KURIER
„Wir haben dem Host Bescheid gegeben, dass Sie hier sind“, sagt mir die Schrift am Bildschirm. Das klingt lapidar, ist aber erfreulich. Man weiß von mir. Ich bin jetzt ganz nah dran an Halle Berry, Kristen Stewart oder was mir an guten Tagen so alles per Einzelinterview vor die Laptop-Linse kommt. Jetzt kann es nur noch Minuten dauern oder ein ganzes Leben. Oder ich komme in den quälend adrenalinprickelnden Genuss, in Kürze vier Magazinseiten mit neuem Inhalt befeuern zu müssen. Neulich, im Warteraum „We should be ready to roll on this interview in around 15 mins“, flammt eine Nachricht im Zoom-Chat auf. Online habe ich mehr Zeit in Warteräumen verbracht als je beim Arzt. „We’ll be letting you in shortly.“ Das macht Hoffnung, ist aber eine dreiste Lüge. Es kommt, wie es muss: „We’ve running about ten minutes behind.“ Irgendwo machen sich sicher noch ein Make-up-Wuzzi oder ein PR-Agent mit „Main Character Energy“ wichtig. Dann aber muss es ruckizucki gehen. Interviews starten als Schneckenrennen, doch am Ende geht’s zu wie beim Sommerschlussverkauf kurz vor Ladenschluss. Nach 15 Minuten meldet sich die PR im Chat: fünf Minuten noch. Nach 18 Minuten: ans Schlussmachen denken, letzte Frage bitte! Stress, von dem die Stars, die tiiiiefenentspannt im Sofa chillen, nix wissen. Der Zeit beraubt bleiben wichtige Fragen ungestellt. Neulich im wahrsten Sinne: Auf Pedro Pascal durfte ich 45 Minuten warten, dann kam die apodiktische Auskunft „Sorry, Pedro muss einen Flieger erwischen“. Zack, aufgelegt. Der Mann hat ein virtuelles Meeting, in dem er nie war, ganz in echt verlassen, und dabei die Schwerkraft überwunden. Kinoreif.
Go to News Site