KURIER
Der durchschnittliche Neubau in Niederösterreich wird größer, besser ausgestattet - und bleibt unter Druck. Laut aktuellen Auswertungen der Bauträgerdatenbank Exploreal liegt die durchschnittliche Wohnnutzfläche neuer Projekte bei 74,3 Quadratmetern . Nahezu alle geplanten Wohnungen verfügen über Freiflächen, im Schnitt rund 11 Quadratmeter pro Einheit. Besonders häufig sind Terrassen (47 Prozent) und Balkone (45 Prozent), auch Gärten gehören bei mehr als einem Drittel der Einheiten zur Standardausstattung. Erholungstendenz Nach einem schwachen Jahr 2025 dürfte der Wohnbau wieder anziehen. Für 2026 sind rund 3.700 neue Wohneinheiten geplant – ein Plus von 33 Prozent. Auch die Verteilung bleibt typisch für Niederösterreich: Gemeinnützige und gewerbliche Bauträger halten sich nahezu die Waage. Insgesamt entfallen rund 51 Prozent der Projekte auf den gemeinnützigen Bereich und 49 Prozent auf gewerbliche Anbieter. Johannes Wild , Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Niederösterreich, sieht darin eine „tragende Säule“ des Marktes. Besonders stark gebaut wird in Wiener Neustadt, Krems, St. Pölten, Tulln und Bruck an der Leitha. „Im Waldviertel sind fast keine Neubauprojekte zu finden“, sagt Alexander Bosak, Geschäftsführer der Bauträgerdatenbank Exploreal . Grund dafür seien vor allem die Bevölkerungsprognosen: Wo Wachstum erwartet wird, wird auch gebaut. Drohender Einbruch 2028 Trotz der aktuell positiven Signale warnen Branchenvertreter vor einer trügerischen Entwicklung. Viele der derzeit entstehenden Projekte wurden noch in wirtschaftlich stabileren Zeiten geplant. Steigende Finanzierungskosten, hohe Eigenmittelanforderungen und wirtschaftliche Unsicherheit bremsen neue Vorhaben. Für Johannes Wild ist klar: „Viele Projekte in der Pipeline hängen an der Finanzierung – sowohl bei den Entwicklern als auch bei den künftigen Eigentümern.“ Die Planungs- und Genehmigungsphase mache den größten zeitlichen Anteil bei der Realisierung von Projekten aus. „Es gibt rund 5.000 Normen in der Bauordnung, auf die es zu achten gilt. Das führt zu Verzögerungen und erhöhten Kosten“, kritisiert Christian Rädler, Geschäftsführer von Exploreal: „Auch die Steigerung der Personal- und Produktionskosten trifft den gemeinnützigen und privaten Wohnbau. Personalkosten machen rund 60 Prozent einer Baustelle aus.“ Wir produzieren zu wenig Wohnraum. In Zukunft werden wir ein massives Problem haben. Johannes Wild / Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Niederösterreich Zudem würden Diskussionen über Bodenverbrauch und Widmungen vor allem in kleineren und mittleren Gemeinden bremsen. Durch diese Entwicklungen warnen die Experten vor einer spürbaren Lücke im Wohnbau ab 2028 . „Wir produzieren zu wenig Wohnraum. In Zukunft werden wir ein massives Problem haben“, warnt Wild. Fokus Sanierungen Parallel dazu verschiebt sich der Fokus hin zur Sanierung bestehender Gebäude. Die Zahl der sanierten Wohneinheiten ist zuletzt deutlich gestiegen – von rund 4.800 auf über 8.000 Einheiten. Vor allem rechtliche Erleichterungen in der Bauordnung haben dazu beigetragen, dass Sanierungen schneller und einfacher umgesetzt werden können. Gleichzeitig bleibt jedoch Kritik bestehen: umfassende Sanierungen werden unzureichend gefördert. Ob sich die Projektlage in Niederösterreich langfristig entspannt, hängt laut Branchenvertretern vor allem von stabilen Rahmenbedingungen ab. Mehr Planungssicherheit sowie eine Entlastung bei Bauvorschriften und Normen werden gefordert. Wild kritisiert vor allem auch die Bundesregierung als „visionslos“. So würden viele vor Investitionen zurückschrecken.
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