KURIER
Zumindest am 8. und 9. Mai sollen also die Waffen schweigen . So jedenfalls verkündete es der Kreml am Montagabend – immerhin will man am Samstag dem Sieg über Nazi-Deutschland gedenken. Die Militärparade am Roten Platz ist seit jeher ein Fixpunkt der russischen Großmacht-Erzählung. 8,7 Millionen Sowjetsoldaten kamen im Zweiten Weltkrieg ums Leben, rund 1,5 davon stammten auch aus der Ukraine - aber das nur nebenbei. Russland und seine Kriege – das ist seit jeher eben auch die Geschichte großer Verluste und Entbehrungen. Und solange der Krieg erfolgreich geführt wird, verzeihen das die Russen ihren Machthabern auch. Entbehrungsreiche Kriege gehören zum Gründungsmythos Russlands. Nur erfolgreich (verkauft) müssen sie eben sein. Und genau das wird zusehends zum Problem. Selenskijs Ankündigung, ukrainische Drohnen könnten an der Militärparade in Moskau teilnehmen, hätte man in Moskau vor nicht einmal einem Jahr wohl noch mit einem müden Lächeln quittiert. Am Dienstag sah man sich bemüßigt, mit massiven Gegenschlägen in Kiew zu drohen, als würde man nicht ohnehin seit mehr als vier Jahren auch die zivile Infrastruktur der Ukraine ins Visier nehmen. Pattstellung an der Front Aber das Blatt hat sich eben gewendet. An der Front hat der massive Einsatz von Drohnen auf beiden Seiten zuletzt zu einer Pattstellung geführt. 50 Kilometer breit soll inzwischen die Zone sein, in der sich kein Soldat mehr aus der Deckung trauen kann, ohne Gefahr zu laufen, von einer der summenden FPV–Drohnen angegriffen zu werden, in der kein geballter Einsatz versammelter Verbände möglich ist. Erst kürzlich wurden Berichte publik, wonach die Ukraine erstmals russische Stellungen, bei denen nur Kampfroboter und Drohnen zum Einsatz kamen, erobern konnte. Ukrainische Verluste: null. 22.000 solcher Missionen sollen im Jahr 2026 laut ukrainischen Angaben bereits durchgeführt worden sein. Der Krieg in Russland Dazu kommt: Der Krieg in der Ukraine ist längst auch in Russland selbst zu spüren. Mit Beginn des Iran-Krieges hat die Ukraine begonnen, auch die russische Erdölindustrie massiv anzugreifen. In Tuapse an der „russischen Riviera“, einem beliebten Touristengebiet am Schwarzen Meer, droht nach einem Drohnenangriff eine echte Umweltkatastrophe. Seit Tagen können russische Behörden den Brand der Öllager nicht löschen, Anwohner berichten von beißender Luft und massiver Ölverschmutzung. Zuvor hatte die Ukraine auch Öllager und Raffinerien an der Ostsee angegriffen. Putins Krieg, er ist einfach nicht mehr schönzureden. Das haben inzwischen auch zahlreiche russische Militärblogger erkannt, die sich in den vergangenen Tagen gegen Putin ausgesprochen haben. Ausgerechnet die Hardliner kritisieren den Langzeitpräsidenten inzwischen öffentlich. Mitte März etwa veröffentlichte der Blogger Ilja Remeslo auf seinem Telegram-Kanal mit rund 120.000 Abonnenten ein Manifest unter dem Titel „Fünf Gründe, warum ich aufgehört habe, Wladimir Putin zu unterstützen“. Das Internet gegen Putin Auch prominente Influencer, die sonst gar nichts mit Politik zu tun haben wollen, üben sich inzwischen in - verhaltener - Kritik. Was ihnen besonders aufstößt: Dass Moskau inzwischen alle sozialen Medien sowie die Nutzung von VPN-Servern massiv eingeschränkt hat. Ihre prominenteste Vertreterin: Viktoria Bonja, ein Instagram-Model und Lifestyle–Bloggerin mit 13,6 Millionen Followern, beschwerte sich aus ihrem Exil in Monaco kürzlich bei Putin höchstselbst. „Wladimir Wladimirowitsch, die Menschen haben Angst vor Ihnen“, sagte sie in einem Video mit inzwischen 30 Millionen Aufrufen. „Ich hoffe, diese Botschaft ermöglicht es uns, miteinander in Kontakt zu treten und all diese Probleme zu lösen. Denn die Regierung dient dem Volk, nicht umgekehrt.“ Verbunkerter Putin Und Putin erreicht diese Botschaft. Laut einem Bericht von CNN , der sich auf ein Dossier europäischer Geheimdienstbehörden beruft, hat Putin die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht. Demnach wurden in den Wohnungen enger Mitarbeiter neue Überwachungssysteme installiert, Köche, Leibwächter und Fotografen, die mit dem Präsidenten arbeiten, sollen nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren dürfen, Mitarbeiter in seiner Nähe dürfen nur noch Telefone ohne Internetzugang verwenden. Seit Beginn des Ukraine–Kriegs im Februar 2022 verbringe Putin dem Bericht zufolge zudem immer wieder wochenlang in aufgerüsteten Bunkern, häufig in der Region Krasnodar am Schwarzen Meer. In dem Bericht findet sich zudem eine Passage, in der die europäische Behörde vor einem möglichen Putsch warnt. Seit Anfang März 2026 seien der „Kreml und Wladimir Putin selbst (…) besorgt über mögliche Lecks sensibler Informationen sowie das Risiko eines Komplotts oder Putschversuchs gegen den russischen Präsidenten“, heißt es in dem Dokument, aus dem CNN zitiert. Dem Bericht zufolge hält Putin vor allem den Einsatz von Drohnen für ein mögliches Attentat für gefährlich - ausgeführt, laut CNN , jedoch nicht von der Ukraine, sondern von „Mitgliedern der politischen Elite Russlands“.
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