KURIER
Wenn Makler aktuell eine Mietwohnun g in Wien inserieren, „haben sie 40 bis 100 Anfragen am Tag“, erzählt Philipp Sule k, Berufsgruppensprecher der Immobilienmakler der Wirtschaftskammer Wien. Immobilienplattformen haben laut Michael Pisecky , Obmann der Fachgruppe Immobilien in der Wiener Wirtschaftskammer, mittlerweile ein Anfragelimit, das sich nach hundert Anfrage abschaltet – da sich sonst so viele Interessenten melden, dass es unmöglich wird, diese alle zu sichten. „Wir haben viel mehr Aufwand bei weniger Honorar“, fasst Sulek die Situation für Makler zusammen. Bei Mietwohnungen unter 800 Euro im Monat müssten Makler das Inserat oft rasch wieder herunternehmen, weil Bewerber zuweilen gar vor dem Maklerbüro warten, schildern die Experten. Nicole Fürntrath , Stellvertreterin von Michael Pisecky, erzählt über ihre Erlebnisse als Hausverwalterin: „Wir kriegen Bewerbungen für Mietwohnungen ans Schwarze Brett samt Bewerbungsunterlagen und Gehaltsnachweisen.“ Wohnungssuchende würden sich auf diese Weise ins Blaue hinein bewerben, falls eine Wohnung im Haus frei werde. Viele Wohnungssuchende hätten sogar Probleme, einen Makler zu finden, der überhaupt Mietwohnungen anbietet. Das frustriere viele Wohnungssuchende sehr. Viele fragen auch beim Makler an, warum sich der Eigentümer der Wohnung letztlich nicht für sie entschieden hätte. Vormieter werden zu Vermietern Die prekäre Situation für Wohnungssuchende hat Folgen: Jene, die einen aufrechten Mietvertrag haben, ziehen nur dann aus, wenn sie müssen – etwa, wenn der befristete Vertrag ausläuft – auch weil die neue Mietwohnung sicher teurer ist. Dadurch kommen immer weniger Mietwohnungen auf den Markt, das ohnehin geringe Angebot sinkt. „Mieter sind bereit, eine Provision an den Makler zu zahlen, um den Zuschlag für eine Wohnung zu bekommen – dürfen es aber laut Maklergesetz nicht“, so Philipp Sulek. Derzeit sei es häufig so, dass der Vormieter die Wohnung an den bestbietenden Nachmieter vergibt – da durch das Bestellerprinzip Makler häufig gar nicht mehr eingebunden werden – und Mieter praktisch zu Vermietern werden. Häufig werden auch Ablösen , zum Beispiel für eine Küche, von Nachmietern gefordert. „Der Wiener Immobilienmarkt steht langsam tatsächlich an der Kippe. Die Fertigstellungszahlen haben sich in den vergangenen acht Jahren fast halbiert“, so Michael Pisecky. Das habe damit zu tun, dass die Finanzierung von Neubauten scheitert – weil Banken eine hohe Vorvermietung fordern und selbst Mietwohnungen als gewerbliche Projekte gelten: diese müssen samt Tilgung binnen 25 Jahren refinanziert werden, was sich mit der Miete, die am Markt lukriert werden kann, nicht ausgeht. Bauträger scheitern so an der Umsetzung bereits geplanter Wohnprojekte. Die Wohnungsmieten in Wien liegen im ungeregelten Bereich bei durchschnittlich 11,80 Euro pro Quadratmeter im Monat, im reglementierten Bereich liegen sie aktuell bei 6,40 Euro pro Quadratmeter.
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