KURIER
Ein Jahr nach der Wien-Wahl herrscht in der Stadtregierung eitel Sonnenschein: Gröbere Konfliktlinien gibt es nicht – oder sie dringen einfach nicht nach außen, was durchaus für die Harmonie und Disziplin in der Koalition spricht. Einen Punkt gibt es dann aber doch, wo Rot-Pink immer schon unterschiedlicher Meinung war und nun erste Risse sichtbar werden: beim Heumarkt . Zur Erinnerung: Das unter Rot-Grün II beschlossene Hochhausprojekt am Areal des Eislaufvereins war den oppositionellen Neos immer schon ein Dorn im Auge. 2024 rang man sich dann aber durch, gemeinsam die Befreiung des Projekts von der UVP-Pflicht (Umweltprüfung) zu beschließen und damit dem umstrittenen Bau den Weg zu ebnen. Ein klassischer Umfaller, schließlich hatte Neos-Landeschef Christoph Wiederkehr zuvor noch die Blockade des Projekts verkündet. Und letztlich war dies eine unnötige Fleißaufgabe: Denn die Beschlüsse der Stadtregierung wurden vom Bundesverwaltungsgericht aufgehoben: Das Turmprojekt von Michael Tojners Wertinvest ist nunmehr (rechtskräftig) UVP-pflichtig. Vor einem Jahr passierte dann Folgendes: Im Jänner 2025 wurde an die UNESCO in Paris gemeldet, dass Wien in der gesamten Welterbezone des historischen Zentrums ein Hochhausverbot beschließen werde (wie von 2006 bis 2014 bereits existent). Und zwar im Eilzugtempo: Noch im April 2025 werde es den nötigen Beschluss im Gemeinderat geben (der KURIER berichtete) . Daraus wurde aber nichts – auch wegen der Wahl am 27. April. Im Zuge des neuen Stadtentwicklungsplans wurde bei einem Medientermin dann neuerlich zugesagt, dass das Verbot kommen werde – halt später. Was wurde daraus? Schließlich ist dies ja eine wichtige Zusage an die UNESCO, um von der roten Liste der gefährdeten Stätten zu kommen. In hohen pinken Kreisen gibt man unumwunden zu: „Es gibt keine Einigung, weil der Koalitionspartner die Zone ohne den Heumarkt definieren wollte.“ Damit sei das Ganze aber „unbrauchbar“ – da der Heumarkt im 3. Bezirk nun einmal in der Welterbe-Kernzone liege und der 1. Bezirk ja bereits ein Turm-Verbot habe. Hintergrund ist, dass bei einem gültigen Hochhausverbot auch eine eventuell neu eingereichte Kompromissvariante betroffen wäre: Dann müsste der Wohnkomplex gar auf 35 Meter schrumpfen (aktuell geplant sind noch 50 Meter). Planungsdirektor Thomas Madreiter weicht zu Fragen nach diesem Hochhausverbot aus: Er verweist auf das Regierungsprogramm, wo das „bestehende Hochhauskonzept“ evaluiert und bei einer „Fachenquete diskutiert werden soll“. Neos: „Keine Hochhäuser“ Das „begrüßt“ die pinke Klubchefin Selma Arapovic „als Architektin sehr“, wie sie sagt. Um dann auch unmissverständlich klarzustellen: „Keine Hochhäuser in der Welterbezone schafft Konsistenz und Planungssicherheit, und wäre eine wichtige Voraussetzung dafür, das Wiener Weltkulturerbe nicht zu bedrohen .“ Letzteres sicherzustellen, dazu bekennen sich beide Parteien „ausdrücklich“ – die Wege dorthin sind aber durchaus unterschiedlich.
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