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Weidlinger: "Marathon-Weltrekord extrem beeindruckend"

Wenn im Sport Superlative bemüht werden, muss Großes passiert sein. So geschehen am vergangenen Wochenende in London. „Extrem beeindruckend“ ist für Günther Weidlinger, in welche Sphären hier der Marathonlauf vorgestoßen ist. Der Kenianer Sebastian Sawe absolvierte die 42,195 Kilometer in einer Stunde 59 Minuten 30 Sekunden und unterbot als erster Athlet die Zwei-Stunden-Marke. Ebenso nur elf Sekunden dahinter Yomif Kejelcha aus Äthiopien. Und auch Jacob Kiplimo aus Uganda blieb um sieben Sekunden unter der bisherigen Rekordmarke 2:00:35 des Kenianers Kelvin Kiptum aus 2023. Höhentraining Am Marathon scheiden sich die Welten. Es dominieren traditionell und eindrucksvoll Athleten aus Afrika, die Konkurrenz läuft hinterher. Roland Werthner, Obmann der TGW Zehnkampf Union Linz und OÖLV-Präsident, ortet einen Grund darin, dass in den Ländern im Nordosten des afrikanischen Kontinents quasi ständiges Höhentraining möglich sei, was die Ausdauerleistung steigere. Dazu kämen gewisse genetische Vorteile in Form spezieller Muskelfaserstrukturen. Dieser Einschätzung pflichtet Günther Weidlinger bei, er sieht die Unterschiede auch entwicklungsgeschichtlich begründet: „Wir sind eine faulere Gesellschaft und haben mittlerweile eine etwas degenerierte Muskelstruktur.“ So würden in Afrika Kinder noch zu Schule gehen, und das oft kilometerweit, hierzulande hingegen zumeist bis vor die Türe kutschiert. Er schließe sich hier nicht aus, sagt Weidlinger, chauffiere seinen Sohn ebenfalls und fahre auch lieber mit dem Auto als mit dem Fahrrad zum Einkaufen. In jüngeren Jahren lief der gebürtige Braunauer viel und lang und schnell, gewann mehrere Meistertitel über die Mittel- und die Langstrecke. 2009 brach er beim Marathon in Frankfurt den 23 Jahre lang bestehenden österreichischen Rekord von Gerhard Hartmann. Die 2:10:47 hielten immerhin zehn Jahre. Heute liegt die Bestmarke auf 2:09:53, aufgestellt 2025 von Aaron Gruen. Karbon-Schuhe Rekorde, erst recht jener von London, werden heute mit hochwertigem Schuhwerk erlaufen, in das die Hersteller viel Know-how verpacken. Ein Schuh wiege nur noch 97 Gramm, weiß Weidlinger: „Das ist so gut wie nichts.“ Zudem würden integrierte Karbonplatten einen starken Schub nach vorne geben, was die Laufenergie verstärke und zugleich die Wadenmuskulatur entlaste. Laufen als Aufstieg Weidlinger ist Leiter des Organisationsteams des Linz-Marathons und überzeugter Werber für den einfach auszuübenden Laufsport: „Man kann überall laufen, braucht keine Infrastruktur, kann sogar barfuß beginnen.“ Und wer gut sei, könne in Afrika sein Leben verbessern. „Dadurch sei die Motivation dort größer als bei uns“, sieht er nicht zuletzt den Aspekt des sozialen Aufstiegs: „Unseren Kindern geht es relativ gut, sie müssen den Eltern nichts beweisen.“ Im Übrigen ist Weidlingers Marathon-Bestmarke aus dem Jahr 2009 nach wie vor Oberösterreich-Rekord. Irgendwann werde ein Talent kommen, das diese Zeit unterbieten wird, „aber momentan sehe ich es noch nicht“.

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