenarchitekt integrierte den Garten harmonisch in die alpine Umgebung. „Wie der Fels den Garten trägt, so trägt der Garten den Blick, vom kleinsten Detail bis zur Unendlichkeit der Berge.“ Auch er verwendete Natursteine aus der Region für Stützmauern, Terrassen, Pflegewege und Sitzsteine, um den Garten auf natürliche Weise zu strukturieren. Als Schattenspender dienen zwei Fächerahorne, sie bilden ein schützendes Blätterdach, das den höher gelegenen Nachbargarten ausblendet. „Viele glauben, die Natur hätte den Garten gestaltet. Das war mein Ziel und genau das ist gelungen“, so Berg. Wie aus der Zeit gesprungen wirkt auch ein romantischer Natur-Bauerngarten im Traunviertel in Oberösterreich. „Ich sehe meine Arbeit als das Ausloten zwischen Design und Ökologie. Meine Gärten sollen den Designanspruch erfüllen und trotzdem ressourcenschonend sein“, erklärt Elsa Triebaumer das Gartenprojekt. Der alte Gemüsegarten wurde reaktiviert, von Wildwuchs befreit und mit einer Terrassierung mit Natursteinmauern und einem Staketenzaun versehen. Und da es immer wieder zu Wasserknappheit in der Region kommt, achtete die  Gartengestalterin darauf, möglichst viele unversiegelte Flächen zu erhalten. Auch hier wurden regionale,  natürliche Werkstoffe eingesetzt und eine geradlinige Bepflanzung mit Gemüsesorten schafft Ordnung im Bauerngarten. Zum  zeitgenössischen Wohnzimmer im Freien, umgestaltet mit einfachen Stilmitteln, wie klar abgegrenzten Wegen, einer Holz-Pergola und einem kleinen Schwimmteich wurde wiederum ein ehemaliger Bauerngarten in Tirol. Gartenarchitekt Hannes Eder wollte mit seinem Garten in Kufstein „einen Naturgarten mit Teich, der Ruhe ausstrahlt und mit seiner klaren Gestaltung zum Innehalten einlädt“ schaffen. Besonders schön: die Lichtreflexionen auf der Wasseroberfläche. Ruhepol Stadtgarten Was bei städtischen Gartenwohnungen gut wirkt, erklärt Gartenplaner Jan Schelling: „Abgestufte Terrassen, schattige Rückzugsorte und ein erhöhter Essplatz schaffen Tiefe, Ausblick und Atmosphäre, ergänzt durch üppiges Grün in Beeten und Solitärgefäßen.“ Für das Projekt am Zürichsee waren Holzstufen, da sie sich nicht aufheizen, eine Schattenecke mit einer „Miniwald“-Lounge aus Pflanzgefäßen und einer Holzbank, Stilmittel für Dachterrasse und Balkon. Aber Standorte für große Pflanztröge sollte man auf jeden Fall gemeinsam mit einem Gebäudestatiker planen. Ein Garten in Bern, der zweiseitig von Straßen flankiert wird, wurde dank Gartengestalter Ben Uhlmann zur ruhigen Grünoase. Er richtete einen abgesenkten Sitzplatz am Wasserbecken ein und übertönte mit einem kleinen Wasserfall den Straßenlärm. Organisch geformte Beete und Kieswege geben dem Garten Struktur. Als Sichtschutz zur Straße und umliegende Bauten, dient eine dichte Eibenhecke sowie Blasen-Eschen, die beschatten. Auch in Berlin wurde ein historisches Wohnhaus durch einen Schwimmteich mit Seerosen zur Großstadtidylle. Hier überdeckte Gartengestalterin Maria Hänsch die Filtertechnik mit einem Deck, Terrasse und Pergola. Der Holzsteg rund um das Becken, das von Stauden und Gräsern gesäumt ist, verbindet die Sitzplätze rundum.

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