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Im Affekt: Dein Chef ist immer für dich da
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Im Affekt: Dein Chef ist immer für dich da

So ein selbstverwalteter Betrieb mit flachen oder, besser noch, gar keinen Hierarchien ist eine super Sache, wir sprechen aus Erfahrung. Doch es gibt auch Nachteile. Die Tatsache etwa, dass man nicht hinter vorgehaltener Hand über den Chef lästern kann, wenn man gar keinen Chef hat. Mein Chef muss ja nicht mein Freund sein, das ist auch eine Frage der Psychohygiene. Und wer sich mit einer gewissen Regelmässigkeit über seine Vorgesetzten ärgert und diesen Ärger auch bei irgendwem (in der Rauchpause, abends beim Bier oder im Boxkeller) ablassen kann, sorgt damit für eine gesunde Triebabfuhr. In der Welt von Mark Zuckerberg macht man sich da ganz andere Vorstellungen, was das persönliche Verhältnis zwischen Arbeitskräften und ihren Vorgesetzten angeht. Aber kein Wunder, der Mann ist schliesslich mit einer Plattform reich geworden, die auf dem Versprechen beruht, dass ich mit Menschen «befreundet» sein kann, die ich überhaupt nicht kenne. Wie die «Financial Times» jetzt berichtet, verfolgt der Besitzer des Meta-Konzerns eine bahnbrechende Idee, wie seine Untergebenen dereinst in einen direkten Austausch mit ihm treten könnten, damit er für sein Bodenpersonal nicht so abgehoben wirkt. Mittels künstlicher Intelligenz lässt Zuckerberg angeblich einen digitalen Klon von sich entwickeln. Die rund 67 000 Angestellten von Meta sollen diesen Avatar dann jederzeit um Rat fragen können, und er würde genau so antworten, als wäre er Zuckerberg persönlich. Ein Chef nicht grad zum Anfassen also, aber doch total nahbar. Der «Guardian» spekuliert derweil, dass ein solcher Avatar vor allem für Zuckerberg selbst ganz neue Perspektiven bieten dürfte: Wenn er, wie vor drei Jahren, wieder mal 10 000 Stellen streicht, müsste er sich dann gar nicht mehr persönlich an die Belegschaft wenden, sondern könnte künftig seine digitale Version vorschieben. Und wenn die Angestellten ihre Wut auf den Chef abreagieren möchten: Ob der Zuckerberg-Klon dann auch als digitaler Boxsack taugt? Der Beweis, dass die Person Mark Zuckerberg nicht immer schon ein digitaler Avatar war, steht weiterhin aus.

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