KURIER
Die exakte Aussprache von Ländern und Städten ist Reisenden heilig, sie zeugt von Respekt. Es gibt aber auch Sonderlichkeiten, wenn Menschen sich dem wahrhaftigen Namen einer Destination annähern. Dabei wird die respektvolle Absicht oft schleichend zur parodistischen Verbissenheit. Oft passiert das auch abseits des reisenden Rahmens, wenn Orte in den Fokus der Berichterstattung rücken. So wurde die [Straße von Hormus], wie sie anfänglich alle nannten, in den vergangenen Wochen zur [Straße von Horrrmussss], weil man eigentlich die erste Silbe betont und das „u“ kurz ist; später sagten die einen [Straße von Hormoz], weil das dem Persischen näher komme, manche switchten zur [Straße von Hurmuz], das sei arabischer. Und weil bei arabischen Namen generell gerne Vokale verschluckt werden, um die Kehllaute dieser Sprache nachzuahmen, endeten einige bei der [Straße von Hrmz], schlussendlich favorisierte wer das stumme H [Straße von Ormuz/Ormoz/Ormz]. Und als einer zwecks internationalem Chic zu [Strait of Hormuz] abbog, begann alles von vorne [Strait of Hormuz/Ormz/Hurmz/...]. Ich persönlich glaube phonetisch ausschließlich dem Korrespondenten Karim El-Gawhary [K?rim E/A?l-Ga/o/whary??!?!?????!]. Typologie Weniger tragisch ist, wenn Reisende mit Namen herumschludern. Der Weg, es besser zu machen, ist aber wie erwähnt mit Hürden gespickt – ich würde folgende, wissenschaftlich völlig wertlose, Kategorisierung treffen: 1. Der/Die Bemühte. Interessiert sich neben Kultur, Sitten und Essen eben auch für die Sprache des Reiseziels. Will daher nicht stur Sevillllla sagen, sondern eben [Seb/wija]. Gibt aber zu erkennen, dass sie/er das selbst gerade erst gelernt hat. 2. Der Klugscheißer. Stellt dieses neue Wissen an den Anfang der Erzählung: „In [Landan], also London, habe ich gerade mit jemandem aus [Suomi] (Finnland) über die Schönheit von [Roma] geredet.“ Verwendet auch gerne Kolonialnamen, Lemberg statt [Lviv], weil historisches Wissen, dann aber wieder [Kiijjeejjjv] statt Kiew. Uff. 3. Kosmopolit. Unterscheidet sich vom Klugscheißer durch gelassene Mimik: Während Typ 2 mit aufgerissenen Augen auf den Dank für seine Weisheit wartet, gehört für Kosmopoliten eine beiläufige Gelassenheit zur Rolle. Erst wenn (endlich!!!) jemand nachfragt, mutiert er partiell zu Typ 2. Tut das niemand, erzählt er einfach von [Uluru] statt Ayers Rock und von [Pari]. Wobei französische Namen alle drei Typen dazu ermuntern, in abenteuerlicher Art Buchstaben wegzulassen und zu verbiegen. C’est la vie, oder wie Amerikaner gerne sagen: [Sesselwei] – so ist das Leben. Mehr "Über den Tellerrand"-Kolumnen lesen Sie hier .
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