KURIER
Vergangene Woche gab es Social Media Glückwünsche für Barbara Novak von ihrer Döblinger Bezirkspartei: Novak feiert dieser Tage 25-Jahr-Jubiläum in der Kommunalpolitik. Novak, die seit dem Vorjahr Finanzstadträtin und seit Kurzem auch Vizebürgermeisterin ist, habe stets „mit Herz, klarer Haltung und für die Menschen“ Politik gemacht, loben sie die Döblinger Genossen. Ihrem Heimatbezirk sei sie immer verbunden geblieben; erst im März wurde sie mit 93,2 Prozent der Stimmen als Bezirksparteichefin bestätigt. Dass sich Novak dieser Tage uneingeschränkt freuen kann, ist aber unwahrscheinlich. Denn über ihrer politischen Bilanz schwebt eine andere Zahl: die verflixte 7. Diese stand nämlich vor Novaks Wahlergebnis beim Landesparteitag der Wiener SPÖ vor einer Woche. In ihrer neuen Funktion als stellvertretende Parteichefin konnte sie nur 70,87 Prozent der Delegiertenstimmen einheimsen. Seither wird in der Stadtpolitik – und auch innerhalb der SPÖ – heftig über das Ergebnis spekuliert. Vor allem, weil Novak die Einzige war, die dem politischen Streichkonzert zum Opfer fiel, während andere mit herzeigbaren Ergebnissen gewählt wurden. Für den Chef Michael Ludwig gab es 92,3 Prozent; für Gewerkschafter Christian Meidlinger 93,9 Prozent und für SPÖ-Frauen-Chefin Marina Hanke gar 95,29 Prozent. Sogar die intern nicht unumstrittene Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures kam auf 83,68 Prozent, ebenso wie Langzeit-Klubchef Josef „Joe“ Taucher . Ganz besonderes Augenmerk legten Beobachter auf das Ergebnis von Jürgen Czernohorszky , der gemeinsam mit Novak erstmals antrat. Die beiden ersetzen gemeinsam Ex-Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál , die aus der Politik schied. Pikant ist das deshalb, weil sowohl Czernohorszky als auch Novak als Kontrahenten und mögliche Nachfolger von Ludwig im Bürgermeisteramt gelten. Dass Ludwig überhaupt nicht daran denkt, sich zurückzuziehen, sollte man wohl dazusagen, hindert freilich aber dennoch niemanden an Spekulationen. Czernohorszky erhielt jedenfalls 93,7 Prozent der Stimmen – also deutlich mehr als Novak. Warum die Finanzstadträtin abgestraft wurde, dazu gibt es mehrere Theorien. Und eines vorweg: Nicht in allen geht es um Novak selbst. Klar ist, dass die machtbewusste Politikerin sich in 25 Jahren nicht nur Freunde in der Partei gemacht hat. Alles andere wäre – nicht zuletzt angesichts ihres Jobs vor Regierungseintritt – auch verwunderlich: Novak war sieben Jahre lang als Landesparteisekretärin damit beschäftigt, die riesige rote Maschinerie am Laufen zu halten. Das geht nicht ohne strenges Regiment. Und wohl auch nicht ohne persönliche Kränkungen. In der Partei übte Novak in den vergangenen Jahren schließlich bereits das, was sie nun in der Stadtregierung perfektioniert: Sparen. Und das oftmals ohne Kompromiss. Dass beim Landesparteitag so mancher Rote seine Chance sah, seine Rache kalt zu genießen, gilt als fix. Kein Geheimnis ist auch, dass Novak nicht unbedingt als begnadete Netzwerkerin gilt: Sie agiert und regiert mit einem kleinen Kreis an Vertrauten. Zu groß scheint das Misstrauen in die eigenen Genossen, um sie bei Projekten rechtzeitig ins Boot zu holen. Das wirft man ihr in anderen roten Stadtratsbüros nicht zuletzt angesichts des Sparpakets vor, dass sie in den vergangenen Monaten schnürte: Sie habe Regierungskollegen nicht ausreichend eingeweiht. Selbiges gilt für die Bezirke. Dass Novak die Bezirksbudgets für 2026 quasi im Vorbeigehen einfror, sorgte für Aufregung. Angesichts der Tatsache, dass 16 von 23 Bezirken von der SPÖ regiert werden, traf die Maßnahme vor allem die eigenen Leute. Der interne Aufstand dürfte größer gewesen sein, als Novak und Ludwig dachten. Liesings Bezirkschef Gerald Bischof , der als roter Fraktionssprecher der Bezirksvorsteher fungiert, soll jedenfalls sein ganzes (Verhandlungs-)Gewicht in die Waagschale geworfen haben. Es hat Gründe, dass Novak und Ludwig bei der SPÖ-Klausur im März relativ frühzeitig verkündeten, dass die Bezirksbudgets für 2027 wieder angehoben werden – und zwar gleich um 10 Prozent. Mancher Bezirkspolitiker revanchierte sich am Landesparteitag dennoch. Noch bedeutsamer ist, was in SPÖ-Kreisen darüber hinaus gemunkelt wird: Die Streichorgie sei nicht primär als Kritik an Novak selbst zu sehen, heißt es. Vielmehr müsse die neue Vizebürgermeisterin, die als Liebkind Ludwigs gilt, für den Parteichef als „Blitzableiter“ herhalten. Ludwig selbst ist bei den machtbewussten Wiener Roten sakrosankt. Immerhin, so die gültige Erzählung, sei er „der Einzige, mit dem die Partei in Österreich noch Wahlerfolge feiern kann“. Was aber, wenn man ihn für den (Spar-) Kurs oder Personalentscheidungen – etwa die Kür von Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch – dennoch abstrafen wolle? Ein schlechtes Ergebnis für den Chef beim Landesparteitag würde die Wiener SPÖ insgesamt schwächen, auch innerparteilich im Bund. Das will selbst unter den kritischsten Genossen kaum einer. Ludwigs Vertraute ist da ein einfacheres, aber wirkungsvolles Ziel: Die Botschaft – da ist man sich sicher – verstehe Ludwig trotzdem.
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