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Das erste Mal Klettersteig: Was muss ich können?
KURIER

Das erste Mal Klettersteig: Was muss ich können?

Immer mehr Menschen entdecken (auch im Urlaub) das Klettersteiggehen für sich. Doch auch die Zahl derer, die die Herausforderungen der Klettersteige unterschätzen, steigt. Denn das Begehen eines Klettersteiges ist weder ein bisschen schwierigeres Wandern noch leichtes Klettern. Auch wenn die Sportart für viele zugänglich ist, was den Boom in den vergangenen Jahren wahrscheinlich erklärt, gibt es spezielle Ausrüstung, Technik und Grundregeln, die jeder kennen sollte, bevor er sich das erste Mal ins Gelände wagt. Gerhard Mössmer vom österreichischen Alpenverein klärt auf, was man wissen, können und vorbereiten muss. Die Frage, ob jede und jeder sich einen Klettersteig zutrauen kann, antwortet der Experte sehr deutlich: „Wir beobachten, dass die Zahl der Blockierten – also Personen, die auf einem Klettersteig nicht mehr vor oder zurück kommen – in den vergangenen Jahren massiv zugenommen haben. Deshalb kann es offensichtlich nicht jeder. Viele überschätzen sich.“ Oft sei die Kombination aus fehlender Fitness und Angst das Problem: „Wenn ich körperlich am Ende bin, kommt die Angst noch dazu“, sagt Mössmer. „Die Selbstüberschätzung ist Fakt, sonst hätten wir diese Zahlen nicht.“ Die Basis: Fitness, Kondition und Selbstvertrauen Die Grundvoraussetzung ist, wie bei vielen Sportarten, gute körperliche Fitness, Kondition und Trittsicherheit. So kommt man auch mit Selbstvertrauen über schwierige Stellen. Die Ausrüstung: Gut ausgestattet startenZur wichtigsten Ausrüstung für Klettersteiggeher gehört ein gut passender Klettergurt, ein normgerechtes Klettersteigset, Handschuhe, ein Helm und Schuhe mit einer steifen Sohle und robustem Außenmaterial. Mössmer dazu: „Es dürfen Halbschuhe sein, aber Turnschuhe sind zu wenig.“ Und ganz wichtig: Notfallausrüstung mit einem Erste-Hilfe-Set und ein Handy mit voll aufgeladenem Akku. Die Technik: Grundwissen vorher aneignen Ein Klettersteig erfordert mehr als eine „einfache“ alpine Wanderung. Die Technik-Basics sollte man daher am besten in einem Kurs bei Experten der alpinen Vereine erlernen. Mössmer dazu: „Die richtige Anwendung eines Klettersteigsets ist nicht so trivial, wie es klingt. Es gibt in den Kursen einiges zur richtigen Technik und Tourenplanung zu erklären. Zum Beispiel, dass die Hauptarbeit aus den Beinen kommt. Wenn man sich an den Armen nach oben zieht, ist man schnell müde.“ In einem Kurs wird man auf das Material eingeschult und macht sich mit der richtigen Anwendung des Klettersteigsets vertraut. Die Planung: Die richtige Tour finden Einer der wichtigsten Schritte in der Vorbereitung ist die Planung der Tour. Mössmer sagt dazu: „Es ist ganz wichtig, dass Sie sich in der Planung einen Steig aussuchen, der auf keinen Fall zu schwierig ist.“ Wer nach einem Klettersteig für die ersten Versuche sucht, sollte sich folgende Fragen stellen: Was ist der Gesamtanspruch der Tour? Das heißt: Wie lang und schwierig sind Zu- und Abstieg? Wie lang und schwierig ist der Klettersteig selbst? Passt das zu meinem Können? Mössmer empfiehlt für Anfänger Klettersteige der Schwierigkeitskategorie A bis B, maximal bis C minus. „Die Leute setzten sich zu wenig mit der Schwierigkeit auseinander, unterschätzen oft die Länge.“ Gut sei auch, wenn Varianten umgangen werden können und die Möglichkeit besteht, die Route abzubrechen. Denn, so Mössmer: „Ein Rückzug geht eigentlich gar nicht. Entweder man geht durch oder bricht über einen Notausstieg ab.“ Zudem weist er darauf hin, dass es oft gar nicht auf die Schwierigkeit einzelner Stellen ankommt, sondern die anhaltende Schwierigkeit eher zu Problemen führt. Die gewählte Tour dürfe also auch nicht zu lange sein. Darauf solle man in der Planung Rücksicht nehmen. Das Wetter: Alpine Bedingungen verstehen Viele Urlaubsgäste würden einen Hochseilgarten mit Klettersteigen verwechseln (siehe rechts). Doch während Hochseilgärten eine geschützte Umgebung bieten, bewegt man sich auf Klettersteigen durch alpines Gelände – und ist damit auch Wind, Wetter und Naturgewalt ausgesetzt. „Da gibt es alpine Gefahren, der Rückzug ist schwierig, es gibt Gewitter oder Steinschlag. Das sind alles Faktoren, die noch dazukommen. Auch die Hitze wird im Sommer unterschätzt.“ Mit Kindern: Ist das machbar? Ja, sagt Mössmer. Wichtig ist nur, dass das Kind schwerer als vierzig Kilogramm ist und das Klettersteigset eigenständig bedienen kann. Am besten, jedes Kind wird im Verhältnis 1:1 von einem Erwachsenen betreut. Auch hier gilt: Unbedingt vorher üben, im Kurs oder auf einem Übungssteig für Familien.

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