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Die Leopoldstadt wird zum teuren Nobelbezirk
KURIER

Die Leopoldstadt wird zum teuren Nobelbezirk

Vor zwanzig, dreißig Jahren galt die Leopoldstadt noch als Problembezirk. Der Kinder-Strich im Stuwerviertel , üble Zustände am Praterstern oder der Schwarzhandel am Mexikoplatz waren die Bereiche, die für Schlagzeilen sorgten. Und der Handelskai ist wohl auch kein Pracht-Boulevard. Die Immobilienpreise waren im Keller, die Bezirke Leopoldstadt und Brigittenau galten als die schlimmsten und billigsten Wohngegenden der Stadt. Die Wohn-Genossenschaften buchten seitenweise Inserate im KURIER, um die dortigen Domizile anzubringen. Heute ist die Lage andersrum und die Wohnungspreise gehen durch die Decke. Die Mieten sind laut der Plattform immopreise.at bereits höher als in Hietzing oder Döbling, selbst der Quadratmeterpreis in der Inneren Stadt ist nur noch um rund zwei Euro teurer. Die Leopoldstadt ist auf dem Weg zum Nobelbezirk . Die Leopoldstadt gehört zu den Wiener Top-Bezirken In praktisch allen Rankings ist der 2. Bezirk mittlerweile stets in den Top-3 zu finden, egal ob Miete oder Eigentum. Das zieht wiederum Investoren an, weshalb die Preise weiter zulegen. In manchen Jahren stiegen die durchschnittlichen Mietpreise um über 25 Prozent. Eine 128 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung mit 15 Quadratmetern Terrasse im Altbau wird gerade um 1,25 Millionen Euro angeboten. Und zwar ausgerechnet in der Mühlfeldgasse . Dort war die berühmte Pizzeria Anarchia untergebracht. Ein Hauseigentümer hatte vor über einem Jahrzehnt 19 Punks in einem Wohnhaus einquartiert, um die restlichen Altmieter zu verscheuchen und die sanierten Wohnungen teurer anbieten zu können. 1400 Polizisten, darunter die WEGA , und ein Panzer sowie mehrere Hubschrauber waren für die Räumung 2014 im Einsatz. Einzelne Hausbesitzer, auch jener aus der Pizzeria Anarchia, dürften weiterhin mit fragwürdigen Methoden arbeiten. Laut Standard werden offenbar über Buchungsplattformen billig Wohnungen angeboten. Mit extra schlechten Bewertungen sollen pöbelnde Touristen angezogen werden, die mit ungehobeltem Verhalten die Mieter vergraulen sollen. Grüne Kritik an den hohen Immobilienpreisen " Die Entwicklung des Wohnimmobilienpreisindex in Wien von 2010 bis 2025 zeigt mehr als eine Verdoppelung auf 212,42 Prozent, während der Tariflohnindex im Vergleichszeitraum nur um 60,2 Prozent gestiegen ist. Wir erleben in den vergangenen Jahren eine massive Entkoppelung von Einkommen und  Immobilienpreisen. Grund dafür ist die Spekulation auf immer höhere Gewinne, die die Grundstückspreise massiv antreibt", sagt der Grüne Wohnbau-Sprecher Georg Prack. "Der zweite Bezirk ist aufgrund seiner Nähe zum Zentrum besonders von dieser Spekulation betroffen." Die Mieten "fressen immer mehr vom Einkommen auf", betont Prack.  "Das wird zunehmend zum Standortnachteil für die Wiener Wirtschaft. Denn steigende Wohnkosten für die Beschäftigten erhöhen den Druck auf höhere Gehaltsabschlüsse und steigern somit auch die Lohnkosten massiv. Diese Preise sind also nicht nur für die Bevölkerung eine existenzielle Einschränkung, sie schaden auch dem Standort. Wir brauchen leistbaren Wohnungsneubau, also einen Fokus auf Gemeindebau und gemeinnützigen Wohnbau. Spekulation muss beendet werden, indem Airbnb aus der Stadt verbannt wird und Leerstand mit einer Leerstandsabgabe bekämpft wird." Aus dem Büro der neuen Wohnbau-Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) heißt es dazu: " Wien ist eine Stadt der geförderten Miete. Dabei sind zwei Hebel für eine stark wachsende Metropole wesentlich: einerseits der Neubau von leistbarem Wohnraum und andererseits die Einführung eines neuen allgemein gültigen Mietrechts, eine bundesgesetzliche Materie. Das Mietpreisniveau im kommunalen und geförderten Sektor ist weit unter dem Mietpreisniveau im privaten Sektor", wird betont. Daher sei es das Bestreben, diesen Wohnraum weiter auszubauen. Außerdem - so ihr Sprecher - "wäre es dringend notwendig ein bundesweites Mietrecht einzuführen, das für alle Wohnungen – unabhängig des Errichtungsjahr des Gebäudes – gilt. Darüber hinaus sollten die Befristungsmöglichkeiten weiter beschränkt werden." Um die Mieten leistbar zu gestalten, wäre es notwendig, das System der Lagezuschläge, die mittlerweile teilweise mehr ausmache als die zulässige Grundmiete, zu reformieren, heißt es. Der Bezirksvorsteher in der Leopoldstadt, Alexander Nikolai (SPÖ) , meint zu den Entwicklungen: " Allgemein ist erkennbar, dass die Immobilienpreise in der Leopoldstadt, wie in vielen innerstädtischen Bezirken Wiens, in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Das gilt auch für das Umfeld der ,Pizzeria Anarchia'. Diese Entwicklung ist einerseits Ausdruck der Attraktivität des Bezirks, bringt andererseits aber Herausforderungen für leistbares Wohnen mit sich. Die zentralen Steuerungsmöglichkeiten liegen überwiegend auf Landes- und Bundesebene, etwa im Bereich Wohnbauförderung und Mietrecht. Auf Bezirksebene setzen wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten für soziale Durchmischung und die Schaffung leistbaren Wohnraums ein.“

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