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Aufregung um FPÖ-Abgeordneten: Zwischenruf sorgt für Kritik
KURIER

Aufregung um FPÖ-Abgeordneten: Zwischenruf sorgt für Kritik

Aufregung gibt es in Tirol rund um den FPÖ-Nationalratsabgeordneten Christoph Steiner. Der Zillertaler soll am Sonntag bei der Feldmesse im Rahmen des Gauder Festes die Predigt von Bischof Hermann Glettler danach gut hörbar mit Kritik in dessen Richtung kommentiert und gemeint haben, dass der Geistliche besser "Politiker bei den Grünen" hätte werden sollen. Steiner wollte dies nur "vor sich hin" bzw. zu Parteikollegen gesagt haben und kritisierte Polit-Agitation Glettlers. Zwischenruf "zum Fremdschämen" Der für "alle hörbare" Zwischenruf bei der Messe in Zell am Ziller sei "zum Fremdschämen" gewesen, empörte sich etwa Steiners Zillertaler Landsmann, ÖVP-Landtagsvizepräsident und Fügener Bürgermeister Dominik Mainusch . Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete habe Glettler nach der Predigt von der ersten Reihe aus in Richtung Altar ein "Wärst besser grüner Politiker geworden" zugerufen, berief sich die Online-Ausgabe der Tiroler Tageszeitung zudem auch auf andere Messbesucher und berichtete auch von Zillertaler Bürgermeistern, die sich im Anschluss beim Innsbrucker Diözesanbischof entschuldigt hätten. Stimmt so nicht (ganz) - zumindest was den unmittelbaren Adressaten betrifft, meinte hingegen Steiner selbst zur APA. Er habe "vor mich selbst hin" sowie zu neben ihm sitzenden Parteikollegen in Bezug auf Glettler gesagt: "Wäre er doch besser Politiker geworden." Daraufhin habe jemand aus einer anderen Sitzreihe gerufen: "Aber kein G'scheiter". Woraufhin er, Steiner, wiederum von sich gegeben habe: "Dann halt bei den Grünen." Geschrien oder lautstark gerufen, habe er dabei nicht. Glettler wollte auf APA-Anfrage keinen Kommentar zu der Causa abgeben. "Vorsicht vor denen, die das Blaue vom Himmel versprechen" In seiner Predigt, die mittlerweile auch auf der Homepage der Diözese veröffentlicht wurde, hatte der Bischof wegen der aktuellen gesellschaftlichen Spannungen für mehr Zusammenhalt appelliert. Gleichzeitig meinte Glettler: "Vorsicht vor denen, die das Blaue vom Himmel versprechen". "'Mit uns wird alles besser, alles gerechter. Mit uns kommt die gute alte Zeit zurück!' Das sind leere Worte. Und wenn dann jemand noch die Klaviatur von Neid, Hass und Verlustängsten beherrscht - gegen die Sozialbetrüger und 'Völkerwanderer' - dann bitte Vorsicht: Es gibt nicht die einfachen Lösungen! Neid erzeugt Neid, Enthemmung führt zu weiterer Enthemmung und Hass produziert Hass. Wollen wir das? Gefährlich ist das Nicht-Zuhören und Drauflos-Behaupten", erklärte der Bischof. Anstelle von "gefährlicher Abschottung in den eigenen ideologischen Blasen" brauche es mehr Begegnung und die gemeinsame Suche nach Lösungen. "Weg von einem permanenten Verteufeln der Andersdenkenden und des 'Systems', hin zu einer gemeinsamen Suche nach guten Lösungen", so Glettler. Steiner: "Politische Einstellung nicht von Kanzel herabpredigen" Die Predigt sei ganz klar erkenntlich "auf die FPÖ gemünzt gewesen", übte indes Steiner am Montag weiter deutliche Kritik am Bischof. Auch jeder hohe kirchliche Würdenträger könne seine persönliche politische Einstellung haben - "ob eine linke oder ob eine rechte." "Aber er sollte diese Einstellung nicht von einer Kanzel herunterpredigen", sagte der freiheitliche Abgeordnete. Glettler habe 20 Minuten lang "die FPÖ abgekanzelt und diskreditiert": "Das war der echte Skandal bei der Messe." "Für mich als gläubiger und bekennender Katholik gehört parteipolitische linke Agitation nicht in eine Eucharistiefeier, das sollte der Bischof von Innsbruck verstehen und einsehen", meinte der Zillertaler. ÖVP-Wolf will "Machtwort" von Abwerzger Scharfe Attacken ritt indes die Tiroler ÖVP. "Wer meint, einem Bischof den Mund verbieten zu können, hat ein völlig falsches Verständnis von Meinungsfreiheit und gesellschaftlichem Diskurs. Das Abbügeln oder gar Abkanzeln kirchlicher Stimmen geht in Tirol gar nicht", zeigte sich der schwarze Klubobmann Jakob Wolf in einer Aussendung "empört". Ein "Maulkorb" für den Bischof sei "inakzeptabel". Wolf ortete freiheitliche "Forderungen nach Zensur gegenüber Medien und Kirche". Damit disqualifiziere sich die FPÖ einmal mehr selbst. "Wer so agiert, wird in Tirol niemals regierungsfähig sein", winkte der ÖVP-Grande schon einmal mit dem Zaunpfahl. Wolf appellierte an Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger, ein "klares Machtwort" zu sprechen und Steiner "unmissverständlich in die Schranken zu weisen." In dieselbe Kerbe schlug ÖVP-Landtagsvize Mainusch. Steiners Verhalten gehöre sich einfach nicht. Wer, wie die FPÖ auch in Tirol, regieren wolle, müsse sich "anständig benehmen können." Kritik an Steiner kam unterdessen auch von den oppositionellen Tiroler Grünen. Diese sprachen von einer "verbalen Entgleisung" gegenüber Glettler, die "antidemokratisch bis ins Mark" sei. Dies erinnere "fatal an internationale FPÖ-Vorbilder wie Donald Trump, der jüngst auch den Papst angegriffen hatte, aufgrund der Kritik gegen sinnlosen und unmenschlichen Krieg", so Landtagsabgeordnete Zeliha Arslan.

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