KURIER
Der Sommer naht in Riesenschritten und damit auch die Hauptreisezeit. Wer jetzt noch nicht gebucht hat, ist schon spät dran und muss nehmen, was übrig ist. Und nicht nur das. Infolge des Irankriegs sind die Ölpreise in lichte Höhen gestiegen, erste Airlines haben bereits ihre Kerosinzuschläge angepasst. Dabei könnte es aber nicht bleiben. Die EU-Kommission hat nun gewarnt, dass in Europa das Kerosin ausgehen könnte. Nicht irgendwann, sondern schon in sechs Wochen, also Mitte Juni. In Asien gibt es bereits größere Engpässe. Die Fluglinien beginnen vorsorglich, schlechter gebuchte und wenig rentable Strecken zu kürzen und Flugzeuge stillzulegen. Ob diese Maßnahme ausreichen wird, um über den ganzen Sommer zu kommen, steht in den Sternen. Selbst wenn die Verhandlungen über die Öffnung der Straße von Hormus bald von Erfolg gekrönt sein sollten, dauert es Monate, bis das Rohöl in den Raffinerien zur Weiterverarbeitung eingetroffen ist. Wenn es in Folge zu einem Bieterkampf um die letzten Tropfen kommt, könnte sich Kerosin noch weiter verteuern. Für den weltweiten Tourismussektor wäre ein Spritengpass das Worst-Case-Szenario, nachdem erst die Pandemie bewältigt worden ist. Kommen zum Beispiel keine Flieger auf die Inseln im Mittelmeer, bleiben auch die Hotelbetten leer. Eine Anreise mit dem Schiff, das allerdings auch Treibstoff benötigt, tun sich die wenigsten an. Gerade für Griechenland oder Spanien wäre dies volkswirtschaftlich ein Albtraum. In Spanien trägt der Tourismus rund 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Griechenland sind es sogar 20 Prozent. Hunderttausende Stellen hängen direkt und indirekt an der Branche. So auch in Österreich. Hier gibt es bereits Ausfälle und Stornierungen zu verzeichnen, vor allem aus Asien und dem arabischen Raum. Schlicht, weil die Golf-Airlines infolge des Krieges die meisten Flüge abgesagt haben. Erst jetzt beginnt sich die Lage langsam zu normalisieren, Emirates etwa hat am Wochenende ihren Flugbetrieb in vollem Umfang wieder aufgenommen. Doch es bleibt abzuwarten, ob die Gäste so schnell wieder Vertrauen in Fernreisen über Flughäfen am Persischen Golf fassen. Europa könnte im Fall von größeren Kerosinengpässen aber dennoch mit einem blauen Auge davon kommen. Wie schon in Corona-Zeiten würden Erholungsuchende ihren Urlaub dann im eigenen Land oder in einem Nachbarstaat verbringen. Österreichs günstige geografische Lage könnte dabei helfen, dass sich die Gästerückgänge hierzulande in Grenzen halten. Benzin gibt es jedenfalls ausreichend, um das Ziel mit dem Auto zu erreichen. Und trotz gekürzter Spritpreisbremse halten sich die Anreisekosten – im Verhältnis zu Flugtickets – noch im Rahmen.
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