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Der Meister der Venen-Chirurgie operierte in Melk
KURIER

Der Meister der Venen-Chirurgie operierte in Melk

Wenn mehr als ein Dutzend internationale Gefäßchirurgen gemeinsam im OP-Saal des Klinikums Melk operieren, sorgt das für Aufsehen in der medizinischen Fachwelt. Auf Einladung des European Venous Forums (EVF) organisierte der Chirurg und Phlebologe Alfred Obermayer mit seinem Team eine hochkarätige Veranstaltung zur Volkskrankheit „offenes Bein“ (Ulcus cruris) bei der es zur Sache ging. Höhepunkt war die gemeinsame Behandlung einer Schar von Patienten mit schweren Krankheitsbildern. Obermayer hat sich in jahrelanger Arbeit und Forschung einen Namen gemacht und ist als Koryphäe in der Venenheilkunde weltweit als Keynote Speaker bei Mediziner-Kongressen gefragt. Die insgesamt 14 Ärztinnen und Fachärzte aus verschiedenen Ländern – darunter auch aus Kanada – waren nach Melk gekommen, um sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit den hier praktizierten Diagnose- und Behandlungsmethoden auseinanderzusetzen. Bei allen Teilnehmern handelte es sich um erfahrene Chirurgen, die vom EVF ausgewählt worden waren. Im Mittelpunkt stand die im LK Melk erfolgreich angewandte Methode des sogenannten „Sourcing“, die vom Oberarzt Obermayer entwickelt wurde. Dabei legt der Mediziner zunächst auf die genaue Ursachenerforschung der Erkrankung großen Wert. Die präzise Diagnose ermöglicht es dann, die blockierte Blutzirkulation gezielt operieren und behandeln zu können. Das strukturierte Vorgehen beschert nachhaltige Therapieerfolge. Dass es Obermayer und sein Team schaffen, oft bereits aussichtslos scheinende offene Wunden an Beinen wieder zu heilen, stößt auf höchstes Interesse. Operationen „Es war eine unglaubliche einzigartige Stimmung, als wir im OP-Saal gemeinsam schwierige Fälle operiert haben“, erzählt Obermayer über den Höhepunkt der Veranstaltung. Einen ganzen Tag verbrachten die Teilnehmer im Operationssaal, wo sie die chirurgischen Techniken Obermayers und seines Teams, einschließlich Hauttransplantationen, direkt mitverfolgten und auch selbst Hand mit anlegten. Zehn ausgewählte Patienten mit offenen Wunden an den Beinen, die sich mit den besonderen OP-Umständen einverstanden erklärt hatten, wurden operiert. „Wir haben gemeinsam untersucht, die Vorgangsweise besprochen und dann miteinander auch operiert“, schildert der Melker Chirurg. Die von ihm praktizierte Technik der Punktierung von Venen mithilfe von Ultraschall stieß auf besonderes Interesse. Außergewöhnlich Eine Besonderheit stellte auch die Visite am Folgetag der Operationen im Klinikum dar. Ein Teil der interessierten Gastmediziner nahm daran noch teil. Nochmals zog internationales Flair durch die Melker Spitalsgänge. Sowohl von den Patienten als auch von Ärzten durfte man sich über sehr zufriedenstellende Ergebnisse freuen. „Solche extrem praxisorientierten Fortbildungen gibt es selten bis gar nicht. Der heutige Präsident des European Venous Forums hat vor zehn Jahren so eine Veranstaltung mit mir besucht und wollte unbedingt eine Wiederholung“, erzählt Obermayer. Derartige Projekte seien nur durch die enge Kooperation eines engagierten und hoch qualifizierten Teams möglich, dankte er den Beteiligten und dem Team des Melker Klinikums. Mit der Donaustadt Melk hat Obermayer enge Bande geknüpft. Neben der Arbeit im Klinikum hat der Chirurg hier das Karl-Landsteiner-Institut für funktionelle Phlebochirurgie gegründet. Gemeinsam mit seinen Partnern betreibt er hier und auch in Wien eine Wahlarztpraxis, in denen er sich auf Venenerkrankungen und mit daraus folgenden oft schweren Geschwüren an den Beinen befasst. Mit dem Chirurg und Partner Ferdinand Steinbacher praktiziert und verfeinert Obermayer laufend die neuartige unblutige Venenverödung per Ultraschall – genannt „high-intensiv focused Ultrasound“ (HIFU). Die Methode bescherte dem Duo bereits viel internationalen Zuspruch. Mit der Leidenschaft, wie er sie für den Beruf aufbringt, widmet sich Obermayer in der Freizeit der Erforschung und auch Verehrung des Heiligen Peregrinus. Der am 1. Mai 1345 Verstorbene ist Schutzheiliger der Fußleidenden und Krebskranken. „Als Arzt bin ich der Naturwissenschaft verbunden, der Glaube ist aber eine Art Handlauf und gibt auf einer anderen Ebene Stütze und Halt“, sagt der Mediziner. Eine mehrtägige Auszeit nutzte er dieser Tage für eine Pilgerreise ins italienische Forli in der Emilia-Romagna. Dort ruht der mumifizierte Heilige Peregrin. Rund um den 1. Mai wurde er feierlich verehrt.

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