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Ohne die Arbeit der Jäger kippt das Gleichgewicht
KURIER

Ohne die Arbeit der Jäger kippt das Gleichgewicht

Von Johanna Worel Wildschweine wühlen vor dem Spiel den Fußballplatz um. Hausbewohner wachen auf und der Garten ist verwüstet. Auf Feldern frisst sich Wild satt, ganze Ernten sind gefährdet. Und dann wird der Familienhund krank, Infektionen aus dem Wildbestand sind keine Seltenheit. All das wäre erst der Anfang. Genau hier kommen jene ins Spiel, die meist erst dann auffallen, wenn sie fehlen: die Jäger. Ihre Aufgabe ist so alt wie die Menschheit selbst. Heute geht es längst nicht mehr nur um Nahrung, sondern auch um Sicherheit für Mensch und Tier. Im Burgenland sind es rund 8.130 Jägerinnen und Jäger, die diese Aufgaben übernehmen. Ihr Alltag hat mit Pirsch und Hochstand oft wenig zu tun. Es geht darum, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Dass aus einzelnen Schäden kein Dauerzustand wird. Dass sich Wildbestände nicht so stark vermehren und zur Belastung werden. Welche Tiere bejagt werden, ist genau geregelt – etwa bei Reh- oder Rotwild geben Behörden konkrete Abschusszahlen vor. Tatsächlich schützen Jäger laut Land mehr Tierarten, als sie bejagen. Aber es geht auch um Dinge, die man nicht sofort sieht: Brachflächen, die nicht verschwinden. Rückzugsräume für Tiere, die sonst keinen Platz mehr hätten. Problematische Wildunfälle Im Jagdjahr 2024/25 starben auf Österreichs Straßen 65.011 Wildtiere, ein Tier alle acht Minuten. Die damit verbundenen Einsätze von Jägern erfolgen rund um die Uhr, unabhängig von Wochenenden oder Feiertagen. Häufig sind aufwendige, teils stundenlange Nachsuchen erforderlich, wenn ein Tier nicht unmittelbar an den Unfallfolgen verendet. Mit speziell ausgebildeten Revierhunden verfolgen Jägerinnen und Jäger die Spur verletzter Tiere und sorgen dafür, dass ihr Leiden beendet wird. Die dabei entstehenden Aufwendungen tragen sie in der Regel selbst: Treibstoff, Ausrüstung sowie Zeitaufwand für Suche, Bergung und Entsorgung. Alles in enger Zusammenarbeit von Polizei, Straßenmeistereien und Jägerschaft. Nicht immer stößt diese Arbeit auf Verständnis. „In einzelnen Fällen möchten Unfallbeteiligte schwer verletzte Tiere selbst zu einem Tierarzt bringen, obwohl deren Überlebenschancen äußerst gering sind“, erklärt Robert Herz, Vizepräsident des Jagdverbandes Burgenland. Ehrenamtliche Arbeit Was wäre also, wenn es keine Jäger gäbe? Die Folgen wären schnell spürbar: steigende Wildbestände, mehr Schäden auf Feldern und in Wäldern, mehr Konflikte zwischen Mensch und Tier. Krankheiten könnten sich leichter ausbreiten – mit Risiken, die über das Wild hinausgehen. Viele Wildtiere haben heute kaum natürliche Feinde mehr, ihre Bestände würden ohne Regulierung deutlich zunehmen. Wild würde dort auftauchen, wo man es nicht erwartet – näher an Siedlungen, näher an Straßen, näher am Menschen. Gleichzeitig würden jene Arten verlieren, die ohnehin unter Druck stehen. Ohne Hecken, Brachflächen oder Feuchtgebiete fehlt ihnen der Lebensraum. Österreichweit leisten Jäger rund zehn Millionen ehrenamtliche Arbeitsstunden pro Jahr. „Viele dieser Aufgaben werden heute ehrenamtlich übernommen – ohne Jäger müsste sie jemand anderer erledigen und bezahlen“, sagt Herz. Und am Ende wären aufgewühlte Fußballplätze, verwüstete Gärten und gefressene Ernten keine Dystopie mehr, sondern Realität.

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