WOZ
«Film: Zürcher Antifa-Bude?», WOZ Nr. 13/26 Bisher habe ich gerne die Texte von Tobi Müller gelesen. Meist ist er umfassend informiert, analytisch interessant und oft humorvoll. Doch seine Filmkritik an unserem Dokumentarfilm lässt mich ratlos zurück. Was will er uns sagen? So stellt er die Aussagen unseres Protagonisten Michael Hampe infrage, der als Regieassistent über Jahre eng mit Kurt Hirschfeld zusammengearbeitet hatte und uns viele Details aus dessen professionellem Leben erzählt hat. Aber Tobi Müller rechnet vor, dass Hampe zu jung gewesen sei, um über die dreissiger und vierziger Jahre zu berichten. Faktisch standen ab 1933 alle deutschen Schauspieler:innen am Zürcher Schauspielhaus auf der Abschussliste der Nazis. Auch Hirschfeld hatte im Untergrund gelebt, bevor er in die Schweiz emigrierte. Und der Kommunist Wolfgang Langhoff landete sogar im KZ und konnte nur dank Leuten wie Hirschfeld flüchten und den Weltkrieg dank der Anstellung an der Pfauenbühne überleben. Alle diese Leute waren unter ständiger Beobachtung der Bundes- und der Fremdenpolizei und liefen Gefahr, ausgeliefert zu werden, was ihren Tod bedeutet hätte. Diese verschworene Gemeinschaft führte Weltpremieren von Bertolt Brechts antifaschistischen Stücken am Pfauen auf. Und dies unter Lebensgefahr. Doch Tobi Müller bemüht die historische Forschung, wonach es eine Verklärung sei, das Schauspielhaus jener Zeit als antifaschistischen Hort zu bezeichnen. Ich kann nur den Kopf schütteln über so viel Besserwisserei. Ich empfehle ihm, einmal an eine Filmvorführung zu kommen. Die normalen Zuschauer:innen aus dem Kulturbürgertum bedanken sich bei uns, dass wir die Erinnerungsarbeit dieser wichtigen Persönlichkeit mittels des populären Mediums Film unter die Leute bringen. Samir, Regisseur, Zürich
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