KURIER
KI-Agenten , die nicht nur Fragen beantworten, sondern Aufgaben eigenständig erledigen können, werden zunehmend im Onlinehandel aktiv. Sie suchen im Auftrag von Nutzern Produkte, vergleichen Angebote und kaufen im Namen ihrer Auftraggeber auch gleich ein. Will man etwa eine Reise buchen, gibt man dem Agenten Destination und Daten, Budget und besondere Wünsche bekannt, die KI erledigt dann den Rest. Sie sucht Flüge, vergleicht Hotelpreise, bucht schließlich Tickets und Aufenthalt und, falls gewünscht, den Mietwagen dazu.< „Bei jüngeren Generationen haben Chatbots wie ChatGPT Suchmaschinen bereits ersetzt. Dieses Nutzerverhalten breitet sich auf den E-Commerce aus“, sagt Brice van de Walle , der bei Mastercard in Europa Lösungen für den Zahlungsverkehr verantwortet. Wie auch andere Zahlungsdienstleister testet Mastercard Anwendungen für agentische KI im Zahlungsverkehr. „Vertrauen aufbauen“ Zunächst gehe es darum, Vertrauen aufzubauen, sagt van de Walle. Deshalb werden zuerst Anwendungen ins Auge gefasst, bei denen die Beträge nicht allzu hoch sind. In den Vereinigten Arabischen Emiraten haben KI-Agenten bei Tests Kinotickets erworben. < Haben sich Vertrauen und Verständnis für solche Transaktionen entwickelt, sollen sie auf andere Arten von Waren und Dienstleistungen ausgeweitet werden. Die Möglichkeiten seien fast unbegrenzt, sagt der Mastercard-Manager. Welche Anwendungsfälle sich durchsetzen werden, sei noch schwer zu sagen. Wie funktioniert der Einkauf mit der KI? Technisch gesehen beauftragen Konsumenten die KI, in ihrem Namen zu handeln. Nutzer geben ihr Einverständnis, dass die KI für sie tätig wird und erteilen ihr eine Anweisung, etwa ein paar Schuhe für einen bestimmten Preis zu kaufen. Beides wird mittels biometrischer Authentifizierung des Nutzers am Smartphone oder Computer bestätigt. Einverständnis und Absicht der Nutzer seien zentral, erläutert van de Walle. Wird der Zahlungsprozess initiiert, findet neuerlich eine Authentifizierung statt. Wichtig sei die Transparenz. Alle Beteiligten – Händler, Bank, Zahlungsdienstleister – wissen, dass sie es mit einem KI-Agenten zu tun haben. Tests auch mit österreichischen Banken Getestet werden die KI-Einkaufshelfer auch vom Mastercard-Rivalen Visa . Auch heimische Banken, die Erste Bank und die RBI , sind bei den Testläufen in Europa „in einer kontrollierten Umgebung unter realistischen Bedingungen“ mit dabei. < Zunächst solle validiert werden, dass von KI-Agenten initiierte Zahlungen in realen Umgebungen sicher und im großen Maßstab funktionieren, heißt es. Sichergestellt werden soll auch, dass KI-Agenten im Auftrag von Menschen handeln können, die Kontrolle darüber aber bei den Nutzern verbleibe. Haftungsfrage Wer haftet, wenn etwas schiefgeht? Die Haftungsregeln würden sich durch die KI-Agenten nicht ändern, sagt Mastercard-Manager van de Walle. Fordere der Händler bei der Bezahlung eine Authentifizierung an, gehe die Haftung auf den Emittenten über, also die Bank, die die Kreditkarte ausgegeben hat. Werde keine Authentifizierung angefordert, verbleibe die Haftung beim Händler. Das wolle man vorerst auch nicht ändern. Sollten Daten aus den Tests Anpassungen nahelegen, seien Änderungen aber durchaus vorstellbar.< KI-Agenten gelten in vielen Bereichen als Sicherheitsrisiko . Wie gehen die Zahlungsdienstleister damit um? Van de Walle verweist darauf, dass für alle transparent sei, dass es sich um eine KI handle. Einverständnis und Absicht der Nutzer würden im gesamten Prozess mehrmals überprüft. Die Kreditkartendaten seien kryptografisch abgesichert, so der Mastercard-Manager: „Wir gehen proaktiv damit um.“ Weitreichende Auswirkungen Absehbar ist, dass sich Onlinehändler früher oder später an die KI-Einkaufshelfer anpassen werden. Sie müssen Daten so aufbereiten und zur Verfügung stellen, dass sie von der KI auch verstanden werden können. Fluglinien oder Hotels seien mit dem Verkauf über indirekte Kanäle , etwa Marktplätze und Preisvergleichsportale, bereits vertraut, sagt van de Walle. < Für Händler oder Firmen, die direkt an Kunden verkaufen, bedeutet die Interaktion mit KI-Agenten aber weitreichende Umstellungen. Sie müssen nicht nur umdenken, wie sie Kundenbindungen aufbauen und aufrechterhalten, sondern auch, wie sie den Prozess vor, während und nach dem Kauf gestalten. 360-Grad-Blick „Sie brauchen einen 360-Grad-Blick auf alles, was mit ihnen zu tun hat“, sagt van de Walle. Denn KI-Agenten werden das Web nach Bewertungen durchsuchen und in ihre Kaufentscheidung auch einfließen lassen, ob es bei dem Händler beim Umtausch oder bei Reparaturen Probleme gegeben hat. „KI-Agenten werden auf all diese Informationen zugreifen und eine fundierte Entscheidung darüber treffen, was die beste Option ist“, so der Mastercard-Manager. Der Preis werde zwar weiterhin eine Rolle spielen, andere Aspekte werden aber an Bedeutung gewinnen. Großes Potenzial Glaubt man Marktforschern, ist das Potenzial der KI-Einkaufshelfer im Handel groß. McKinsey geht davon aus, dass bis 2030 weltweit bis zu 5 Billionen US-Dollar durch KI im Onlinehandel bewegt werden. Die Berater von Strategy& rechnen damit, dass in Europa 2030 15 Prozent des E-Commerce über agentische KI abgewickelt wird. < KI werde die Art und Weise, wie Einkäufe getätigt werden, grundlegend verändern, ist van de Walle überzeugt: „Der Mensch hat schon immer nach Wegen gesucht, sein Leben einfacher zu gestalten. Deshalb ist auch E-Commerce so erfolgreich geworden. Jetzt wird KI das Leben noch einfacher machen.“
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