KURIER
Plötzlich wird es ganz laut und die Wassermassen bahnen sich mit all ihrer Kraft den Weg durch die Wälder im steirischen Ausseerland . Was bedrohlich klingt, ist in Wahrheit ein alljährliches Naturschauspiel , das nahezu magisch Schaulustige anzieht. Während der Schneeschmelze – zwischen Mai und Juni – verwandeln die hiesigen Karstquellen die Wälder des Ausseerlandes in ein Zuhause wilder Wasserspiele. Karstquellen sind beeindruckende Zeugen der Zeit und verdeutlichen die Beziehung zwischen Wasser und Gestein. Sie entstehen in sogenannten Karstgebieten – Landschaften, die durch wasserlösliche Gesteine wie Kalkstein geprägt sind. In diesen Gegenden versickert Regenwasser rasch im Boden, bahnt sich unterirdisch über Jahrzehnte bis Jahrtausende seinen Weg durch Höhlen und Spalten und tritt dann an bestimmten Punkten wieder an die Oberfläche – oft mit überraschender Kraft und Klarheit. So auch hier im Toten Gebirge , dem ausgedehnten Kalksteinmassiv in der nördlichen Steiermark . Reißender Fluss aus dem Berghang Die bloße Wucht des Wassers wird einem vor allem bei den Strumern in Bad Mitterndorf bewusst. Hier entspringt ein reißender Fluss direkt aus einem Loch im Berghang. Je weiter das Wasser zieht, desto sanfter wird es und am Ende schlängelt es in Form von mehreren kleinen Karstquellen, die sich fast sanft zwischen Moos und Wurzeln ihren Weg durch suchen, durch die Region. Ihr Name leitet sich vom rauschenden Geräusch ab, das das austretende Wasser verursacht. Die Strumernquellen sind besonders zur Schneeschmelze aktiv und zeigen dann ihre ganze Kraft. Sie speisen einen der Zuflüsse der Grimmingbach-Region und bieten ein beeindruckendes Schauspiel für Naturfans . Stille Wasser Etwas ruhiger gibt sich der Sagtümpel , der versteckt im Wald oberhalb von Tauplitz liegt. Er wirkt auf den ersten Blick wie ein ruhiger, unscheinbarer Tümpel – bis man ihn besser kennt. Der unterirdisch gespeiste Tümpel ist Teil eines dynamischen Karstsystems. Je nach Wasserstand und Wetterlage kann sich das kleine Gewässer rasch verändern: Es füllt sich in kurzer Zeit, entleert sich aber ebenso schnell über verborgene Abflüsse im Gestein. Ein Ort voller Magie, der als Paradebeispiel für die typische Unberechenbarkeit von Karstquellen gilt. Paradiesischer Grundlsee Am Grundlsee , dem größten See der Steiermark, mündet der Stimitzbach. Besonders eindrucksvoll ist die Klarheit und gleichmäßige Temperatur des Wassers, die das ganze Jahr über nahezu konstant bleibt. Der Bach versorgt nicht nur den See mit Frischwasser, sondern bietet auch wichtigen Lebensraum für Forellen und andere empfindliche Lebewesen. Ein Paradebeispiel dafür, wie Karstquellen ganze Ökosysteme stabilisieren können. Ökosystem Denn die Wassermassen sind für die Wälder keinesfalls eine Belastung. Karstquellen gehören zu den ursprünglichsten Formen des Wasseraustritts in der Natur. Im Gegensatz zu technischen Wasserfassungen oder Umleitungen verändern sie die Umgebung nicht künstlich – sie sind Teil eines natürlichen Kreislaufs, der sich über geologische Zeiträume gebildet hat. Zudem fördern sie die Biodiversität: Das saubere, kühle Wasser bildet die Grundlage für sensible Lebensgemeinschaften. Viele Arten sind genau auf diese Bedingungen angewiesen. Gleichzeitig wirken Karstsysteme wie natürliche Filter, die Verunreinigungen zurückhalten und das Wasser reinigen. Der Schutz dieser Quellen ist daher besonders wichtig. Die Karstquellen des Ausseerlandes sind mehr als geologische Erscheinungen – sie sind stille Wunder der Natur , deren Ursprung oft tief im Fels verborgen liegt.
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