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Möbeltrends 2027: Der schlichte Skandi-Schick hat ausgedient | Collector
Möbeltrends 2027: Der schlichte Skandi-Schick hat ausgedient
KURIER

Möbeltrends 2027: Der schlichte Skandi-Schick hat ausgedient

Stundenlang Schlange stehen, um eine neue Möbelkollektion zu sehen. Die dreifachen Preise für ein Hotelzimmer und riesige Gassenpartys in der Fußgängerzone Brera. Der Salone del Mobile ist längst mehr als eine Messe – er ist ein mehrtägiger Ausnahmezustand für die globale Kreativszene. Auch Automarken wollen Lifestyle-Labels werden Nicht nur in den Messehallen wuselt es, ganz Mailand hat sich in Boutiquen und Palazzi inzwischen der Mailänder Möbelmesse verschrieben. Installationen, Pop-ups und Performances treffen hier aufeinander. Der Stellenwert ist mittlerweile so hoch, dass selbst Autohersteller wie Audi oder Maserati den Salone nutzen, um sich als Lifestyle-Marken zu inszenieren. Modemarken kommen Auch die Mode hat die Designwoche endgültig für sich entdeckt: Ralph Lauren und Giorgio Armani bespielen ganze Stadpaläste mit kunstvollen Wohnwelten, Miu Miu lädt zum Buchklub, Prada zur intellektuellen Diskussion. Selbst H&M nutzt die Bühne – und präsentiert die neue Home-Kollektion von Kelly Wearstler in opulenten Settings mit maximaler Aufmerksamkeit. Hochglanz ist zurück Bei aller Inszenierung lohnt sich der Blick aber auf das, worum es ursprünglich ging: Möbel. Und die erzählen 2026 eine ziemlich klare Geschichte. „Wir sehen eine Parallel-Welt des skandinavischen Minimalismus. Italien schafft hier einen Gegenpart“, sagt Nina Sachs , Interior-Designerin bei H. Sachs Wohnen und Salone-Stammgast. „Es wird wärmer, dunkler, sinnlicher.“ Die wilden 70er sind zurück Räume wirken wie Kokons statt Showrooms. Das Retro-Flair wird durch ein deutliches 70er-Jahre-Comeback verstärkt: Hochflor-Teppiche, glänzende Wandflächen und großzügige, tiefe Sitzlandschaften – Wohnbereiche, die eher zum Versinken als zum Sitzen gedacht sind. Auffällige Maserungen, viel Leder Materialien spielen dabei die Hauptrolle. Dickes, hochwertiges Leder, schwere Stoffe, auffällige Holzmuster und auch Wandvertäfelungen sind zu sehen. Statt weißen Natursteinen werden nun Tisch- und Küchenplatten mit auffälliger Maserungen und Farbverläufen verarbeitet. Handwerk rückt wieder demonstrativ in den Vordergrund. „Das ist ein klarer Gegenentwurf zur Fast-Fashion-Entwicklung der letzten Jahren“, so die Expertin. Kein Kitsch Auch farblich verabschiedet sich das Interieur von eintönigen Beige- und Grauabstufungen. Stattdessen: Viel mehr Mut zur Farbe. Eine grüne Badewanne hier, eine kanariengelbe Bar dort. „Zu den vielen Braun-Nuancen gesellen sich kräftige Töne wie Orange, Rot und Grün“, sagt Sachs. Hochglanzlack trifft auf Naturmaterialien, Opulenz auf Struktur. Entscheidend dabei: Es geht nicht um Kitsch. Gold und überladener Glamour bleiben außen vor. Der neue Luxus definiert sich über Qualität und handwerkliche Präzision, die man auch sieht. Nach Jahren der Reduktion darf es wieder mehr sein. Mehr Gefühl, mehr Farbe, mehr Charakter.

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