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Vom Scherbenhaufen zum Wunder von Klosterneuburg: 20 Jahre ISTA
KURIER

Vom Scherbenhaufen zum Wunder von Klosterneuburg: 20 Jahre ISTA

"Es ist wie eine schwere Geburt, man kann nie sagen, was aus dem Kind wird", resümiert Altkanzler Wolfgang Schüssel beim Besuch am ISTA Klosterneuburg . Der Plan einer Exzellenz-Universität für Grundlagenforschung war damals völliges Neuland für Österreich. Und viele wollten eine Institution wie diese in Wien sehen. Die Bundeshauptstadt zog aber nicht so richtig mit, sagt Schüssel 20 Jahre später. Niederösterreich hingegen tat das - damals in Person von Landeshauptmann Erwin Pröll - sofort. Später sollte Pröll noch sagen, das ISTA - das Institute of Science and Technology Austria - sei eines der drei größten Projekte, die er je geschafft habe. Umstrittener Standort in der "Provinz" Die ursprüngliche Idee einer Exzellenzuni für Grundlagenforschung stammt von Quantenphysiker und Nobelpreisträger Anton Zeilinger . Er kannte derlei Institutionen aus den USA und schlug vor, in Österreich eine Universität anzusiedeln, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler naturwissenschaftlich-technische Forschungen auf höchstem Niveau betreiben sollen. Im Februar 2006 entschied sich die damalige Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer für den Standort in der Klosterneuburger Katastralgemeinde Maria Gugging. Zeilinger zog sich daraufhin zurück. Die Geschichte des ISTA nahm dennoch ihren Lauf. Standort in NÖ rasch gefunden Auch deshalb, weil Niederösterreich schnell in der Lage war, einen Standort anzubieten, der den Vorstellungen der Gründer entsprach: Ein Campus sollte es werden, ein zusammenhängender Komplex von Gebäuden mit Lehrsälen, Laboren, Bibliotheken, Mensen und Sportanlagen. "Der Staat kann nicht alles zahlen" Natürlich spielte auch das Geld eine Rolle: grundfinanziert wurde das ISTA von der Republik und dem Land Niederösterreich sowie von Sponsoren aus der Industrie. "Ich habe damals zur Industrie gesagt: Ihr müsst da mitmachen, der Staat kann nicht alles zahlen", erinnert sich Wolfgang Schüssel. Die Vorbereitungsarbeiten für das ISTA wurden im Frühjahr 2007 in den Gebäuden der früheren Landesnervenklinik Gugging aufgenommen. Vom Gesetzesbeschluss bis zur Eröffnung dauerte es dann drei Jahre: 2009 zogen die ersten 37 Mitarbeiter ein, Thomas Heinzinger war der erste Präsident. Schon im Jahr darauf gab es die ersten PhD-Studenten und -Studentinnen am ISTA, die ersten Promotionen folgten 2015 . Zu dieser Zeit gab es bereits 400 Mitarbeitende am Campus. 1.800 Bewerbungen auf eine Stelle Eine Hürde in den Anfangsjahren war es, auch Lehrende zu finden. Bemisst sich doch die Qualität einer Universität am wissenschaftlichen Ruf ihrer Professoren und Professorinnen. Heute scheint dieses Problem weit weg: "Auf eine ausgeschriebene Forschungsstelle kommen mittlerweile 1.800 Bewerbungen", sagt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Bestes Beispiel dafür ist die junge Chemikerin Julia Reisenbauer, die aus der Buckligen Welt stammt. Die 30-jährige Forscherin hat die vergangenen 12 Jahre im Ausland verbracht und sich dann für eine Stelle am ISTA beworben - gemeinsam mit 1.770 anderen Forschenden. Vom Scherbenhaufen zum Wunder Der aktuelle ISTA-Präsident Martin Hetzer ist wie Reisenbauer Österreicher, der 25 Jahre forschend im Ausland verbracht hat, vorwiegend in den USA. "Im Jahr 2012 bekam ich in Kalifornien Besuch aus Österreich und war völlig von den Socken, was die von mir wollten", sagt er. 2023 wurde Hetzer dann der zweite Präsident in der jungen Geschichte des ISTA. Er sei nicht zurückgekommen, weil er wieder nach Österreich wollte. Sondern "weil ich einen Beitrag leisten wollte." Hetzer erinnert sich, dass er 2009 in einer österreichischen Zeitung bezüglich der Exzellenzuni die Schlagzeile "Scherbenhaufen in Klosterneuburg" gelesen hatte. "Und 2019 war es plötzlich ,Das Wunder von Klosterneuburg" - in der selben Zeitung". Neues Unwissen als höchste Disziplin Das Schöne an der Grundlagenforschung sei, dass sie Lösungen bringe, "die wir noch gar nicht sehen können", sagt Hetzer. Als ihn seine Großmutter einst gefragt habe, was er eigentlich tue, habe er ihr geantwortet: "Grundlagenforschung ist nicht wie ein Kreuzworträtsel, das fertig ist, wenn alles ausgefüllt ist. Sie ist nie fertig. Die höchste Disziplin in der Wissenschaft ist ja, neues Unwissen zu schaffen." Mit dem richtigen Mindset sei alles zu erreichen, sagt Wolfgang Schüssel beim Blick zurück. "Uns steht die Welt offen, wenn die Einstellung stimmt." Nachsatz: "Wir dürfen uns nicht zur Festung machen." Mit diesem Mindset ist damals auch das ISTA realisiert worden. "Es ist wichtig, auch das Gelingende ins Zentrum zu stellen."

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